Viele Festival-DVDs servieren lediglich lieblos zusammengeschnittene Mitschnitthäppchen. Dem dänischen Regisseur Live Ulrik Wivel ging es aber darum, ein Gesamtbild des Roskilde-Festivals zu zeichnen. So kommen die Macher ausführlich zu Wort, die über den Wandel der 1971 gegründeten Veranstaltung sprechen.
Dabei erfährt, warum das Festival zu einem der weltweit beliebtesten Festivals aufgestiegen ist. Denn die Macher haben den Do-It-Yourself-Charakter der Anfangstage bewahrt. So arbeiten lediglich zwölf fest angestellte Mitarbeiter für das Festval, unterstützt von einer ganzen Heerschar von freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern. Zudem kommt der Gewinn wohltätigen Organisationen zugute.
Was die DVD jedoch auszeichnet, ist die Leistung, die besondere Roskilde eingefangen zu haben. So räumt Wivel, der mit seinem Team acht Jahre lang das Geschehen in Roskilde gefilmt hat, den Festivalbesuchern viel Raum, filmt sie bei der Anreise und den typischen Festival-Ritualen wie dem Schlammbad oder dem Genuss der einen oder anderem alkoholhaltigen Substanz. Auch ist seine Kamera dabei, wenn ein paar Däninnen in einem Zelt auffällt, dass sie die Kondome vergessen haben und nun beratschlagen, was zu tun sei. Eigenwillige Schnitte und Lichteffekte sorgen für einen zusätzlichen Charme der Dokumentation, die auch das Geschehen hinter den Kulissen zeigt.
Hier sind aber nicht Top-Manager zu sehen, die über die Gagenkalkulation diskutieren, sondern wir sehen auch eine resolute Backstage-Mama, die Schnitten schmiert für das Sicherheitspersonal. Musik gibt es zwar auch zu sehen - unter anderem von Franz Ferdinand, Placebo, Editors, The Streets und Sonic Youth. Aber die Musik ist nur ein Teil des Mythos Roskilde, den die DVD eigentlich auf den Festivalboden zurückholen wollte, aber letztlich doch nicht umhin kann, ihm zu erliegen - was freilich weder gegen das Festival noch die DVD spricht.
Dietmar Schwenger
Quelle: musikwoche.de