
Wenn es um die französische Komödie geht, ist Francis Veber nicht weit. Mit flotten Gags und populärem Humor lässt er "Ruby & Quentin" aufeinander los, die beiden französischen Schauspiel-Ikonen Jean Reno als eiskalten Profi-Gangster und Gérard Depardieu als tolpatschigen Kleinkriminellen. Zwar erreicht diese Gaunerkomödie mit Herz nicht die Ironie von Vebers "Dinner für Spinner", aber Top-Unterhaltung ist garantiert.
Gegensätzlicher könnten diese Herren nicht sein - Ruby, der Killer und Quentin, die Klette. Die erfolgreiche Veber-Mischung, die völlig verquere Bildung eines Paares, funktioniert auch hier - wie schon in den frühen 70ern als Autor Veber in "Die Filzlaus" den meckernden Profikiller Lino Ventura mit dem suizidgefährdeten Sensibelchen Jacques Brel kombinierte. Das Gespann Gérard Depardieu/Pierre Richard machte in den 80ern mit drei Kinoerfolgen die Leinwand unsicher - "Ein Tolpatsch kommt selten allein", "Zwei irre Spaßvögel" und "Zwei irre Typen auf der Flucht". Diesmal mimt Jean Reno den unfreiwilligen Partner von Gérard Depardieu, gemeinsam sind sie unausstehlich, aber liebenswert. Der nicht gerade helle Quentin wird von der Polizei bei einem dilettantischen Banküberfall einkassiert und landet mal wieder im Knast. Für seine Zellengenossen ist er mit seinem ständigen Gequatsche so etwas wie der verbale Vorhof zur Hölle. Da kommt dem Gefängnispsychologen (André Dussollier, eine Mischung aus Mutter Theresa und Frankenstein) eine tolle Idee. Warum die Plaudertasche nicht zum Profigangster Ruby verlegen, der mit niemandem ein Wort redet. Vielleicht könnte die Nervensäge Hintergründe zu einem Mord und einem Überfall aus dem einsamen Wolf herauskitzeln? Schließlich liquidierte der örtliche Pate aus Eifersucht Rubys Geliebte, der ihm aus Rache die Beute eines Geldtransportes vor der Nase wegschnappte. Nicht genug damit, dass die Quasselstrippe dem Schweigsamen den exakt geplanten Ausbruch vermasselt und durch seine Dummheit völlig auffallend mit ihm in der Freiheit landet, der naive Quentin hält den emotionalen Eisblock auch noch für seinen Freund und weicht nicht von seiner Seite. Und das bei der gefährlichen Jagd nach Mörder und Moneten.
Nicht ganz fein gesponnen ist der Humor, aber dafür amüsiert der treuherzige (und abgespeckte) Depardieu, der es wie mit Himmelskraft schafft, Gangsterlimousinen und Polizeiwagen im richtigen Moment abzugreifen und den coolen Reno, der seine Rolle als "Leon - der Profi" komödiantisch variiert, mit Furzkissen nervt und der bizarren Idee verfolgt, ausgerechnet mit ihm ein Bistro in der Provinz zu eröffnen. Natürlich ist das alles nur das Vorspiel für den Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Die beiden Schwergewichte des französischen Kinos spielen augenzwinkernd dieses seltsame Paar, das zusammengehört wie zwei Seiten einer Medaille. Es macht einfach Spaß, ihnen zuzugucken, wie sie sich trickreich durchs Gangsterleben lavieren. Fragt sich nur, wann Hollywood, das schon Veber-Stoffe wie "Die Filzlaus" oder "Ein Käfig voller Narren" zu einem Remake verarbeitete, hier zugreifen wird. mk.