
Nach zwölf Jahren dreht Wim Wenders erstmals wieder in Deutschland und entführt auf eine magische Reise von Düsseldorf ins sizilianische Palermo.
Ein Autorenfilm mit typischer Handschrift, das ist dieser Trip ins Zwischenreich des Todes, der Träume und Albträume, an dessen Ende der unbedingte Willen zum Leben steht. Wim Wenders setzt nicht auf den Populärgeschmack, sondern auf die Lust des Connaisseurs an Ungewohntem und Experimentellem. Rund 20 Minuten wurde die Fassung von Cannes gekürzt, eine gelungene Frischzellenkur, die die Hauptfigur in ihrer Verwundbarkeit verständlicher macht.
Campino von den Toten Hosen ist der ausgebrannte Modefotograf Finn, der das Leben ungestüm an zwei Enden abbrennt, auf der Überholspur in die innere Leere rast. Ein ruheloses Dasein in permanenter Hast und Action, das Handy klingelt ständig, die Musik im Kopfhörer schirmt ihn ab. Ethik, das war einmal. Seinen Studenten erklärt er sarkastisch, "die Dinge sind nur Oberfläche". Er ist überall auf der Welt, nur nicht bei sich. Die Zeichen, dass etwas nicht stimmt, mehren sich: ein Fastzusammenstoß mit einem Geisterfahrer auf der Autobahn, Schlafstörungen, diffuse Ängste. Und dann Fingerzeig oder Fügung - auf dem Rhein tuckert ein Schiff vorbei, an seinem Rumpf der Schriftzug "Palermo". Finn macht sich auf nach Sizilien, nicht ohne vorher einen Schäfer zu treffen, der ihm allerlei tiefgründige Ratschläge mit auf den Weg gibt, alles zu tun, als sei es das letzte Mal. In der Inselstadt angekommen lässt sich Finn von deren trägen Rhythmus tragen und trifft Flavia, eine sanftmütige Restauratorin. Bevor sich eine romantische Lovestory entwickeln kann, muss Finn allerdings den mysteriösen Mann im grauen Kapuzenmantel finden, der ihn scheinbar verfolgt und sogar mit Pfeilen beschießt, die am Körper keine Spuren zu hinterlassen. Die Jagd nach dem Phantom endet in einer Konfrontation mit dem Tod. Ex-"Easy Rider" Dennis Hopper spielt ihn abgeklärt und zärtlich, mit kahl rasiertem Schädel und Augenbrauen. Zwischen den beiden entspinnt sich ein philosophischer Dialog, über die Panik vor dem unwiederbringlichen Ende, dem unausweichlichen Unbekannten. Gevatter Tod sieht sich als Dienstleister und einzigen Ausweg, wirft Finn vor, das Leben nicht gewürdigt und wie die digitale Fotografie manipuliert zu haben: "Die Angst vor dem Leben ist die Angst vor dem Tod!" Wenn der Starfotograf diese Angst verliert, ist Leben und Liebe möglich.
Mit "Palermo Shooting" begibt man sich auf eine Reise durch innere Welten mit Bildern von äußerer Schönheit. Palermo mit seinem geheimnisvollen Charme übernimmt neben Campino die zweite Hauptrolle. Und die Musik von Lou Reed über Nick Cave bis hin zu Thom Yorke machen das existenzielle Drama so richtig rund. mk.