Der 1980 gestartete Film wurde damals allenfalls belächelt. Erst im Laufe der Jahre zeigte sich, dass er nicht nur einer der großen Musikfilme ist.
Udo Lindenbergs Ruhm und Verdienst lag zu einem großen Teil auch darin, dass er stets unberechenbar blieb - und zwar bei dem, was er anfing und wie er es anfing. So war es eine Überraschung - und dann auch wieder keine - , als es 1979 hieß, Udo wolle zum Film. Zwar hatte er in der Tat noch keinen Film gedreht (und mit diesem Anspruch hatte es auch noch kein anderer vor ihm gewagt), aber bei seinen letzten Bühnenshows wie der "Dröhnland Symphonie" oder der "Livehaftig"-Revue hatte das Visuelle immer mehr Platz bekommen, so dass es eigentlich nahe lag, das ganze auf die nächste Stufe zu heben. Deswegen kam im April 1980, rechtzeitig zur damaligen Bundestagswahl, ein Film in die Kinos, bei dem Udo Regie geführt, am Drehbuch mitgeschrieben und sich sogar auf den Produzentensessel gesetzt hatte. Gerade weil der Film - eine irrwitzige Verwechslungskomödie mit Udo als gekidnapptem Rockstar, der Bundeskanzler werden soll - eher als Verlängerung eines Bühnenspektakels mit den Mitteln des Films zu sehen ist, stieß er nicht überall auf Zustimmung. Doch im Nachhinein ist es gerade das Assoziative, das Improvisierte und das beinahe Surreale (mit Lindenberg in einer Doppelrolle als Rockstar/Kanzlerkandidat und als Privatdetektiv Carl Coolmann), das zu überzeugen weiß. Womit sich "Panische Zeiten" in einer Liga mit dem zunächst auch missverstandenen Beatles-Film "Magical Mystery Tour" bewegt. Die vorbildlich ausgestattete DVD - digital überarbeitete Bildqualität, ein zeitgenössisches sowie ein aktuelles Interview mit Lindenberg, Audiokommentar von Drehbuchautor Kalle Freynik - bringt das noch einmal verstärkt ins Bewusstsein. Und auch ein Wiedersehen mit Helga Feddersen und Eddie Constantine, die in Gastrollen mitgewirkt haben, trägt zum Charme des Films bei, in dem auch Karl Dall und Lindenbergs Konzertveranstalter Fritz Rau eine Rolle bekommen haben. Damit waren "Panische Zeiten" garantiert.
Quelle: musikwoche.de