
Zwölf Jahre nach "Batman Forever" gibt Ex-Riddler Jim Carrey in einem erneut von Joel Schumacher inszenierten Paranoiathriller wieder Rätsel auf.
"Ghostbusters" meets "Seven", lautete die Formel für Fernley Phillips' Drehbuch, das 2000 bei einem Autorenwettbewerb der UCLA ausgezeichnet wurde. "Summer of Sam" meets "Pi - Der Film" könnte man Phillips' Nachfolgeskript resümieren, das die Besessenheit von Zahlen und dämonischen Hunden verknüpft und damit die Aufmerksamkeit zweier Hollywood-Player erregte. Joel Schumacher biss an, weil ihn die Komplexität des Gehirns, verdichtet in seinem seit Jahren avisierten Projekt "Crowded Room", fasziniert. Jim Carreys Interesse ist nachvollziehbar, weil nicht nur der wahrgenommene Plot, sondern auch die Wahrnehmung Carreys auf den Kopf gestellt wird, der an seine dramatischen Qualitäten erinnern will. "Vergiss mein nicht!" ist somit auch für diesen Film bedeutsam, in dem Carrey zurückhaltend komisch zunächst sein gewohntes Gesicht zeigt, bevor ihn der Plot verändert und mit dem Leben des Anderen konfrontiert. Alles beginnt mit einem widerspenstigen Hund, der Tierfänger Walter zum Grab einer Frau lockt. So kommt Walter zu spät zur Verabredung mit seiner Frau, die in der Zwischenzeit den Roman "The Number 23" für ihn gekauft hat. Das Buch ist ein Geburtstagsgeschenk und damit von symbolischer Bedeutung, ist eines von vielen Zeichen, die Walter die Augen öffnen. Je mehr sich der Familienvater in den Seiten verliert, desto größere Parallelen entdeckt er zwischen seiner Biografie und der des Romanprotagonisten. Fingerling (ebenfalls Carrey) hat früh dem Tod in die Augen gesehen, der ihn später auch als Detective und als Lover der geheimnisvollen Fabrizia begleitet, die beim Sex auf Grenzerfahrungen steht. Mehr noch als sie wird aber die Zahl 23 zu Fingerlings Obsession. Sie scheint sein Leben zu steuern, ihn ins Verhängnis zu treiben, wie vielleicht auch Walter, der den Schlüssel für seine Veränderung sucht und damit seine Familie in Gefahr bringt.
Wie mehrere seiner Darsteller, die Doppelrollen ausfüllen, lebt auch der Film in zwei Welten. Zur Normalität gibt es den Gegenentwurf, das Reich der Schatten, starken Kontraste, ruckartigen Kamerabewegungen und Überbelichtungen, in dem Fingerling und Walters Albträume zu Hause sind. Konventioneller als die verstörende, Genrefans bereits vertraute Bildsprache entwickelt sich der Plot, der seine Figuren nachts auf Friedhöfe oder in verwaiste Hausruinen schickt. Um die gängigen Schocks im Thrillerterritorium geht es Schumacher dabei weniger als um das Mysterium von Persönlichkeit und Psychologie, von Fremd- oder Selbstbestimmung. Eine Schlüsselrolle fällt dabei dem Phänomen um die Primzahl 23 zu. Hans-Christian Schmid baute daraus bereits 1998 ein faszinierendes Absturzdrama, Schumacher antwortet mit einem Paranoiathriller, der beim US-Start von einem Millionenpublikum verfolgt wurde. Womit sich mit dem Wahn des Protagonisten auch der Wunsch der Produzenten erfüllte. kob.