
Mit seinem späten Sequel baut Komödien-Veteran Peter Timm auf das altbewährte Schwein, die Mechanismen einer Patchwork Family und zwei tumbe Ganoven.
Fortsetzungen haben im Kino mal wieder Hochkonjunktur - von "Ice Age 2" bis "Rocky 6". Noch populärer sind Sequels, die der Gattung Kinderfilm angehören - siehe "Die wilden Hühner 2" oder "Die wilden Kerle 4". Tummeln sich dann noch Tiere vor der Kamera, kann boxofficemäßig eigentlich fast nichts mehr schiefgehen. Und so hat sich Komödien-Urgestein Peter Timm ("Manta - Der Film", "Go, Trabi, Go") wohl nicht von ungefähr eines seiner früheren Erfolge erinnert: "Rennschwein Rudi Rüssel", der vor ziemlich genau zwölf Jahren immerhin eine knappe Million Kinobesucher auf sich vereinen konnte. Ob eine Fortsetzung nach so langer Zeit noch wirklich Sinn macht, sei einmal dahin gestellt - schließlich war die Zielgruppe der jetzigen Kindergarten- und Volksschulkinder noch gar nicht geboren. Aber vielleicht hat sich die Marke "Rudi Rüssel" doch bei dem einen oder anderen eingeprägt und weckt nun wohlig-amüsante Erinnerungen an das gestresste Ehepaar Iris Berben/Ulrich Mühe, das so seine Mühe mit dem kleinen rosa Ferkelchen hatte. Nun, 2007 hat sich einiges geändert, und Timm tut gut daran, eine Geschichte zu erzählen, die mit dem Original außer dem vierbeinigen Hauptdarsteller so gut wie gar nichts mehr zu tun hat. Im Zentrum von Teil 2: Der alleinerziehende, beruflich eingespannte Vater Thomas (auch als Komödiant überzeugend: Sebastian Koch aus dem Oscar-Preisträger "Das Leben der Anderen") und sein entsprechend vernachlässigter, neun Jahre alter Sohn Nickel. Zum Konflikt in der chaotischen, doch irgendwie funktionierenden Männer-WG kommt es aber erst, als beide unerwarteten Besuch mit nach Hause bringen: Nickel ein süßes Schweinchen, das beinahe einer Hundemeute zum Opfer gefallen wäre, und Thomas seine Freundin, die Ärztin Anja (Sophie von Kessel) samt deren zwölfjähriger Tochter Feli. Obwohl weder das Haustier noch die Stiefmutter vom anderen gebilligt werden, will man es doch mal miteinander probieren. Im Laufe dieses Entstehungsprozesses einer neuen Patchwork-Family kommt es schließlich zu den die Handlung vorantreibenden (lustigen) Abenteuern, zu deren Höhepunkt die Entführung der beiden Kinder durch ein selten dämliches Gaunerpärchen zählt. Dieses Duo wird gespielt von Dominique Horwitz und Andreas Schmidt, die hier so richtig auf die Kacke hauen, ihre Figuren nach Belieben karikieren dürfen, um am Ende in bewährter "Kevin - Allein zu Haus"-Manier von den cleveren Kids abgezockt zu werden. Der Rest des Plots beschäftigt sich dann entweder mit dem kleinen Rudi, der seine Qualitäten als niedlicher Zerstörer und als patentes Rennschwein unter Beweis stellen darf, und mit der anrührenden Botschaft, dass auch Stiefmütter wie deren in die Ehe mitgebrachten Kinder ein weiches Herz haben können. Schön an diesem späten Sequel ist außerdem, dass hier mit echten Ferkeln gedreht, also auf Hightech-Firlefanz verzichtet wurde, und dass es auch mal so richtig "menschelt" zwischen den Protagonisten, was die Komödie denn auch für die ganz Kleinen bedenkenlos konsumierbar macht. lasso.