
Im Fastenmonat Ramadan kreuzen sich in Berlin die Wege dreier junger Muslime, die das Leben aus der Bahn wirft und sich entscheiden müssen.
Zwischen zwei Kulturen aufgewachsen, sieht der afghanischstämmige Burhan Qurbani seinen Diplomfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg als Versuch, die aus der islamischen und deutschen Kulturen erwachsenden Widersprüche zu verarbeiten. "Shahada" soll "kein Film über Religion" sein, erzählt aber viel von Religion und was sie mit den Menschen macht, wie schmal der Grat zwischen Glauben und Fanatismus sein kann.
Anhand von drei jungen Muslimen in der Hauptstadt kristallisieren sich Krisen und Konflikte heraus: Ein türkischstämmiger Polizist leidet unter schlechtem Gewissen, weil er durch einen Querschläger aus der Dienstpistole eine Bosnierin so schwer verletzte, dass ihr ungeborenes Kind im Mutterleib starb, die lebenslustige und freigeistig erzogene Tochter eines verwitweten und gütigen Imams treibt ihr ungewolltes Kind ab und flüchtet sich wahnhaft in den Fundamentalismus, ein auf dem Großmarkt arbeitender Nigerianer empfindet verbotene Gefühle für seinen Kollegen und weiss nicht damit umzugehen.
Schuldbewusstsein als Lebensmaxime. Die Individuen kämpfen in extremen Situationen mit ihren Dämonen und gesellschaftlichem Druck in der kleinen Gemeinde. In den Zwängen eines Glaubens gefangen, der ihre Freiheit einschränkt, akzeptieren sie klaglos ihr Schicksal, sind Opfer der Umstände. Fast mantramäßig heißt es immer wieder "Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet", eine wirkliche Reflektion über Machtmechanismen der Religion bleibt aber aus. Die Episoden des in Kapitel aufgeteilten Dramas sind gekonnt verknüpft, nach einem furiosen Beginn flacht der Handlungsbogen allerdings etwas ab, die Psychologie der Figuren erschließt sich nicht, manchmal gehen guter Wille, Klischee und Gutmenschentum eine nicht unbedingt gelungene Symbiose ein, dann wieder überraschen treffsichere Dialoge und intensive Momente bei dieser diffizilen Suche gepeinigter Seelen nach Identität. Nach diesem Plädoyer für Toleranz kann man von dem erst 29-jährigen Regisseur sicherlich noch einiges erwarten. mk.