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Sommersturm

Coming-Of-Age-Komödie von Marco Kreuzpaintner, in dem eine schwule und eine heterosexuelle Jugendrudermannschaft aufeinandertreffen.


Sommersturm

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Erhältlich seit:
04.03.2005

Drama/ Komödie

Deutschland 2004
Laufzeit: 94 Min.
FSK: ab 12

Robert Stadlober
Kostja Ullmann
Alicja Bachleda

Regie: Marco Kreuzpaintner
Warner Home Video Germany

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Gefühlschaos in den Sommerferien: "Crazy"-Star Robert Stadlober gerät bei der ersten Liebe in Turbulenzen.

Tobi entdeckt seine Gefühle für das männliche Geschlecht (Foto: X Verleih (Warner)) Großansicht

Tobi entdeckt seine Gefühle für das männliche Geschlecht (Foto: X Verleih (Warner))

Sie sind die besten Kumpel: Tobi (Robert Stadlober) und Achim (Kostja Ullmann). Und schwören, sich "von den Weibern nicht auseinander bringen" zu lassen.

Alles graue Theorie, wenn man(n) jung ist. Gemeinsam trainiert das Duo im Sportclub, freut sich auf das Sommerzeltlager samt Wettkampf am See.

Aber aus ganz verschiedenen Gründen. Achim will endlich mit Sandra (Miriam Morgenstern) anbändeln, deren Freundin Anke (Alicja Bachleda-Curus) hat ein Auge auf Tobi geworfen, der eigentlich aber nur mit Achim zusammen sein möchte.

Beim Rudern trifft Tobi auf Gleichgesinnte (Foto: X Verleih (Warner)) Großansicht

Beim Rudern trifft Tobi auf Gleichgesinnte (Foto: X Verleih (Warner))

Stürmische Emotionen

Als dann noch statt der erwarteten Berliner Mädels der RC "Queerschlag" der schwulen Berliner Rudermannschaft auftaucht, gehen die emotionalen Verwirrungen erst richtig los.

Da baggert der muskulöse Malte ausgerechnet den verklemmten Sohn des Vereinspräsidenten an, legen die Sportler alle Hemmungen ab, kochen an einem schwülen Nachmittag die Gefühle so richtig hoch. Tobi erlebt sein "erstes Mal", und auch Achim und Sandra tun es.

Vor Regen, Sturm und Gewitter fliehen alle in eine Jugendherberge, wo es zum emotionalen Countdown kommt.

Spannung unterm Zeltdach (Foto: X Verleih (Warner)) Großansicht

Spannung unterm Zeltdach (Foto: X Verleih (Warner))

Mitten ins Herz

Marco Kreuzpaintner erzählt zwei Liebesgeschichten, die mitten ins Herz treffen. Wer je verliebt war, kennt das Herzklopfen und die Unsicherheit, aber auch die Angst vor Zurückweisung.

Die Sexszene legen "Tobi" Robert Stadlober und Marlon Kittel völlig unbeschwert hin. Und was passiert, wenn ein schwuler Typ plötzlich ein Mädchen küsst? Alles ist möglich, die Suche nach dem eigenen Liebesweg erfordert allerdings eine Portion Mut.

Den beweisen der Regisseur und sein junges Ensemble. Von diesem "Sommersturm" lassen wir uns gerne wegfegen.

Sommersturm

Mit seinem zweiten Film beweist Marco Kreuzpaintner erneut sein Händchen für die gelungene Mischung von Ernsthaftigkeit und lockerer Unterhaltung. "Sommersturm" erzählt von der ersten großen Liebe mit allem was dazu gehört - Herzschmerz, Eifersucht, Unsicherheit. Keine der üblichen Teenie-Komödien, sondern eine leichtfüßige Tragikomödie mit Robert Stadlober auf der Suche nach sexueller Orientierung, die ein jugendliches Publikum mitten ins Herz treffen sollte.

"Wir lassen uns von den Weibern nicht auseinanderbringen", schwören sich die Buddies Tobi und Achim, Mitglieder im örtlichen Ruderclub und träumen davon, im nächsten Jahr per Interrail durch Europa zu ziehen. Sie freuen sich auf das Sommerzeltlager und den Ruderwettkampf. Doch dann sorgen Mädels für Spannung. Achim himmelt Sandra an und deren Freundin Anke hat es auf Tobi abgesehen. Und statt der "versauten" Großstadtmädchen taucht eine schwule Rudermannschaft auf. Die "Queerschläger" aus Berlin machen sich am See breit und verstecken nicht ihre Homosexualität, im Gegenteil, sie lassen keine Gelegenheit aus, die Heteros mit Sprüchen wie "Heten kneten" aus der Fassung zu bringen. Tobi, der eifersüchtig beobachtet, wie sein Kumpel sich nur noch auf Sandra konzentriert, leidet wie ein Tier und ist hin- und hergerissen zwischen seinen Emotionen für Achim, der forschen Anke und einem smarten Jungen aus dem gegnerischen Ruderteam. An einem heißen Nachmittag lässt er sich verführen und entscheidet sich zum "Coming out" vor der ganzen Gruppe.

