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Sprich mit ihr

Psychologisch mitreißendes Drama von Liebe und Tod, Einsamkeit und Kommunikation.


Sprich mit ihr

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Erhältlich seit:
02.06.2003

Originaltitel: Hable con ella

Drama

Spanien 2002
Laufzeit: 109 Min.
FSK: ab 16

Javier Cámara
Dario Grandinetti
Leonor Watling

Regie: Pedro Almodóvar
Universum Film

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Wenn die Liebe ins Spiel kommt, sprengt Pedro Almodóvar Grenzen: In brennender Leidenschaft ist alles erlaubt - oder?

Benigno und Marco mit "ihren" Frauen

Benigno und Marco mit "ihren" Frauen

Nach "Alles über meine Mutter" das neue Meisterwerk von Pedro Almodóvar: In diesem Grenzen überschreitenden Stück um bedingungslose Liebe setzt das Regiegenie voll auf Risiko - und gewinnt.

Zwei zufällig nebeneinander sitzende Männer in Pina Bausch's Tanz-Performance "Café Müller" treffen sich bald darauf im Krankenhaus wieder, am Bett von zwei im Koma liegenden Frauen. Der Krankenpfleger Benigno (naiv: Javier Camara) pflegt seit vier Jahren mit Hingabe die junge Tanzschülerin Alicia, der Journalist Marco (vom Leben gebeutelt: Dario Grandinetti) besucht seine Freundin Lydia, eine in der Arena schwer verletzte Stierkämpferin.

Während Benigno "seiner" Alicia alles erzählt und hofft, sie damit zu erreichen, verliert Marco die Beziehung zur Geliebten. "Sprich mit ihr" rät ihm der Leidensgefährte, doch Marco zieht sich zurück, erfährt später von Lydias Tod. Und bei einem Anruf in der Klinik, dass Benigno unter dem Verdacht steht, Alicia geschwängert zu haben.

Spaniens Erfolgsregisseur erzählt eine unter die Haut gehende Geschichte voller Geheimnisse, verknüpft das Schicksal von vier Menschen in ihrer Einsamkeit, lässt dunkle Leidenschaft ahnen und zeigt das ewige Thema Liebe in völlig neuem Licht.

Ein poetisches Melodram um Begehren und Tod, mit einem prickelnden Schuss Surrealität, in dem die Grenzen zwischen Schuld und Unschuld aufgehoben werden. Eine besondere Liebeserklärung.

Sprich mit ihr

In seinem neuen Film geht der Spanier Pedro Almodóvar so weit wie nie zuvor und doch so konsequent bis zur Surrealität wie für ihn charakteristisch hinein in den unendlichen Bereich der Gefühle. Erstmals nicht mit seiner angestammten Darstellerriege gedreht, entfaltet er mit hierzulande unbekannten, aufregenden Gesichtern ein psychologisch mitreißendes Drama von Liebe und Tod, Einsamkeit und Kommunikation. "Sprich mit ihr" ist ein Höhepunkt in Almodòvars Schaffen und fordert die Kino-Konzentration eines emotionalen wie intellektuellen Publikums und natürlich der Fangemeinde des Spaniers.

