
Disharmonische Töne kennt man sonst nicht von Beyoncé Knowles, doch in Steve Shills Thriller muss eine Stalkerin giftig vertrieben und ihre Ehe gerettet werden.
Hilflose Männer mit Karriere und Eheglück, die von sexuell angriffslustigen Frauen fast in den Ruin getrieben werden, gehören zum Thrillerrepertoire des US-Films. Nach "Eine verhängnisvolle Affäre", "Enthüllung" oder "Die Aushilfe" präsentiert sich das Kinoregiedebüt von Steve Shill als dramaturgisch loyaler Remix dieser Vorgänger, lässt allerdings den umworbenen Protagonisten standhaft bleiben und trotzdem im Bett eines Luders landen. Neues Haus, Beförderung, süßes Baby und eine attraktive Frau, mit der er seit drei Jahren glücklich verheiratet ist - Finanzexperte Derek (Idris Elba aus "Rock'N'Rolla") hat alles, doch bald auch ein echtes Problem. Denn Lisa (Ali Larter, "Heroes"), die blonde Aushilfssekretärin mit dem kurzen Rock und den Model-Beinen, hat ihn im Büro als Beute ausgemacht. Derek ist freundlich, hilfsbereit und geht offensichtlich selten ins Kino, was erklärt, warum nicht die Alarmsirenen schrillen, wenn Lisa Papiere fallen und Tränen kullern lässt, um ihm Vertraulichkeiten zu entlocken, die sie als Ermunterung interpretiert. Als sie ihr wahres wahnhaftes Gesicht zeigt, zieht er die Notbremse und sich dann aber in die Defensive zurück, weil Lisa sich leicht selbst als Opfer sexueller Belästigung darstellen könnte. Ohne Veränderungen an den etablierten Eckpunkten ähnlicher Thriller vorzunehmen, entwickelt "Obsessed" zwischen Büroszenen mit Erotikknistern und Heimszenen mit Baby und Beyoncé seine Stalker-Story. Kaninchen im Kochtopf, die Glenn Close einst ansetzte, gibt es zwar nicht, dafür aber Wortduelle, ohnmächtige und betäubte Männer, einen Selbstmordversuch und schließlich einen Showdown, den die Frauen unter sich austragen. Auch wenn Lisa, deren Vor- und Privatleben ein Geheimnis bleibt, mehrfach aus dem Film verschwindet, um den begehrten Mann in Sicherheit zu wiegen, ist "Obsessed" zu großen Teilen Larters Film, bevor Beyoncè in den letzten 30 Minuten aktiver wird und schließlich im Finale mit dem "dürren Hintern" der Rivalin "den Boden poliert." Hier und auch in der Besetzung des Dreiecks spürt man, dass es Beyoncé, die auch zum erweiterten Produzententeam gehört, vielleicht noch um mehr geht als maskuline Unehrlichkeit und Untreue, die sie schon im Hit "If I Were a Boy" beklagte. Für den Zuschauer jedoch spielt nur Unterhaltung eine Rolle - und wie das Hit-Ergebnis beim US-Start zeigt, hat er sie hier bekommen. kob.