
David Mamet beweist in seinem ungewöhnlichen Martial-Arts-Drama, dass der letzte Samurai nicht in Japan starb, sondern in Los Angeles lebt.
Filme über Spieler, Cops, Bankräuber, Filmstars sowie Professoren, die angeblich Studentinnen sexuell belästigen - David Mamet ist das Chamäleon Hollywoods. Sowohl als Regisseur wie auch als Autor, der mit komplex strukturierten Filmen ("Die unsichtbare Falle") glänzt, aber auch den Mainstream ("Ronin", unter dem Pseudonym Richard Weisz) bedient. Seine Faszination für im Schatten der Aufmerksamkeit einem strengen Ehrenkodex folgende Helden, sichtbar in seiner TV-Serie "The Unit", bringt er auch in "Redbelt" zum Ausdruck. Fünf Jahre lernte Mamet selbst Jiu-Jitsu, jetzt rückt er einen Kampfsportlehrer in den Fokus eines Films, der nicht am Kampf, sondern der zugrunde liegenden mentalen und moralischen Einstellung interessiert ist. Mike (Chiwetel Ejiofor) führt eine kleine Jiu-Jitsu-Schule in Los Angeles, in der er psychische und charakterliche Bildung über alle materiellen Belohnungen stellt. Seine Frau, deren Clan nur den Dollar als großen Motivator akzeptiert, bedrängt ihn zunehmend, doch die Schüler respektieren den Meister, der sich nie von Profi-Gagen verführen ließ und von der Ehre und der Kunst, den Kampf zu meiden, lehrt. Als Mike einen Filmstar aus einer Prügelei rettet, scheint sich dessen Dankbarkeit für ihn auszuzahlen. Mikes Frau findet vermögende Kundinnen für ihr Textilbusiness, er selbst einen Beraterjob bei einem Irakfilm, in dem Hollywoodkrieger möglichst authentisch ihren Mann stehen sollen. Mamets Spott über Heldenimitate und sein Misstrauen gegenüber der Spezies "Filmmensch" verbindet sich nun mit einem an Fahrt aufnehmenden Drama über Erpressung, Bestechlichkeit und abgesprochene Profikämpfe. Schlüsselfiguren sind ein Anwältin, die in Mikes Kampfschule einen Schuss abfeuert, ein Cop, der von einer Anzeige absieht, und Mike selbst, der durch die Nebenwirkungen dieses Vorfalls gezwungen wird, für Geld in den Ring zu treten. Ohne erkennbaren Fokus eröffnet Mamet seine zehnte Regiearbeit, bis sich die zentralen Themen herausschälen und genretypische Muster benutzt, aber clever variiert werden. Konform zu seiner Heldenideologie verlegt Mamet den Finalfight auf dem Weg zur Belohnung durch den mythischen Roten Gürtel an einen Randschauplatz, ohne auf Erwartungen an Choreographie und Fightdynamik Rücksicht zu nehmen. Actionfans könnte dieser Ansatz zu ökonomisch sein, doch kaum ein Kampfsportfilm kann eine ähnlich komplexe, exzellent besetzte Story ins Gefecht führen, über deren Mehrdeutigkeit sich tatsächlich diskutieren lässt. kob.