Es beginnt mit Pina Bausch und ihrem Tanztheater, der Performance "Café Müller", Musik von Henry Purcell. Unter den Zuschauern zwei Männer, die einander unbekannt, zufällig neben einander sitzen und schon bald miteinander zu tun haben werden. Pedro Almodóvar, der auch diesmal wieder sein eigenes Drehbuch schrieb, stellt hier, wie schon in "Matador" (1985) und "Das Gesetz der Begierde" (1986), Männer mehr in den Mittelpunkt, gesellt ihnen aber schon bald zwei Frauen hinzu. Die Beziehungen und Wege dieses besonders konzipierten und komponierten Quartetts lässt er auf komplexe, letztlich aber einfache Art, sich kreuzen und miteinander verbinden. Es sind vier unterschiedlich einsame Menschen, die sich begegnen. "Einsamkeit, vermutlich" wäre auch ein möglicher Titel für diesen Film gewesen, sagt Almodóvar. "Sprich mit ihr" ist bereits ein Schritt weiter im Umgang mit der Einsamkeit, der optimistische, emotionale Versuch einer Gemeinsamkeit. Der Ort dieses Zusammenkommens ist ausgerechnet ein Krankenhaus, eine Privatklinik, in der Benigno als Pfleger arbeitet. Er ist einer der beiden Zuschauer des Pina-Bausch-Spektakels vom Anfang des Films und kümmert sich um eine junge Ballett-Schülerin, die im Koma liegt. Der etwa 40-jährige Schriftsteller Marco ist der andere der beiden Theaterbesucher und besucht in der Klinik seine ebenfalls im Koma liegende Freundin Lydia, eine in der Corrida verletzte Stierkämpferin. Der junge Benigno ist es, der Marco wieder erkennt und anspricht. Und schon bald entwickelt sich aus den nun regelmäßigen Begegnungen an den Krankenbetten eine wunderbare Freundschaft der beiden Männer. Das Sprechen miteinander öffnet den Film für die Erzählungen jeder Einzelnen dieser vier Protagonisten. Almodóvar lässt die Handlung in viele Richtungen fließen, Rückblenden in die Vergangenheit, Weiterführung in der Gegenwart bis hinein in die Zukunft. "Sprich mit ihr" ist ein Film über das Erzählen und das Zuhören, über Worte, die Gefühle spürbar machen, und Gefühle, für die es keine Worte gibt. Erzählen - für die, die zuhören können, aber auch vor allem für diejenigen, die nicht hören können. Diese surreale Komponente ist besonders faszinierend, weil sie Raum gibt für Geheimnisse, für Gedanken und Emotionen der Kinozuschauer. Mit angeregt zu der Story seines Films haben den Spanier authentische Fälle vom Koma-Patientinnen, die auf mysteriöse und medizinisch ungeklärte Weise wieder zu leben begannen, eine von ihnen wurde schwanger und gebar das Kind, ohne aufzuwachen. Wie Almodóvar sogar dieses Element in seine Handlung aufnimmt, ist nicht nur von stilsicherer Sensibilität, sondern von mindestens ebensolcher emotionaler Intensität und Psycho-Spannung. Dieser zärtliche und wahnsinnige Film ist nach dem mit einem Oscar und den höchsten internationalen Preisen ausgezeichneten "Alles über meine Mutter" (1999) das neue Meisterstück eines wilden, melodramatischen, luziden Filmemachers, bei dem sogar Geraldine Chaplin in einer prägnanten Nebenrolle großartig ist. fh.

Darsteller:  Javier Cámara   als Benigno
  Dario Grandinetti   als Marco
  Leonor Watling   als Alicia
  Rosario Flores   als Lydia
  Geraldine Chaplin   als Katerina Bilova
  Caetano Veloso   als Caetano Veloso
  Pina Bausch   als Pina Bausch
  Mariola Fuentes   als Rosa
  Paz Vega   als Amparo
  Fele Martinez   als Alfredo
  Adolfo Fernández   als El Niño de Valencia
  José Sancho   als Agent von El Niño
  Helio Pedregal   als Alicias Vater
  Chus Lampreave   als Türsteherin
  Loles León   als TV-Moderatorin
  Roberto Alvarez   als Arzt
  Elena Anaya   als Angela
  Ana Fernández   als Lydias Schwester
  Carlos Gracia   als Lydias Schwager
  Lola Dueñas  
 
Regie:  Pedro Almodóvar  
Buch:  Pedro Almodóvar  
Musik:  Alberto Iglesias  
Kamera:  Javier Aguirresarobe  

Almodovars späte Genugtuung

In seiner Heimat Spanien wird Pedro Almodóvar nicht immer so anerkannt, wie er das eigentlich verdient hätte. Ein Grund mehr für den Filmemacher, sich über seine beiden Oscar-Nominierungen diebisch zu freuen.

Doppeltes Oscar-Glück: Pedro Almodóvar

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Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande - ein altes Sprichwort, von dem Pedro Almodóvar ein mehrstrophiges Lied singen kann. Zwar genießt der 51-Jährige im Ausland den Ruf, ein herausragender Regisseur zu sein, die spanischen Landsleute haben ihm und seinen Projekten allerdings schon des öfteren die kalte Schulter gezeigt. Beispiel gefällig? Als es darum ging, den spanischen Beitrag zu wählen, der ins diesjährige Oscar-Rennen geschickt wird, übersah man Almodóvar und wählte stattdessen Fernando Leon, der mit "Mondays In The Sun" auch schon alle wichtigen nationalen Fimpreise abgeräumt hatte. Ein peinlicher Fauxpaus: Kandidat Leon ging in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film leer aus, Almodóvars Meisterwerk "Sprich mit Ihr - Hable Con Ella" allerdings wurde in den Kategorien Bester Regisseur und Bestes Originaldrehbuch nominiert. Vor lauter Freude lud Almodóvar am Mittwoch zu einer spontanen Pressekonferenz - und ließ es sich freilich nicht nehmen, ein, zwei Giftpfeile in Richtung Heimat abzufeuern. "Das Komitee hat einen Fehler gemacht - auch wenn es ein demokratischer Fehler war", stichelte er und ließ seiner Schadenfreude freien Lauf: "Ob ich meine zwei Nominierungen gegen eine in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film eintauschen würde? Nie im Leben. Ich würde sie höchstens gegen drei Nominierungen eintauschen!"

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