
Quentin Tarantinos "Reservoir Dogs" treffen auf Rob Zombies Psychos in dieser hippen Gangland-Freakshow, die letztendlich nur Verlierer kennt.
Ein Film wie ein Schlag auf den Solarplexus - anschließendes Übelkeitsgefühl inklusive. Oliver Stones "Natural Born Killers" sind im Vergleich zu Joe Carnahans ("Narc") Waffenfetischisten rurale Weicheier, feige Bettnässer mit übergroßen Windeln. Eine ganze Armada dieser blutlüsternen Hitmen wollen sich die Kopfgeld-Million verdienen, die Mafiaboss Primo Sparazza ausgelobt hat, um Buddy "Aces" Israel das Lebenslicht ausblasen zu lassen. Genau gesagt soll ihm das Herz bei lebendigem Leib herausgeschnitten werden für den Verrat am capo di tutti capi. Hoch oben ins High-Tech-Penthouse des Nomad Hotels, idyllisch gelegen am Lake Tahoe - "Der Pate" lässt grüßen -, hat sich der professionelle Falschspieler und Kartenhai zurückgezogen. Umgeben von dauerbedröhnten Luxus-Callgirls nebst tumbem Leibwächter, bewacht vom FBI, das versprochen hat, ihn in ihr Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Freilich erst wenn "Aces" seine Aussage gemacht hat.
Soweit in groben Zügen die altbekannte "Brannigan"-Story, die Autor Carnahan geschickt variiert und um zahlreiche (augenzwinkernde) Pointen ergänzt - wobei es ihm wahrscheinlich sogar reichlich egal ist, ob sich der Plot letztendlich wasserdicht schließt. Sein Augenmerk liegt auf dem Stil, wie er erzählt, was er zeigt und wen er was tun lässt. So schickt er ein rundes Dutzend (Haupt-)Darsteller auf Kriegspfad, darunter den gegen den Strich besetzten Ray Liotta und funny man Ryan Reynolds als Bundesagenten, Popstar Alicia Keys als lesbische Scharfschützin und "Big Ben" Affleck als ausgelaugten Kopfgeldjäger - nicht zu vergessen das Quartett mörderischer "Mad Max"-Hillbillies, dem man zutrauen würde, im Alleingang den Irak zu befrieden. Nach einer etwas umständlichen, unnötig langen Exposition - Liotta und Reynolds belauschen ein wichtiges Telefonat Sparazzas - legt der Regisseur den Action-Gang ein und steigert bis zum furiosen Finale kontinuierlich das Tempo.
"Smokin' Aces" ist ein sichtlich von MTV und Rock-Clips beeinflusster (ironischer?) Bildersturm (Kamera: Mauro Fiore), in dem die Gangster mit ihren Waffen so behände umgehen wie Schlagzeuger mit ihren Stöcken. Der Maschinengewehrschnitt Robert Frazens korrespondiert mit Clint Mansells ("The Fountain") pulsierendem Score, während in hoher Taktfrequenz neue Kampfmaschinen das Schlachtfeld besiedeln. Ob gut oder böse, ist dabei schwer zu entscheiden und freilich auch nebensächlich, denn zu guter Letzt liegen (fast) alle im eigenen Blut und das Nomad muss wohl wegen Renovierungsarbeiten bis zur nächsten Saison schließen. geh.