
Werner Herzogs packendes Vietnamkriegsdrama über einen gebürtigen Deutschen, der ein amerikanischer Kriegsheld wurde.
Die Gleichung ist einfach: grüne Hölle plus Mission Impossible plus mental-körperliche Grenzüberschreitungen ergibt Heimspiel für Werner Herzog. Ob Südamerika oder Asien, ob Kino wie "Fitzcarraldo" oder Dokus wie "Julianes Sturz in den Dschungel" - Herzogs Faszination für lebensfeindliche Natur, die menschliche Widerstandskraft prüft, ist offensichtlich. Verständlich also, dass ihn die Odyssee des nach Amerika ausgewanderten Deutschen Dieter Dengler so in den Bann schlug, dass er zehn Jahre nach seiner Dokumentation "Flucht aus Laos" nun zum gleichen Thema seinen ersten US-Spielfilm folgen ließ. Überraschend ist nur, wie scheinbar reibungslos sich der Individualist den Traditionen des amerikanischen Erzählkinos angepasst hat. "Rescue Dawn" ist ein packendes Kriegsdrama, das auf politische Statements zugunsten einer spannenden, weitgehend authentischen Geschichte verzichtet, in der sich Herzog-typisch der Einzelne gegen Unüberwindbares stemmt. In einer erneut überzeugenden Darstellung zwischen charismatischem Abenteurer und fast gebrochenem Überlebenskämpfer ruft Christian Bale Dengler wieder in Erinnerung. Nach sanft sinfonischen Klängen, die mit Luftbildern vom Napalmteppich kontrastieren, wird Dengler über dem Regenwald von Laos abgeschossen. Durch Cleverness kann er sich eine Nacht vor dem Feind verstecken. Dann wird er entdeckt, gefoltert, in ein Lager des Pathet Lao, der laotischen Widerstandsbewegung, gesteckt. Unter dem halben Dutzend Gefangenen sind neben Asiaten auch die beiden Amerikaner Duane (Steve Zahn) und Gene (Jeremy Davies im wirren, abgemagerten Charles-Manson-Look). Monatelang plant Dengler die Flucht, konzentriert sich der Film auf Charaktere, Freundschaften, Krisensituationen. Nach etwa 80 Minuten kommt es zum Ausbruch, der 23 Tage später zumindest für Dengler ein glückliches, emotional aufwühlendes Ende nimmt. Herzog spart manches aus, mildert Denglers Lagererfahrungen ab, deutet an, warum vielleicht die Bewacher immer aggressiver wurden und verschont weder Zahn noch Bale in seinem Bestreben, die unglaubliche Geschichte so realistisch wie möglich zu erzählen. In diesem Punkt ist er unbeugsam, in anderen scheint er sich arrangiert zu haben, ohne Patriotismus oder politische Lager zu bedienen. In jedem Fall ist "Rescue Dawn" eine Bereicherung einer Filmografie, in der man schon immer im Ungewöhnlichen das Unterhaltsame entdecken konnte. kob.