
Viel Geld und wenig Skrupel sind der Antrieb der Börsenwelt. Regisseur und Drehbuchautor Ben Younger ließ sich für seine entsprechend thematisierte Moralfabel im Maklermilieu nicht unerheblich von "Wall Street" und "Glengarry Glen Ross" inspirieren. Wie einst Charlie Sheen in "Wall Street" wird Giovanni Ribisi vom schnellen Dollar kompromittiert und schlittert in die Illegalität, indem er für eine dubiose Firma arbeitet, die wertlose Phantomaktien verhökert. Ausgezeichnete schauspielerische Leistungen ziehen den Zuschauer ins Geschehen, auch wenn der Plot nicht allzu viele Überraschungen parat hält.
Seth hat das College abgebrochen und betreibt in seinem Apartment ein gutgehendes Casino für illegales Glücksspiel. Sein autoritärer Vater (Ron Rifkin), ein konservativer Richter, ist empört, als er davon Wind bekommt, und so beschließt Seth, der sich nach der Liebe und dem Respekt seines Vaters sehnt, bei einer Börsenkanzlei anzuheuern. Seine Kollegen sind allesamt jung und hungrig nach den potentiellen Millionen, die ihnen Rekrutierer Jim Young (Ben Affleck hervorragend als aalglatter Abzocker) in Aussicht stellt. Regisseur Younger gewährt einen faszinierenden Einblick in dieses ganz spezielle Milieu, in dem Statussymbole wie Luxusschlitten, italienische Anzüge und mit teurem technischen Spielzeug vollgestopfte Villen die Persönlichkeit definieren, aber gleichzeitig auch innere Leere und Verlorenheit demonstrieren. Die bevorzugte Form von Unterhaltung umfasst das wiederholte gemeinsame Ansehen eines "Wall Street"-Videos, dessen Dialoge die Yuppies zitieren können. In dieser Welt haben Frauen nichts zu suchen und der Slogan "Don't pitch the bitch" (verkaufe nicht an Frauen) summiert die vorherrschende misogynistische Attitüde. Nia Long übernimmt eine der wenigen Frauenrollen als Sekretärin der Firma, die mit Seth ein Techtelmechtel beginnt und vom FBI als Schwachstelle des Unternehmens ausgemacht wird. Gleichzeitig regt sich Seths Gewissen, als er einen kleinen Investor um seine gesamten Ersparnisse bringt. Der große Knall ist alsbald unausweichlich.
Ribisi erweist sich nach "Ganz normal verliebt" und "Mod Squad" als fähiger Hauptdarsteller, dem man seine nivellierten Emotionen abkauft. Er ist das Auge des Hurrikans in einem technisch kompetent realisierten Films, der das Jonglieren mit Millionen als körperbetonten Sport darstellt - ein "An jedem verdammten Sonntag" für Börsenfreaks. ara.