
In Berlin unverständlicherweise nicht mit einem Preis bedacht, ist Jonathan Nossiters Trennungs-, Scheidungs- und Eifersuchtsdrama zwar vom Thema her nicht neu, aber in seiner aufregenden visuellen Gestaltung formal innovativ und mit Charlotte Rampling, Stellan Skarsgrad und Deborah Kara Unger hochkarätig besetzt. In Athen und Umgebung gedreht, lebt der Film von diesem fulminanten Trio und der meisterhaften Kameraarbeit von Yorgos Arvanitis, der alle Filme von Theo Angelopoulos fotografierte.
Alec (Skarsgrad), US-Großhändler in Griechenland, verlässt für seine Geliebte Katherine (Unger) seine Frau Marjorie (Rampling), kehrt zu spät zurück und findet die Ex-Gattin mit dem Politiker Andreas liiert. Alec, der an Zeichen und Vorahnungen glaubt, schafft sich mit der Tochter Siri seine eigene Welt der Prophezeiungen und Wünsche. In dieser Situation mehren sich Unfälle und offensichtlich Anschläge auf Andreas, der schließlich mit Siri und Majorie zur Familie ins Gebirge zieht, wo Siri eine Katastrophe heraufbeschwört.
Nossiter unterfüttert seine Vierecksgeschichte einerseits realistisch, indem Schmerz, Zorn und Ohnmacht der Beteiligten glaubwürdig sind, andererseits stehen die titelgebenden Hinweise für letztliche Unwägbarkeiten im Gefühlskosmos. "Alice im Wunderland" spielt eine unerwartet wirksame Rolle und Arvanitis Kamera setzt erstaunlich variationsreiche Spiegel und Rahmen ein, um die Eingeschlossenen von Athen zu beobachten oder in die Irre zu leiten. Das Star-Trio (Rampling und Unger erotisch, Skarsgrad bitter) sollte für einigen Arthouse-Zuspruch gut sein. ger.