
Subtiles, melancholisches Drama über einen Familienvater, der am 11. September in ein schwarzes Loch stürzt und durch einen alten Freund wieder ans Leben herangeführt wird.
Sandleristas gegen Contras - das wird auch in der Rezeption dieses Film wieder die Schlachtordnung sein, wenn Star-Komiker Adam Sandler ernst macht, um Vielseitigkeit zu demonstrieren. Dabei erweist sich die unorthodoxe Besetzung hier als absolut sinnvoll, wird doch der gezeigte Absturz durch den Kontrast zwischen Rolle und Image noch stärker betont. Denn Charlie Fineman (!), ehemals glücklicher Ehemann mit drei Töchtern, hat sich in sich zurückgezogen und sein früheres Leben völlig ausgeblendet, seit die Anschläge vom 11. September ihm die Familie nahmen. Einsam gleitet er auf seinem Elektroroller durch die Stadt, mit Kopfhörern abgeschottet von der Außenwelt - ein Bild, das am Anfang seine Isolation unterstreicht und am Ende, im veränderten Kontext, die Öffnung einer anderen Figur signalisiert. Ein einziges Mal dringt eine Stimme zu ihm durch und bewirkt eine langsame, aber letztlich nie sichergestellte Öffnung. Alan (Don Cheadle), ein Kumpel aus der Collegezeit, ruft Charlie nach und sich bei ihm in Erinnerung, obwohl ihn der zerstreute Sonderling anfangs nicht wiedererkennen will. Alan gelingt, woran engste Familienangehörige und Freunde scheiterten: Er baut Vertrauen und Nähe auf, besucht Charlie beim Gaming in seiner Wohnung, beim Drummer-Gig mit seiner Metalband, dem einzigen Ventil für seinen unterdrückten Zorn, bringt ihn trotz Therapeutenparanoia in Kontakt mit einer Psychologin und schließlich sogar in den Orbit einer attraktiven Frau, die zu Beginn, scheinbar verhaltensgestört, Alan umkreiste. Letztere Rollenrotation, von der Stalkerin zur Heilerin, ist ein sympathischer Einfall, der Hoffnung macht, aber so konstruiert wirkt wie die Ehe-Problematik Alans, der sich von seiner Frau erstickt fühlt. Das aber sind nur Nebenschauplätze, denn im überzeugenden Mittelpunkt steht die Freundschaft zweier Männer und die Heilung einer Wunde, die Sandlers Figur stellvertretend für Amerika trägt. Nicht zufällig baut Autor-Regisseur Binder den Kultcomic "Captain America" in seine fragile Gratwanderung zwischen Schmerz und komischen Brechungen ein. Nicht zufällig wählte er Sandler für eine Rolle, in der auch die explosive Seite des Komikers ausgespielt werden kann. Sandler gelingen berührende Momente, wenn er unerwartet aus seiner Erstarrung ausbricht und Einblick in seine Seele gibt. Binder, dessen großartige Dramödie "An deiner Schulter" unter dem Radar der Öffentlichkeit blieb, dosiert auch in seiner Antwort auf Alan Parkers "Birdy" die Gefühle gut, nimmt sich Zeit, verkürzt langwierige Prozesse nicht und offeriert auch keine kalifornischen Patentlösungen. Sein Film hat Humor, Herz und Reife in der Erkenntnis, dass Trauerarbeit keinen Kategorien folgt und Antworten manchmal auch nie gegeben werden können. kob.