
Mit dreisten Einbrüchen versucht ein Bankangestellter zu sich selbst zu finden, stürzt aber lediglich ins Chaos. Fabian Hinrichs und Jürgen Vogel brillieren im tragikomischen Gewinner des First-Steps-Awards.
Ein Hauch von "Fight Club" weht durch das immer wieder groteske Loser-Drama von Maximilian Erlenwein, der nach preisgekrönten Kurzfilmen als Autor und Regisseur sein ungewöhnliches Spielfilmdebüt vorlegt, für das er den stets famosen Jürgen Vogel und den vielbeschäftigten Fabian Hinrichs gewinnen konnte. Beide bilden ein anarchistisches Einbrecher-Team, das Edward Norton und Brad Pitt kaum nachsteht, aber ganz anders tickt.
Der angepasste Bankangestellte Frederik Feinermann (Hinrichs) ist geschockt, als sich vor seinen Augen ein Kunde erschießt. Was nun? Einfach weiter so, wie sein gefühlskalter Chef empfiehlt? Frederik strampelt in seiner Designerwohnung auf dem Hometrainer - seinen Schuldgefühlen entkommt er damit nicht. Bis er aus Rache bei seinem Boss einbricht. Er verliert seine Kreditkarte dort und benötigt nun dringend Hilfe von seinem einschlägig erfahrenen Kumpel Vince (Vogel). Was nun folgt, ist die Befreiung aus dem Spießer-Yuppie-Dasein: Frederik beginnt ein Doppelleben, geht nachts mit Vince auf Raubzug zu den Kunden, die er tagsüber bedient. Passend zum Sound und Lebensgefühl ihrer ehemaligen Psychobilly-Band, verachtet Frederik das Establishment und genießt den Adrenalinkick, während der vorbestrafte Vince eigentlich seine kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen will. Zwar findet Frederik endlich den Mut, seine Traumfrau Nadine (kühl: Nora von Waldstätten aus "Tangerine"), die ihn vor sieben Jahren verließ, wieder anzusprechen, doch früher oder später landen beide Loser auf den harten Boden der Tatsachen.
Der gefährliche und immer wieder gewalttätige Lifestyle ist ein Tanz über dem Abgrund und nicht das ersehnte Nachholen einer pubertären Rebellion. Denn es gibt immer einen dritten Mann, der den Jungs einen Strich durch die Rechnung macht. Der gewiefte Erlenwein lässt sich nicht so leicht in die Karten blicken, schlägt bei seinem rasanten, immer wieder irre komischen Abenteuer zweier grundverschiedener Typen, die doch einiges verbindet, alle naselang unerwartete Haken und absurde Volten. Nicht nur verbirgt der schweigsame Vince einige unangenehme Geheimnisse, auch Frederiks lang gehegter Traum erfüllt sich ganz anders als erhofft. tk.