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Schildkröten können fliegen

Drama um Kinder in einem Flüchtlingslager an der irakisch-iranischen Grenzen kurz vor der US-amerikanischen Invasion.


Schildkröten können fliegen (OmU)

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Erhältlich seit:
03.02.2006

Originaltitel: Lakposhtha ham parvaz mikonand

Drama/ Komödie

Irak/Iran 2004
Laufzeit: 97 Min.
FSK: ab 12

Avaz Latif
Soran Ebrahim
Saddam Hossein Feyssal

Regie: Bahman Ghobadi
Red Planet

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Drama um Kinder in einem Flüchtlingslager an der irakisch-iranischen Grenze kurz vor der US-amerikanischen Invasion.

Minensammeln ist die einzige Geldquelle (Foto: mîtosfilm) Großansicht

Minensammeln ist die einzige Geldquelle (Foto: mîtosfilm)

Ein kurdisches Flüchtlingslager an der türkischen Grenze des Nord-Iraks: Der 13-jährige "Satellit" (Soran Ebrahim) hat bei den Kindern das Sagen, denn er kann Antennen aufstellen und CNN-Nachrichten übersetzen, auch wenn da schon mal die Fantasie mit ihm durchgeht.

Jedenfalls wirft er mit englischen Worten um sich und ist deshalb als Anführer anerkannt. Er organisiert die Minensuche, bei der viele der Kinder mitmachen. Die Minen, vor allem die begehrten amerikanischen, verkauft er für eine kleine Summe an einen Zwischenhändler, der dann damit bei der UNO den großen Reibach macht.

Agrin empfindet ihren Sohn als Belastung (Foto: mîtosfilm) Großansicht

Agrin empfindet ihren Sohn als Belastung (Foto: mîtosfilm)

Die Liebe stirbt zuerst

Eines Tages kommt die junge Agrin (Avaz Latif) mit ihrem verkrüppelten Bruder und ihrem zweijährigen blinden Kind in das Lager. Plötzlich ist Satellit verliebt. Doch das Mädchen ist durch eine Vergewaltigung irakischer Soldaten traumatisiert und für Gefühle nicht mehr erreichbar.

Der Iraner Bahman Ghobadi zeichnet ein authentisches Bild von den wehrlosen Leidtragenden des Irak-Krieges und gewann mit seinem aufwühlenden und emotional dichten Drama verdienter Weise beim Filmfestival von San Sebastian. Die Schrecken, die sein Film ohne Frage zeigt, entfaltet der Filmemacher auf eine eindrucksvoll poetische Weise.

Schildkröten können fliegen (OmU)

Kinder als Opfer des Krieges, ein aktuelles Thema, das Bahman Ghobadi in einer der unsichersten Regionen der Erde aufgreift, an der türkische Grenze des Nord-Irak. Kurz vor dem Sturz Saddams verdienen Waisenkinder in einem kurdischen Flüchtlingslager unter Todesgefahr ein bisschen Geld mit dem Aufspüren von Landminen.

Im Oktober 2003 nannte die UNO den Irak als das Land, mit der weltweit größten Gefährdung durch Landminen und Munitionsreste. Und genau in dieser Gegend liegt das kurdische Flüchtlingslager. Der Film beschreibt wenige Tage vor der amerikanischen Invasion im März 2003 den ganz normalen Alltag. Bei den Kindern hat der 13jährige "Satellit" das Sagen, er kann Antennen aufstellen und CNN-Nachrichten übersetzen, auch wenn da schon mal die Fantasie mit ihm durchgeht. Jedenfalls wirft er mit englischen Worten um sich und ist deshalb als Anführer anerkannt. Er organisiert die Minensuche, dabei sind auch viele durch Minen verstümmelte Kinder, für ihn ein Vorteil, haben diese doch keine Angst mehr und "sind die Besten". Die Minen, vor allem die begehrten amerikanischen, verkauft er für eine kleine Summe an einen Zwischenhändler, der dann damit bei der UNO den großen Reibach macht. Eines Tages kommt die junge Agrin mit ihrem verkrüppelten Bruder und einem zweijährigen blinden Kind in das Lager und plötzlich ist der laute Schreihals verliebt, gibt ihr kostenlos Kabel und versucht durch Nettigkeiten ihre Aufmerksamkeit zu wecken. Doch das durch eine Vergewaltigung irakischer Soldaten traumatisierte Mädchen ist für Gefühle nicht mehr erreichbar. Als sie den kleinen Sohn (Resultat der Vergewaltigung) in ein Minenfeld bindet, versucht Satellit ihn zu retten und erleidet selbst schwere Verletzungen.

Wie "Lost Children" oder "Innocent Voices" schockiert auch "Schildkröten können fliegen" durch Härte und Grausamkeit, weil es wieder einmal die Schwächsten der Gesellschaft trifft - die Opfer sind wehrlose Kinder. Die Laien-Darsteller vermitteln überzeugend Authentizität und wirken keinesfalls hilflos oder überfordert in ihren Rollen. Ghobadi ("Zeit der trunkenen Pferde") lernte in Bagdad kurdische Kinder kennen, rekonstruierte mit ihren Erfahrungen die Handlung. Die Erwachsenen haben nicht viel zu melden, sie wollen Nachrichten sehen und gucken doch verstohlen hin, wenn beim Suchen des Senders freizügige Bilder über den Bildschirm flattern. Die Leitfigur symbolisiert die Ambivalenz: Der Junge schwärmt von den USA und Bruce Lee und Fußballer Zinedine Zidane, fürchtet aber auch die US-Tiefflieger, die über seinen Kopf donnern. Und wenn am Ende die ersten Amerikaner auftauchen, ist der anfangs so forsche und mutige kleine Kerl innerlich schon zerbrochen. Dem früheren Assistent von Abbas Kiarostami gelingt eine aufwühlende Tragödie über den Wahnsinn eines jeden Krieges. Und auch sein Ziel, Filme zu machen, um den Schmerz seines Volkes zu teilen hat er erreicht. mk.

Schildkröten können fliegen (OmU)

An der türkischen Grenze des Nord-Iraks in einem kurdischen Flüchtlingslager kurz vor Beginn des
amerikanischen Angriffes auf den Irak: die Waisenkinder des Lagers leben in extremer Armut. Sie müssen ihr Geld
mit dem Bergen amerikanischer Landminen verdienen, die sie für wenige Dinare an Unterhändler abgeben, die die
Minen teuer an die UNO weiterverkaufen. Viele der Kinder sind bereits verstümmelt, müssen aber trotzdem jeden
Tag von neuem auf die Minenfelder gehen, um nicht zu verhungern.
Satellit, ein technisch versiertes Kind, das eine Kindergruppe anführt, hat gute Kontakte zur nächsten Stadt und
den Händlern dort. Er versorgt das Bergdorf neben seinem Lager mit einer Satellitenschüssel. Die Bewohner sind
dringend auf Nachrichten angewiesen. Sie rechnen täglich damit, dass der Krieg ausbrechen kann.

Quelle: Red Planet

Darsteller:  Avaz Latif   als Agrin
  Soran Ebrahim   als Satellit
  Saddam Hossein Feyssal   als Pashow
  Hiresh Feysal Rahman   als Hengov
  Abdol Rahman Karim   als Digah
  Ajil Zibari   als Shirkooh
  Olivier Gourmet   als Olivier
  Morgan Marinne   als Francis
 
Regie:  Bahman Ghobadi  
Buch:  Bahman Ghobadi  
Musik:  Hossein Alizadeh  
Kamera:  Shahriar Assadi  
Produzent:  Bahman Ghobadi  
 

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