Kreuzpainter macht aus dem heiklen Thema und dem schwierigen Prozess der Selbstfindung keine tiefgründige oder pädagogische Message, sondern lässt die beiden unterhaltenden Liebesgeschichten - die zwischen Jungs und die zwischen Mädchen und Junge - ganz einfach geschehen. Dabei spielt er manchmal ironisch mit Klischees und räumt gleichzeitig mit ihnen auf. Wenn die "Queerschläger" provozieren, reagieren die "richtigen Männer" mit Abwehr, Verunsicherung oder billigen Retourkutschen ("gib mir mal den schwulen Ketchup") und wenn am Lagerfeuer ein Schwulenhasser vom Leder zieht, sind es die Mädchen, die ihm den Kopf waschen. Die Klippen möglicher Peinlichkeit werden umschifft, auch wenn sich einer der Jünglinge mal wieder das beste Teil einklemmt und die Möchtegern-Machos verbal auf den Putz hauen. Herausragend im durchweg überzeugenden jungen Ensemble Robert Stadlober, der hier auch mal weinen darf, und ein bis über beide Ohren verliebter Kostja Ullmann, die beide auf ihre Art mit Gefühlswirrungen kämpfen. "The First Cut is the deepest", erste Liebe tut immer weh, die Erfahrung macht jeder früher oder später lautet die Botschaft. Und wenn sich der nächtliche Sommersturm gelegt hat, sind beide nicht nur ein bisschen erwachsener geworden, sondern wissen auch um den Wert von Freundschaft und Liebe und dass man etwas tun muss für das ganz persönliche Glück. mk.

Darsteller:  Robert Stadlober   als Tobi
  Kostja Ullmann   als Achim
  Alicja Bachleda   als Anke
  Tristano Casanova   als Georg
  Miriam Morgenstern   als Sandra
  Marlon Kittel   als Leo
  Hanno Koffler   als Malte
  Jürgen Tonkel   als Hansi
  Alexa Maria Surholt   als Susanne
  Jeff Fischer   als Flasche
  Joseph M'Barek   als Ferdl
 
Regie:  Marco Kreuzpaintner  
Buch:  Thomas Bahmann  
  Marco Kreuzpaintner  
Musik:  Niki Reiser  
Kamera:  Daniel Gottschalk  
Produzent:  Uli Putz  
  Thomas Wöbke  
  Jakob Claussen  

"Es geht darum, dass man liebt"

Jungstar Robert Stadlober und Newcomer Kostja Ullmann haben keine Angst vor heißen Eisen. In der Coming-Of-Age-Komödie "Sommersturm" setzen die beiden Hauptdarsteller das Thema Homosexualität in Szene.

Frischer Wind aus Deutschland: Robert Stadlober und Kostja Ullmann (Foto: X Verleih) Großansicht

Frischer Wind aus Deutschland: Robert Stadlober und Kostja Ullmann (Foto: X Verleih)

» Wie seid Ihr zu "Sommersturm" gekommen?

ROBERT STADLOBER:

Ich hatte das Drehbuch schon vorher gelesen und fand es toll. Als ich gefragt wurde, ob ich in "Sommersturm" mitspielen will, hab ich sofort ja gesagt. Marco Kreuzpaintner und ich haben uns einen Nachmittag in ein Münchner Cafe gesetzt und danach war alles klar. Thema ist super, der Regisseur ist super, die Produktionsfirma ist sowieso super - da gab's keine großen Überlegungen mehr.

KOSTJA ULLMANN:

Ich hatte zwei Castings und dabei habe ich auch Marco kennen gelernt. Es ging eigentlich alles ziemlich schnell.

Wenn eine heterosexuelle Rudermannschaft auf eine homosexuelle trifft... (Foto: X Verleih) Großansicht

Wenn eine heterosexuelle Rudermannschaft auf eine homosexuelle trifft... (Foto: X Verleih)

» Inwiefern konntet Ihr Euch mit Euren Rollen identifizieren?

