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Privatunterricht

Drama auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Missbrauch um die sexuelle Reifung eines Jugendlichen.


Privatunterricht

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Erhältlich seit:
27.01.2012

Originaltitel: Élève libre

Drama

Belgien/Frankreich 2008
Laufzeit: 106 Min.
FSK: ab 16

Jonas Bloquet
Jonathan Zaccaï
Claire Bodson

Regie: Joachim Lafosse
PRO-FUN MEDIA

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Privatunterricht

So gut Jonas Tennis spielt, so schlecht ist er in der Schule. Zudem ist er mit seinen Gedanken sowieso ganz woanders, denn gerade hatte er zum ersten Mal Sex mit seiner Freundin. Da beschließt er, für ein schweres Examen die Hilfe der drei erwachsenen Freunde seiner Mutter anzunehmen. Was sich anfangs als großzügiger Freundschaftsakt angekündigt hat, erweist sich mehr und mehr als Schule des Lebens - vor allem in Sachen Sex. Jonas gerät in ein gefährliches Gefühlschaos.

Der belgische Regisseur und Drehbuchautor Joachim Lafosse ("Nue Propriété") legt mit "Privatunterricht" ein verstörendes Werk auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Missbrauch vor. Sein Coming-of-Age-Drama um einen Schulversager, das wie eine Anleitung zur sexuellen Freiheit beginnt, verweigert sich klaren Zuweisungen von Täter- und Opferrollen. Diese stilistisch famose, ungewöhnliche Reifeprüfung lebt auch von der starken Performance von Hauptdarsteller Jonas Bloquet, dessen Figur fast durchgehend im Bild zu sehen ist.

Privatunterricht

Auf dem schmalen Grad zwischen Aufklärung und Missbrauch laviert das verstörende Drama um einen Jugendlichen und seine sexuellen Reifeprüfungen.

Der Belgier Joachim Lafosse, der zuletzt mit "Nue Propriété" ein starkes Psychodrama inszenierte, widmet seinen neuen, wieder nach eigenem Drehbuch entstandenen Film "unseren Grenzen". Diese werden auch überschritten, klammheimlich, mitunter lange bevor man es merkt. Zunächst wirkt "Pivatunterricht" wie eine Anleitung zur sexuellen Freiheit, die ein unbedarfter Teenager auch gerne annimmt, bis die Verführung in Missbrauch umschlägt.

Jonas trainiert hart für eine Tenniskarriere. Für die Schule hat er dafür so lange keinen Finger gekrümmt bis ihm der Rauswurf droht. Weil er wegen seines Alters nicht mehr wiederholen darf, muss er für die Kommission büffeln. Die Eltern leben getrennt, die Mutter kümmert sich nicht um ihn und lädt ihn lieber bei ihren Freunden Pierre, Didier und Nathalie ab. Nun paukt Jonas Mathe, Philosophie und Sex. Denn er entdeckt nicht nur mit seiner Freundin Delphine die Lust, auch seine doppelt so alten Gastgeber fragen ihn tabulos über sein Intimleben aus und geben, nicht ganz uneigennützig, wertvolle Tipps, bis hin zu Anschauungs- und Praxismaterial.

Das ist pikant und lange wähnt man sich in einem Aufklärungsfilm, in dem bei Tisch so selbstverständlich über Beischlaftechniken geplaudert wird wie es nur Franzosen können. Das unaufgeregte Werk über einen Schulversager, der ein paar wichtige - und ziemlich verstörende - Lektionen übers Leben lernt, verzichtet auf eindeutige Bewertungen, was sich als moralisch gewagt herausstellt, denn Jonas wird von seinem schwulen väterlichen Mentor Pierre sexuell genötigt. Statt einer vernichtenden Anklage wie etwa in "The War Zone" kommt dabei eine stilistisch famose, irritierende Geschichte heraus, die seine permanent im Bild befindliche Hauptfigur in langen Einstellungen studiert, die Erlebnisse von naivem Erkunden, ausgenutztem Vertrauen und jugendlichem Opportunismus aber nicht wertet und auf dramaturgische Geschlossenheit verzichtet. Das Coming-of-Age-Drama ist ein Konglomerat aus anregenden und verstörenden Momenten, die jeder selbst einordnen muss. Die natürliche Wirkung der Darsteller, allen voran Jonas Bloquet als hübscher Jüngling im Gefühlschaos, hat einen großen Anteil am Gelingen dieser überzeugenden Reifeprüfung.

tk.

Privatunterricht

"Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?" Jonas nippt verlegen an seinem Glas. Langsam gewöhnt er sich an diese Art von Tischgespräch, das schonungslos offene Plaudern über sein Sexualleben. Dabei wollen Pierre, Didier und Nathalie, die allesamt gut doppelt so alt sind wie Jonas, scheinbar nur sein Bestes: Seine optimale Befriedigung. Jonas ist gerade das erste Mal mit einem Mädchen zusammen und frisch entjungfert. Da kommen ihm die freimütigen Tipps der Erwachsenen ganz gelegen, die auch mal in direktem Anschauungsunterricht münden. Es ist eine seltsame Konstellation, die Regisseur Joachim Lafosse, der schon zweimal für den Goldenen Leoparden nominiert war, in seinem Film mit dem Originaltitel ÉLÈVE LIBRE aufbaut. Jonas, der leidenschaftlich gern Tennis spielt, aber in der Schule gnadenlos versagt, will sich auf eigene Faust auf ein besonders schweres Examen vorbereiten. Bei dieser nahezu unmöglichen Aufgabe helfen ihm die drei Freunde seiner Mutter (die in einer anderen Stadt lebt) und pauken mit ihm Tag für Tag Algebra, Camus, Stickstoffverbindungen - und eben Sex. Doch was aus der Sicht des unerfahrenen Jungen großzügig und einvernehmlich anmutet, entpuppt sich allmählich als ein gezieltes Aufweichen seiner noch nicht gefestigten Grenzen. Selten war Verführung so böse.

Quelle: Pro-Fun Media

Darsteller:  Jonas Bloquet   als Jonas
  Jonathan Zaccaï   als Pierre
  Claire Bodson   als Nathalie
  Yannick Rénier   als Didier
  Pauline Etienne   als Delphine
  Anne Coesens   als Pascale
  Johan Leysen   als Serge
 
Regie:  Joachim Lafosse  
Buch:  Joachim Lafosse  
  François Pirot  
Kamera:  Hichame Alaouie  
Produzent:  Jacques-Henri Bronckart  
 

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