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Science of Sleep - Anleitung zum Träumen

Erneute Gratwanderung von Michel Gondry zwischen Realität und Fantasie, der Gael Garcia Bernal sich in seinen Gedanken verlieren lässt.


Science of Sleep - Anleitung zum Träumen

Leihvideo

Erhältlich seit:
18.10.2007

Originaltitel: La science des rêves

Komödie

Frankreich 2006
Laufzeit: 102 Min.
FSK: ab 12

Gael García Bernal
Charlotte Gainsbourg
Alain Chabat

Regie: Michel Gondry
Universal Pictures Germany

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Was geschieht, wenn sich ein schüchterner Träumer unsterblich in seine Nachbarin verliebt? Eine herrlich verrückte Liebeskomödie von Michel Gondry.

In seiner Phantasie verübt Stéphane Handattacken auf Kollege Guy (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

In seiner Phantasie verübt Stéphane Handattacken auf Kollege Guy (Foto: Prokino (Fox))

Eine unglückliche Liebe kann auch etwas Gutes sein. Zumindest wenn der Leidende Michel Gondry heißt. Als ihn eine frühere Angebetete zurückwies, konnte sie nicht ahnen, dass aus dem schüchternen Jüngling einer der einfallsreichsten Videoclip-Regisseure seiner Generation werden sollte.

Mittlerweile nutzt der Franzose seine schier endlose Imagination nicht nur für Videoclips für Björk, Daft Punk oder die Rolling Stones, sondern erschloss sich mit oscargekrönten Filmen wie "Vergiss mein nicht!" auch das Kinopublikum.

So war es fast logische Konsequenz, dass er aus dem Herzschmerz von damals eine verrückte Liebeskomödie machte. Held ist der kindisch-phantasiebegabte Stéphane (Gael García Bernal), der es nicht schafft, mit der seelenverwandten Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) eine Beziehung aufzubauen, da er sich in seine Traumwelten flüchtet. Und dafür schüttet Gondry eine visuelle Wundertüte auf die Leinwand, deren Bilderflut im aktuellen Kino ihresgleichen sucht.

Plüschohr-Traumreiter: Stéphane und Stéphanie (Foto: Prokino (Fox)) Großansicht

Plüschohr-Traumreiter: Stéphane und Stéphanie (Foto: Prokino (Fox))

Eine wundersame Reise

Da entstehen Fernsehstudios aus Eierkartons und Pappkameras; Ausflüge werden zum Fantasie-Trip, der Protagonist kämpft mit seinen Riesen-Händen. Diese Traumvisionen werden nicht mit kalt-perfekten Computereffekten inszeniert, sondern haben die Aura des liebevoll Handgemachten. Keine aufgedonnerte US-SciFi, sondern ein poetisches Märchen aus dem alten Europa, was dem Film einen berührenden Zauber verleiht.

Science of Sleep - Anleitung zum Träumen

Keine Angst: Michel Gondry will nur spielen, aber sein nunmehr dritter Spielfilm, eines der uneingeschränkten Highlights der Berlinale, hat dennoch Biss. Angelegt als anarchistischer Begleitfilm zu Gondrys Vorgänger "Vergiss mein nicht!", dreht sich wieder alles um Liebessehnsucht und die eskapistische Kraft der Fantasie.

Ein toller Film ist das. So überbordend mit Einfällen, verspielt, albern und innovativ, dass man ihn eigentlich schon nach der ersten Szene, in der man Gael Garcia Bernal in einem selbst gebauten Pappmaché-Studio dabei bestaunen darf, wie er die Funktion seiner Träume beschreibt, nicht nur ins Herz geschlossen hat, sondern am liebsten in den Arm nehmen will. Nach diesem, wie sich herausstellt, Besuch im Kopf des Protagonisten wird "The Science of Sleep", diese absurde Komödie im filmischen Spannungsfeld zwischen Buñuel und der Augsburger Puppenkiste, noch besser. Denn zwischen all den grotesken Fantastereien und drolligen Anekdoten, dem nahtlosen Springen von Realität zu Low-fi-Illusion sowie zwischen verschiedenen Sprachen (Englisch, Französisch, Spanisch) verbirgt sich auch eine spürbar hoch persönliche und entsprechend dringliche Geschichte über einen schüchternen jungen Grafikdesigner, der nach dem Tod des Vaters von Mexiko zurückkehrt nach Paris. Dort hat ihm seine Mutter einen Posten in einer Kalenderfirma verschafft, der sich als trostloser MacJob entpuppt und Stephane nachhaltig demoralisiert. Gleichzeitig lernt er bei deren Einzug zufällig seine Nachbarin Stephanie kennen, die ihn sympathisch findet und damit Stephanes fragile Balance endgültig aushebelt: Seine Tagträumereien lassen sich nicht länger kontrollieren, was für allerhand elementare Irrungen und Wirrungen sorgt. Nach "Human Nature" und "Vergiss mein nicht!" arbeitet Videoclipspezialist Gondry erstmals nicht mit einem Drehbuch von Charlie Kaufman ("Adaption"). Befreit von dessen intellektuellen Betrachtungen und existenziellen Gedankenspielen ist die ebenso surreale wie infantile Komödie offenkundig deutlich näher an der versponnenen Weltsicht des Regisseurs, in der das Staunen über wundersamste Assoziationen eine ganz eigene Philosophie darstellt. "I've Been 12 Forever" ist der Titel einer 75-minütigen Dokumentation über Gondry, und besser lässt sich eigentlich auch die Figur nicht beschreiben, die It-Boy Gael Garcia Bernal ("Die Reisen des jungen Che") als Alter Ego Gondrys zu spielen hat:

ein Junge im Körper eines Erwachsenen, der immer noch in seinem Kinderbett schläft und nie bereit ist, die Limitierungen der Erwachsenenwelt zu akzeptieren. Weshalb er auch nicht in der Lage ist, jene Verantwortung für sein Leben zu übernehmen, um aus seiner Liebe zu Stephanie - die wunderbare Stephanie als wunderbar geerdeter Gegenpol zu Bernals Mod-Peter-Pan - mehr zu machen als eine gemeinsame Reise durch Welten, in denen Autos aus Pappe und Wasser aus Zellophanpapier ist. So mag ein Plot im herkömmlichen Sinn kaum zu entdecken sein, aber gerade im zwanghaften Anhäufen überbordender Verrücktheiten lässt sich eine förm-lich greifbare Seelennot finden, die einem auch dann ganz real den Atem abschnürt, wenn man sich gerade ausschüttet vor Lachen bei diesem ewigen Sonnenschein eines durch und durch brillanten Geistes. ts.

Darsteller:  Gael García Bernal   als Stéphane Miroux
  Charlotte Gainsbourg   als Stéphanie
  Alain Chabat   als Guy
  Miou-Miou   als Christine Miroux
  Emma de Caunes   als Zoé
  Aurélia Petit   als Martine
  Sacha Bourdo   als Serge
 
Regie:  Michel Gondry  
Buch:  Michel Gondry  
Musik:  Jean-Michel Bernard  
Kamera:  Jean-Louis Bompoint  
Produzent:  Georges Bermann  
  Michel Gondry  
  Frédéric Junqua  
 

Science of Sleep - Anleitung zum Träumen in der Fotoshow

 

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