STADLOBER: Tobi ist mir sehr nahe. Er ist so, wie ich vor ein paar Jahren war. Gerade das unglückliche Verliebtsein habe ich in aller Ausführlichkeit mitgemacht. Es ist das erste Mal, dass ich jemanden spiele, der jünger ist als ich. Super, dass ich dabei schon auf meine doch relativ geringe Lebenserfahrung zurückgreifen konnte.

ULLMANN: Achim ist mir sehr ähnlich. Und gerade in der Zeit, in der ich das Drehbuch gelesen habe, hatte ich eine ähnliche Erfahrung. Anders als im Film war es zwar ein Mädchen, das sich im mich verliebt hat, aber ich konnte diese Liebe auch nicht erwidern.

Die beiden Kumpels Achim und Tobi auf einer Party im Ruderclub (Foto: X Verleih) Großansicht

Die beiden Kumpels Achim und Tobi auf einer Party im Ruderclub (Foto: X Verleih)

» Wie war es, mit Marco Kreuzpaintner zusammenzuarbeiten?

STADLOBER: Super. Das Tolle ist, einen Film zu machen, bei dem der Regisseur nicht viel älter ist. Vor kurzem hatte man die gleichen Probleme und kann so einfach besser darüber reden.

Marco ist trotz seines jungen Alters einfach ein wahnsinnig guter Regisseur. Er ist großartig in Sachen Schauspielerführung. Er gibt uns einen psychologischen Zurückhalt, den ich sonst nur von Hans-Christian Schmid kenne. Marco ist zart und mitfühlend. Er ist jemand, der einen in den Arm nimmt, wenn alles aus dem Ruder läuft und man am Heulen ist.

Tobi ist total durcheinander (Foto: X Verleih) Großansicht

Tobi ist total durcheinander (Foto: X Verleih)

» Homosexualität ist ein zentrales Thema des Films. Haben Schwule es immer noch schwer, sich zu outen?

STADLOBER: Es gibt eine Diskriminierung, die aber nicht so offensichtlich ist. Oberflächlich ist alles liberal und tolerant, aber gerade durch die HipHop-Kultur kommt es zu einer ganz neuen Diskriminierung.

Wenn man mit 14 in der Schulklasse steht und jemand sagt "Gib mit mal den schwulen Bleistift", trifft das richtig, wenn man meint, dass man auf Männer steht. Ich glaube, es ist immer noch nicht klar, dass es keine Schubladen gibt. Es geht nicht darum, ob jemand schwul, lesbisch oder hetero ist, sondern darum, dass man jemanden liebt.

Vorsichtiger Annäherungsversuchen von Anke (Foto: X Verleih) Großansicht

Vorsichtiger Annäherungsversuchen von Anke (Foto: X Verleih)

» Wie kann "Sommersturm" diese Wahrnehmung schärfen?

STADLOBER: Ich möchte, dass 14-Jährige das Kino mit dem Mut verlassen, einfach ihrem Herzen zu folgen - so hippieesque sich das auch anhört. Weil es egal ist, was man liebt.

Das Schöne an dem Film ist, dass auch für Leute etwas dabei ist, die sich sonst gerne "Mädchen Mädchen!" oder "Harte Jungs" ansehen. Vielleicht werden sie unmerklich von einem Thema "gecatched", über das sie eigentlich gar nicht nachdenken wollten. Ich hoffe, das funktioniert.

Plötzlich sieht Tobi seinem Kumpel mit anderen Augen (Foto: X Verleih) Großansicht

Plötzlich sieht Tobi seinem Kumpel mit anderen Augen (Foto: X Verleih)

» Worin besteht der Unterschied zwischen "Sommersturm" und anderen Filmen über Homosexualität?

STADLOBER: Die Story anders ist als bei einem normalen Coming-Out-Film, der in der Schwulen-Ecke landet und den sich jemand, der mit dem Thema nichts zu tun hat, nicht ansehen würde.

Wir haben Witze drin, die ein Mainstream-Publikum amüsieren können, zum Beispiel die Sachsenmädels und Ferdels eingeklemmte Vorhaut. Es ist ein Film, der auf ein breites Publikum zielt. In Verbindung mit dem Thema Homosexualität gab es das so vorher noch nicht.

Robert Stadlober als wilder Internatsschüler Benjamin in "Crazy" (Foto: X Verleih) Großansicht

Robert Stadlober als wilder Internatsschüler Benjamin in "Crazy" (Foto: X Verleih)

» Robert, wie ist für dich die Zeit, seitdem du berühmt bist?

STADLOBER: Die Zeit nach "Crazy" war hart. Es war aufregend und lustig, aber auch wirklich anstrengend und nervig. Auf einmal kam dieser Hype, und alle fanden mich toll. Ein Jahr später war wieder alles anders. Das war nicht einfach zu handeln.

