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Sicko

In seiner neuesten Dokumentation nimmt dich Michael Moore das marode amerikanische Gesundheitssystem vor.


Sicko

Leihvideo

Erhältlich seit:
26.03.2008

Dokumentarfilm/ Gesellschaft

USA 2007
Laufzeit: 117 Min.
FSK: ab 6

Michael Moore

Regie: Michael Moore
Senator Home Entertainment

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Nach vielen Anfeindungen meldet sich Michael Moore eindrucksvoll zurück - bewegender und scharfsinniger als je zuvor.

Michael Moore deckt wieder unerhörte Zustände auf (Foto: Senator) Großansicht

Michael Moore deckt wieder unerhörte Zustände auf (Foto: Senator)

Es gibt viele Etikettierungen, die auf Michael Moore passen - erfolgreichster Dokumentarfilmer aller Zeiten, Oscar-Gewinner, Lieblingsfeind der republikanischen Partei. Aber es gibt ein Etikett, das all dem zu Grunde liegt: Michael Moore ist ein Geschichtenerzähler. Seine Dokumentationen definieren sich nicht einfach als eine suggestive Aneinanderreihung von Fakten, sie sind auch emotional aufwühlende Dramen.

Und so ist "Sicko" zwar auf einer Ebene eine bitterböse Abrechnung mit der Gesundheitsindustrie, aber vor allem entfaltet der Film ein bewegendes Panorama von menschlichen Schicksalen.

Es gibt auch schöne Momente im Krankenhaus (Foto: Senator) Großansicht

Es gibt auch schöne Momente im Krankenhaus (Foto: Senator)

Horror oder Happy End?

Von Menschen, die sterben mussten, weil Krankenversicherungen ihre Behandlung nicht zahlen wollten oder von Patienten, die von ihren Arztkosten in den Ruin getrieben wurden. Damit verbunden ist auch ein gewisser Gruseleffekt, denn auch hierzulande kommt es zu einer zunehmenden Privatisierung des Gesundheitswesens.

Aber Moore malt nicht einfach nur Horror-Szenarien. Er zeigt auch Wege ins Happy End. Und gerade deshalb gelingt ihm mit "Sicko" letztendlich sein reifster und bewegendster Film - jetzt schon die fünfterfolgreichste Dokumentation aller Zeiten.

Sicko

Michael Moore weiß nach "Fahrenheit 9/11" und "Bowling for Columbine", was er seinen Fans schuldig ist. Auch "Sicko" ist wieder ein empfindlicher Dorn in der Seite der mächtigsten Nation der Welt.

Unerbittlich geht Moore in seiner neuen Doku ans Werk, dem vermutlich brisantesten Film in Cannes, der auf Drängen des Filmemachers außer Konkurrenz gezeigt wurde. Das amerikanische Gesundheitssystem ist diesmal die Zielscheibe seiner gewohnten Betrachtungen, in denen er das Leben einfacher Menschen mit dem Big Business, in diesem Fall die privaten Krankenversicherungen und natürlich die Regierung, konfrontiert. In Moores typischem Kolportagestil deckt er Strategien und Machenschaften auf, wie gerade Menschen mit Krankenversicherung dennoch um medizinische Behandlung gebracht werden - und warum die Regierung kein gesteigertes Interesse hat, der USA als letzter westlicher Industrienation der Welt ein staatliches Gesundheitssystem angedeihen zu lassen. Bilder des medizinischen Ödlands Amerika kontrastiert Moore vielleicht nicht journalistisch einwandfrei, dafür aber launig und effektiv mit Aufnahmen aus Kanada, Großbritannien und Frankreich, wo die Menschen nicht in den Krankenhäusern abgewiesen werden oder absurde Summen für ihre Behandlung zahlen müssen. All das führt zu der Sequenz, die Moore bereits im Vorfeld in Schwierigkeiten gebracht hat: Eine Gruppe von Feuerwehrleuten, die seit den Rettungsmaßnahmen an Ground Zero nach 9/11 unter chronischen Krankheitsbeschwerden leiden, in den USA aber keine adäquate ärztliche Behandlung erhalten, nimmt der Filmemacher mit dem Boot mit nach Kuba - oder besser gesagt: nach Guantanamo Bay, wo den einsitzenden Terroristen eine bessere medizinische Versorgung zur Verfügung gestellt wird als US-Bürgern in ihrem Land. Erst als Moore dort abgewiesen wird, besucht er mit den Feuerwehrleuten Kuba, wo sie mit offenen Armen empfangen und behandelt werden. Die Szene erhielt spontanen Applaus von der begeisterten Presse: Dennoch wäre es ungerecht, den Film auf diesen publikumswirksamen Moment zu reduzieren. Vielmehr ist erstaunlich, mit welcher Sicherheit der Filmemacher mittlerweile sein völlig eigenes Genre des satirischen Docutainment beherrscht: Wie er die Mittel der Montage einzusetzen vermag (ohne sich diesmal selbst in den Mittelpunkt zu rücken), ist wirklich beachtlich - und macht auch einen Film über ein vermeintlich trockenes Thema zum Leckerbissen für ein großes Publikum. ts.

