
Lebenslust, Tee-und-Keks-Nostalgie und die Musik der Sixties feiert Richard Curtis in seiner zweiten Regiearbeit über einen britischen Piratensender.
"Das sind die besten Tage unseres Lebens", resümiert Philip Seymour Hoffman als US- DJ The Count melancholisch - und wohl auch Curtis, der Meister der romantischen Komödie ("Tatsächlich Liebe", "Notting Hill") auf seiner verklärten Reise zurück in eine Zeit, in der die britische Jugend unter dem Kopfkissen den Klängen der Revolution lauschte. Während die BBC 1966 nur zwei Stunden in der Woche ihr Seniorenprogramm zwischen Percy Faith und Mozart für Modernes unterbrach, schickten Piratensender Rock und Pop nonstop über den Äther. Radio Caroline, das Flagschiff dieser Blockadebrecher, war wohl Curtis' Inspiration für "Radio Rock".
Zum schillernden Personal dieses in der Nordsee tuckernden Musikkahns gehören rauschbärtige Kiffer-Hippies, sanfte Romantiker im Monkees-Styling, charismatische Mitternachtsverführer, die im frühen Marc-Bolan-Look die Girls erhitzen, gut gelaunte Kalorientonnen mit Mutterwitz und The Count, der in einer reaktivierten Legende (Rhys Ifans) bald Konkurrenz als Star-DJ bekommt. Sie alle lernt der junge Carl (Tom Sturridge) kennen, der zu Besuch beim Captain, seinem Taufpaten, Lebenserfahrung sammeln, aber jüngeren Zuschauern auch als Identifikationsfigur dienen soll. Wie Carl die Unschuld verliert, den unbekannten Vater findet und die britische Regierung versucht, den Sender vom Netz zu nehmen, sind die Schwerpunkte des losen Plots.
Mehr als einmal kontrastiert Curtis die bunte flippige Bootsbesatzung mit der steifen Brillenversammlung in der freudlosen Gasse, in der Downing Street, wo ein erzkonservativer Minister Tee und Tremeloes für inkompatibel hält. Nicht Plotstränge, sondern Typen dominieren diese Komödie, die einer Sketchstruktur folgend ein paar deskriptive Songs zuviel einzubauen versucht. "So long, Marianne" begleitet also Carls Betrug durch die erste gleichnamige Flamme, "Let's Spend the Night Together" seine sexuelle Initiation oder auch "Hang on Sloopy" das überflüssige "Titanic"-Finale, in dem sich die Crew an das sinkende Schiff klammert. Nicht jeder Sketch zündet, nicht immer setzt der Cutter rechtzeitig die Schere an, aber natürlich ist diese Revolution eine sympathisch-unterhaltsame und im Duell zwischen Hoffman und Ifans, das in einer sehr komischen, realistisch wirkenden Mastbesteigung gipfelt, einmal nicht süß, charmant und sensitiv, sondern auch ausgelassen verrückt und wirklich Rock 'n' Roll. kob.