
Eine unorthodoxe Kleinfamilie feiert Triumphe auf dem urbanen Schlachtfeld gegen wahre Schwärme hochgerüsteter Auftragskiller und das korrupte Establishment in einem besinnungslos krawalligen Actioncomic für Erwachsene von Regisseur Michael Davis.
Mr. Smith (Clive Owen) sitzt nachts auf einer Bank in der Stadt und kaut eine Möhre, als das Schicksal vorbeiläuft. Erst kommt eine hochschwangere Frau gerannt, ihr folgt ein Bewaffneter in augenscheinlich unfreundlichster Absicht. Da kann selbst einer nicht in Ruhe speisen, der sich eigentlich in gar nichts mehr einmischen wollte. Und schon steckt er mittendrin in einer internationalen Verschwörung, in der Hunderte von Berufsmördern nur darauf warten, ihre Magazine in jenen Säugling zu leeren, den Smith dank einer Notentbindung nun für den Rest des Filmes an der Backe bzw. im Rucksack hat. Nur zu verständlich, dass der sich nach einer Nanny umsieht.
Regisseur Davis, Schöpfer solider B-Movies und Novize auf dem Big-Budget-Parkett, mag schnelle Rocksongs und Schießereien im Videogame-Design. So gibt er uns von beidem reichlich und gern in Kombination miteinander, mit verbindenden Verfolgungsjagden dazwischen. Und wie dieser Smith schießen kann! Im Flug verteilt er Kopfschüsse über die Bande, und das gehört noch zu den leichteren Übungen im Ballett der sich zuspitzenden Auseinandersetzungen. Wo er solche Sachen lernte, die seine immerhin als Schießprügel ausgebildeten Verfolger mit offenem Mund staunen lassen, bleibt so unklar wie überhaupt jeder Hintergrund. Die Musik ist amerikanisch, die Gewaltästhetik asiatisch, der Inhalt unwichtig. Irgendein McGuffin möchte ewig leben, züchtet deshalb besondere Kinder, welche andere aus waffenwirtschaftlichen Erwägungen wiederum töten wollen. In Wahrheit geht es um Clive Owen gegen Paul Giamatti, also um Bugs Bunny gegen Elmar. Mit einem Sex-Sahnehäubchen in Gestalt von Monica Bellucci. Die komplettiert als Hure mit Herz die familiäre Dreieinigkeit und darf sich in einer der spektakulärsten Szenen des Films mit Owen sexuell vereinigen, während dieser aus den Augenwinkeln weiter Leute abknallt.
Klar, dass in diesem intellektuell kindgerechten Fantasy-Noir-Universum die Karotte die Zigarette ersetzt. Und sie tötet auch schneller. Schließlich kann man einem Gegner keine Zigarette durchs Auge ins Hirn hämmern. Doch nicht nur in Bezug auf die eigene Gesundheit ist der Held ein Vorbild. Selbst in dringlichster Verfolgungsjagd findet er stets die Zeit, einen Verkehrsrowdy, einen Umweltsünder oder eine prügelnde Mutti mit einer Dosis eigener Medizin zu disziplinieren. Töten ist schon okay, aber park verdammt noch mal nicht auf dem Behindertenplatz. Dem Charakterstar Paul Giamatti bleibt der Part des Bösewichts. Der bekommt zwar auch ein paar zynische Oneliner vom Drehbuch serviert, vereint insgesamt aber zu viele negative Charakter- und Körpermerkmale, als dass er einem ans Herz wachsen könnte wie etwa Alan Rickman in "Stirb langsam". Den Spaß am Gezeigten trübt das wenig, schließlich geht es nicht um dramatischen Tiefgang, sondern um Knall und Fall, sonst würde der Film anders heißen. Klassisches Fast Food - ohne Gehalt und bleibende Eindrücke, aber für den Moment durchaus sättigend. ab.