Mein Presseagent hat mich aus dieser Nummer rausgezogen. Er hat mir unter die Arme gegriffen und mir gesagt, wie ich mich der Presse gegenüber verhalten soll. Mittlerweile weiß ich selber, was gut und was schlecht ist, aber mit 16 war ich da noch ein bisschen blauäugig. Auf beiden Augen.

Achim auf der Suche nach Tobi (Foto: X Verleih) Großansicht

Achim auf der Suche nach Tobi (Foto: X Verleih)

» Kostja, wie hat du dich gefühlt, als du für den Förderpreis Deutscher Film nominiert wurdest?

ULLMANN: Ich konnte es nicht glauben, es war für mich schon so unglaublich überhaupt bei "Sommersturm" mitzumachen. Es war mein erster Kinofilm. Mit Marco zu drehen war einfach super - neben Robert. Ich glaube, einen besseren Einstig konnte ich gar nicht bekommen.

Und dann auch noch zu erfahren, dass ich nominiert bin. Ich erwarte auch gar nicht viel. Allein nominiert zu sein, ist schon super.

Tobi und Leo von dem Queerschlägern kommen sich näher (Foto: X Verleih) Großansicht

Tobi und Leo von dem Queerschlägern kommen sich näher (Foto: X Verleih)

» Was sind eure nächsten Ziele?

STADLOBER: Ich würde natürlich gerne international arbeiten, nicht nur in Deutschland. Leider kann man das alles nicht planen. Im Prinzip will ich einfach gute Filme machen und hoffe, dass ich davon leben kann. Sonst stehe ich nämlich da. Ich hab keinen Schulabschluss, ich bin ein ganz armes Würstchen.

ULLMANN: Ich hoffe, dass ich weiterhin tolle, anspruchsvolle Filme machen kann. Schön wäre es auch, noch mal mit Marco zu drehen. Das war einfach super. Es soll einfach weiterhin so gut laufen. Im Moment kann ich mich nicht beschweren. Ich bin ja auch noch jung.

Ein heißer Sommer, und alles ist anders (Foto: X Verleih) Großansicht

Ein heißer Sommer, und alles ist anders (Foto: X Verleih)

» Wie hat sich die Zeltlagerstimmung am Set auf das Zusammenleben abends nach den Dreharbeiten ausgewirkt?

STADLOBER: Da sind wilde Geschichten passiert. Wir haben alle zusammen in einem Hotel gewohnt, in dem außer uns keine Gäste waren.

Gerade die Leute, die tageweise frei hatten, haben's gut krachen lassen. Marlon (Kittel, Anm. d. Red.) hat mit der Kegelkugel ein großes Loch in die Decke gemacht. Durch das Loch hat es dann reingeregnet.

Fazit: Auch wenn das Coming-Out schwerfällt, es macht frei! (Foto: X Verleih) Großansicht

Fazit: Auch wenn das Coming-Out schwerfällt, es macht frei! (Foto: X Verleih)

» Bei den Dreharbeiten hängt man wochenlang ganz eng zusammen und trennt sich dann wieder. Wie war das für euch?

STADLOBER: Es ist schon eine seltsame Gruppendynamik, die sich bei einem Filmteam entwickelt. Man hat zwei Monate lang fast 24 Stunden am Tag miteinander zu tun. Man sagt sich Sachen, die man nur seinem besten Freund sagen würde. Wenn man sich so intensiv mit Leuten anfreundet, ist es seltsam, sie wieder zu verlassen.

Aber es bleiben zum Glück immer noch ein paar übrig. Es ist nicht so, dass man geht und sich nie wieder sieht. Mit Marco ist es einfach Freundschaft. Wir Schauspieler untereinander haben noch viel miteinander zu tun. Ich bin dankbar, dass Hanno Koffler dabei war. Er ist ein toller Typ.

Aber man ist trotzdem traurig, wenn man das Team verlassen muss. Für mich war es nicht so schlimm, weil ich mich kurz vorher frisch verliebt hatte und ganz froh war, dass ich zu meiner Freundin zurück konnte.

ULLMANN: Ich war schon traurig. Wenn man nicht gleich wieder dreht, sondern ein, zwei Monate Pause hat, ist man einsam. Es war ein tiefes schwarzes Loch, in das ich gefallen bin.

STADLOBER: Ja, das stimmt. Man fällt in ein Loch. Harald Juhnke sagte auch immer, dass man danach wirklich im Eimer ist. Man hat die ganze Zeit Leute um sich herum und auf einmal sitzt man wieder allein in seinem Zimmer.

 

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