
Mit der entspannten Dramödie um einen Schauspieler, den der Besuch seiner Tochter aus seinem Sex&Drugs-Alltag reißt, quartiert sich Sofia Coppola wieder in ein Hotel ein. Dieses Mal sind Ihre Figuren nicht in der japanischen Fremde "Lost in Translation", leben nicht "Somewhere", sondern im Chateau Marmont eine Vater-Tochter-Beziehung in Hollywood, wie sie der Tochter Francis Ford Coppolas nur zu bekannt sein dürfte.
Ein schwarzer Ferrari dreht sinnlos seine Kreise auf einer Wüstenstrecke. Die erste Szene vor der Titelsequenz fungiert als Sinnbild für das Leben der Hauptfigur, eines recht erfolgreichen italoamerikanischen Schauspielers. Stephen Dorffs Johnny Marco lebt in einer Suite des berühmten Chateau Marmont-Hotel am Sunset Boulevard, das bereits etliche echte Hollywood-Promis beherbergte . (In einer witzigen Anspielung trifft Johnny im Aufzug Benicio DelToro, der damit angibt, dass er Bono gesehen hat) Wenn Johnny nicht gerade mit seinem Auto durch die Gegend röhrt, lässt er ein Paar Poletänzerinnen vor seinem Bett auftreten, hat Sex, bei dem er gelegentlich einschläft, mit Frauen, deren Namen er sich nicht merkt, trinkt alleine oder bei einer spontanen Party, und raucht. Die Kamera von Harris Savides schraubt den bei der Location vielleicht zu erwarteten Glamourfaktor herunter, versucht das Bild so beiläufig wie möglich erscheinen zu lassen und wartet nicht selten in aller Ruhe ab, bis Marco die Zigarette ausgeraucht hat oder die Tänzerinnen ihre kuriose Nummer absolviert haben. Die Geduld, mit der Kamera und Filmemacherin ihr Objekt betrachten, bewirkt herrlich komisch-absurde Momente, etwa wenn Marco mit Gips um den Kopf für eine Maske minutenlang warten muss, macht aber auch die Langeweile und innere Leere der Figur deutlich. Da wird ihm von seiner Ex (Miniauftritt von Michelle Monaghan) seine elfjährige Tochter Cleo (Elle Fanning, schon seit sieben Jahren (!) im Kinogeschäft, hat nichts von ihrer Natürlichkeit verloren) gebracht. Sie soll nicht nur ein paar Stunden, sondern ein paar Tage bei ihrem Papa bleiben. Sie begleitet ihn nach Mailand zu einer Fernsehpreisübergabe (absurde Tanzeinlage auf der Bühne inklusive, ein kleiner Seitenhieb auf die Berlusconi-Medienwelt), spielt mit ihm Tischtennis im Hotelgelände oder in einer der herzerfrischendsten und witzigsten Szenen mit ihm und seinem Wohnungsgenossen Sammy (entspannt und lustig: Chris Pontius aus dem "Jackass"-Team) Guitar-Hero. Dabei ist der Humor etwas gedämpfter als beim Karaoke in "Lost in Translation". Die gemeinsamen Szenen von Dorff und Fanning strahlen eine Wärme aus, die den vorherigen abgegangen ist. So ist spätestens beim Auftauchen von Cleo jedem Zuschauer die weitere Entwicklung klar. Johnny braucht allerdings noch lange zur Erkenntnis, dass er sein Leben ändern muss. Am Ende checkt er aus dem Hotel aus, verlässt Hollywood auf einer geraden Straße gen Horizont, steigt aus dem Angeberauto aus: Ein passendes Schlussbild, nach dem Phoenix, die bereits zu den letzten beiden Coppola-Filmen Musik beisteuerten, zu den Endtiteln singt. Die Musik und Songs sind wie gewohnt wunderbar und auch in den Texten zur Situation passend ausgewählt. Der Film surft an der Oberfläche, die Figuren sind nicht so sympathisch, dass man sie umarmen möchte, aber auch nicht so stark überzeichnet, dass man sie als Personal einer gesalzenen Satire auf die oberflächliche Branche betrachten könnte. Nicht dass es an Ansätzen zur Satire und Insiderwissen fehlen würde. Die Schilderung von Pressekonferenzen und Foto-Termin mit Bänkchen für den Mann lassen Schmunzeln. Um eine Satire oder gar Abrechnung geht es Coppola nicht. Was von "Somewhere" vor allem in Erinnerung bleibt, ist das ausgestrahlte, entspannte Wohlgefühl, wenn Vater und Tochter müde auf der Hotel-Couch lümmeln und sich von einem alten Angestellten "I want to be your Teddybear" vorsingen lassen. hai.