
Ironisch-melancholisches Befindlichkeitsgemälde über Kommunikationslosigkeit, das bezeichnenderweise in einem Callcenter spielt. Debütant André Erkau gewann damit den Max-Ophüls-Preis.
"Come in & burn out", so begrüßt Abteilungschef Harms (August Zirner) den neuen Mitarbeiter Sascha (Maximilian Brückner) in einem grauen Großraumbüro, wo der Hauptanteil von Kunsthochschulabsolvent André Erkaus Kreuzung aus Komödie, Satire und Ballade spielt. Greifbare Typen sind garantiert, da Praxis und Arbeitsbedingungen dem Regisseur aus erster Hand bekannt sind, jobbte er doch während des Studiums selbst in einem Callcenter. Sein Quartett lebensnaher Menschen klammert sich an Träume und Illusionen ohne zu realisieren, dass ihr Lebenskonzept eigentlich längst gescheitert ist. Arbeitsplatz wie Partnerschaft sind eine Vorhölle, in der sie zwischen Existenzangst und Unfähigkeit, sich seinem Gegenüber mitzuteilen, gefangen sind.
Sascha also, der fest an seine Karriere als Showmaster glaubt und sich vor seiner Verantwortung als werdender Vater drückt, Verkaufsgenie Adrian (Johannes Allmayer), der sonst vor Schüchternheit vergeht, Architektin Marie (Antje Widdra), die auf einen qualifizierten Job hofft und von ihrem Mann mit Kind stehen gelassen wurde. Ihnen allen sitzt Harms im Nacken, der seine grauenvollen Motivationsfloskeln selbst glaubt, während er seine Ehe ruiniert. (Zwischen)menschlich gesehen das reinste Horrorkabinett, das folgerichtig tief ins Jammertal stürzen muss, bevor Selbsterkenntnis und Läuterung in Aussicht gestellt werden.
Daraus erwachsende, beklemmende Einsichten konterkariert Erkau mit leichtfüßigen und verhalten-unaufdringlichen Schilderungen der Alltagserlebnisse seiner Figuren. Er fächert ein fortlaufendes Kaleidoskop des fröhlichen Elends auf, in Vignetten, wie sie auch aus "Stromberg" oder "The Office" stammen könnten, und illustriert mit deprimierenden Sets das nicht nur geistige Niemandsland der Beziehungsdilettanten. So sagt dieser Mikrokosmos einerseits mehr über unsere heutige Gesellschaft aus, als einem lieb sein kann, ist aber andererseits bisweilen doch so einseitig karikiert, dass die satirische Schärfe verloren geht und eine charmante Loser-Komödie übrig bleibt, die gekonnt zwischen bitter und belustigend oszilliert. Neben den beachtlichen Darstellerleistungen können die Offbeat-Elemente und der handwerklich bestechende Independent-Stil begeistern, derweil der kalte Wind der Rendite den Antihelden gnadenlos ins Gesicht weht. So sind sie, die "Modernen Zeiten". tk.