
Martin Scorsese zeigt, warum die Rolling Stones auch im 42. Jahr ihres Bestehens immer noch die "Greatest Rock'n'Roll Band on Earth" sind.
Wie ein roter Faden zieht sich die Musik der Rolling Stones durch das Filmschaffen von Martin Scorsese. Zu den Klängen von "Jumpin' Jack Flash" hatte Robert De Niro seinen ersten Auftritt als Johnny Boy in "Hexenkessel", das ausufernde Gitarrensolo von "Can't You Hear Me Knocking" bildete den Soundtrack für Henry Hills Koks-Paranoia in "GoodFellas", Sharon Stones Goldgräberin Ginger wurde in "Casino" mit "Heart of Stone" standesgemäß eingeführt, und zuletzt setzte "Gimme Shelter" den atmosphärischen Rahmen von "Departed". Jetzt setzt sich Scorsese, der Rockmusik-affinste aller amerikanischen Regisseure, der seine Anfänge als Cutter von "Woodstock" hatte, den "Last Waltz" von The Band inszenierte, dem Blues mit "Feel Like Going Home" seine Ehre erwies und zuletzt Bob Dylan mit "No Direction Home" ein atemberaubendes Denkmal setzte, unmittelbar mit den Stones ins Benehmen, mittels eines Konzertfilms, der sicher nicht der erste, vielleicht auch nicht der beste, aber ganz gewiss der mit den besten Bildern und dem besten Sound ist. Unterstützt von Weltklasse-Kameramännern wie Robert Richardson, Robert Elswit und Emmanuel Lubezki (sowie Direct-Cinema-Legende Albert Maysles, der die Stones bereits für "Gimme Shelter" in Altamont festhielt), fing der beste Regisseur der Gegenwart die beste Rockband aller Zeiten bei zwei Aufritten im Oktober 2006 im pittoresken Beacon Theatre in New York City ein und kommt ihr dabei näher als jemals ein Filmemacher zuvor. Vielleicht ließe sich bemängeln, dass "Shine a Light" ein bisschen kurz greift. Mit Ausnahme eines amüsanten, aber kurzen Einstiegs, der die Vorbereitungen zum Konzert zeigt, und über den Film verstreuten Einsprengseln mit Ausschnitten aus Archivmaterial und Interviews gibt es hier die Stones pur, ein Auftritt von Anfang bis Ende. Für Abwechslung sorgen die Gastauftritte von Jack White (lässig), Buddy Guy (souverän) und Christina Aguilera (anstrengend), ansonsten hat man das Privileg, allein mit den Glimmer Twins und Begleitern zu sein. Was nicht das Schlechteste ist, auch wenn man auf die x-te Version von "Satisfaction" und "Brown Sugar" zugunsten weniger abgenudelter Songs gern verzichtet hätte. Und doch ist es unwiderstehlich, was Scorsese da auf die Leinwand gebracht hat, das ultimative Dokument zum 42. Jahr des Bestehens der Rolling Stones, in dem auffällt, wie hart und schwer Mick Jagger arbeiten muss, um von der alles verschlingenden Coolness eines Keith Richards nicht verschluckt zu werden. Richards' Licht ist es, das am stärksten strahlt. ts.