Darsteller:  Michael Moore  
 
Regie:  Michael Moore  
Buch:  Michael Moore  
Kamera:  Christoph Vitt  
Produzent:  Michael Moore  
  Harvey Weinstein  
  Bob Weinstein  
  Meghan O'Hara  
  Reyha Young  

"Jeder ist sich selbst der Nächste"

45 Millionen Menschen haben in den USA, dem reichsten Land der Welt, keine Krankenversicherung. Für Michael Moore ist das Anlass genug, die Situation in seinem Heimatland einmal mehr genau unter die Lupe zu nehmen.

Michael Moore ist der erfolgreichste Dokumentarfilmer der USA (Foto: Kurt Krieger) Großansicht

Michael Moore ist der erfolgreichste Dokumentarfilmer der USA (Foto: Kurt Krieger)

» Sind Sie gesund?

MICHAEL MOORE: Ja, ich esse viel Obst und Gemüse. Ich bewege mich mehr. Bei den Dreharbeiten zu "Sicko" habe ich begriffen, dass ich mehr für meine Fitness tun muss. Aber selbst wenn es mir schlecht ginge - ich bin als Mitglied mehrerer Gewerkschaften optimal versichert, ganz im Gegensatz zu vielen meiner Landsleute.

» Warum brauchen wir einen Film über das amerikanische Gesundheitswesen?

Weil die Amerikaner dringend umdenken müssen. Bei uns zu Hause ist sich jeder selbst der Nächste. Jeder sagt: "Ich, ich, ich!" Und das zeigt sich ganz besonders im Gesundheitssystem. Ich stelle meinen Mitbürgern jetzt die radikale Frage: "Wann hört ihr auf, euch gegenseitig so mies zu behandeln?" Deshalb knöpfe ich mir in dem Film keine Einzelpersonen wie George W. Bush oder Charlton Heston vor. Das Publikum soll nicht denken: "Jetzt hat's Michael denen gegeben!" Es soll sich selbst an die Nase fassen. Und für den Rest der Welt ist der Film eine Warnung: "Wollt ihr so sein wie die Amerikaner?"

Was geschah nach dem 11. September 2001? Moore hakt nach in "Fahrenheit 9/11" (Foto: Falcom) Großansicht

Was geschah nach dem 11. September 2001? Moore hakt nach in "Fahrenheit 9/11" (Foto: Falcom)

» Das klingt ganz schön didaktisch.

Keiner meiner Filme ist didaktisch. Deshalb sind sie auch so erfolgreich. Meinem Anliegen ist am besten gedient, wenn ich unterhaltsame Geschichten erzähle. Ich möchte, dass meine Zuschauer eine gute Zeit haben.

» Aber das amerikanische Publikum folgt Ihnen nicht immer. Sonst wäre George W. Bush nach "Fahrenheit 9/11" nicht wiedergewählt worden.

Die Leute brauchen halt einige Zeit, bis sie lernen. Und vor allem die Amerikaner sind da etwas langsam. Vor vier Jahren wurde ich von der Oscar-Bühne heruntergebuht, als ich gegen den Irakkrieg protestierte. Leute griffen mich auf der Straße an. Aber jetzt gibt es spontanen Applaus, wenn ich ein Restaurant betrete. Schauen Sie sich doch Bushs Zustimmungsraten an. Die Mehrheit meiner Mitbürger hat begriffen, was Sache ist. Deshalb bleibe ich in meinem Herzen ein Optimist.

Michael Moore als Anwalt des kleinen Mannes in der Gesundheits-Doku "Sicko" (Foto: Senator) Großansicht

Michael Moore als Anwalt des kleinen Mannes in der Gesundheits-Doku "Sicko" (Foto: Senator)

» Ist Ihnen dieser Optimismus bei den Horrorstorys, die Sie in "Sicko" erzählen, nicht manchmal vergangen?

Das war schon schwer. Wir hatten 25.000 Zuschriften von Leuten, die uns ihre privaten Erfahrungen mit Versicherungsunternehmen und der Pharmaindustrie erzählten. Mancher davon war am Sterben, und wir konnten nichts dagegen tun. Ich musste meine Mitarbeiter immer wieder ermuntern, dass sie ihren Humor nicht verlieren.

» Und wann verlieren Sie Ihren Humor endgültig?

Wenn meine Lieblingssportteams verlieren. Aber zum Glück haben alle letztes Mal eine tolle Saison gespielt.

 

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Michael Moore

Er ist einer der originellsten Dokumentarfilmer der Geschichte. Der schwergewichtige und von Witz, Sarkasmus und Selbstironie sprühende...