
Die Welt braucht einen seriösen Journalismus, fordert Regisseur Kevin Macdonald in seinem stark besetzten Politthriller.
Bevor Martin Campbell Ende 2009 mit "Edge of Darkness" eine weitere Adaption einer BBC-Serie in die Kinos bringt, darf Ex-Dokumentarist Macdonald ("Der letzte König von Schottland") das Terrain sondieren. Drei Autoren dampften die sechsteilige Miniserie auf einen Zweistünder ein, für die ursprünglich besetzten Brad Pitt und Edward Norton übernahmen Russell Crowe und Ben Affleck deren Rollen. Und zumindest Crowe, im verschlampten Kilo-verstärkten Kneipenlook, lässt den Vorgänger mit Präsenz und Charme vergessen.
Als Cal McCaffrey, Reporterveteran des Washington Globe, untersucht er einen Mord mit möglichem Drogenhintergrund. Noch am selben Tag stürzt eine junge Frau vor die U-Bahn, die nicht nur Assistentin, sondern auch Geliebte seines Freunds, des Kongressabgeordneten Collins (Ben Affleck), gewesen sein soll. Eine pikante Situation, denn Collins ist verheiratet - und seine Frau eine Ex-Affäre McCaffreys. Als die Chefredakteurin des Globe (gewohnt dominant: Helen Mirren) eine junge Onlinekollegin (Rachel McAdams) auf den vermeintlichen U-Bahn-Selbstmord ansetzt, entwickelt sich aus der Kollision zwischen alter und neuer Schule, seriösem und vermutetem Blah-Blah-Journalismus, eine Partnerschaft und ein gemeinsamer Fall. Die Ermittlungsfäden laufen zusammen, weisen auf die von Collins geleitete Kongressanhörung eines umstrittenen Sicherheitsdienstes hin, der seine Interessen mit allen Mitteln verteidigt.
Viele Eckdaten der Serie hat die Verfilmung übernommen, die privaten Verstrickungen reduziert oder komprimiert und die mächtige Ölfirma der Serie zu einem militärischen Dienstleister im Stil von Blackwater gemacht, dessen Gründer Erik Prince 2007 tatsächlich vor einem Ausschuss aussagen musste. Dieser neue Repräsentant des Bösen ist zeitgemäß, wirft Fragen nach Gewinnmaximierung und Moral auf, die auch Crowe und Mirren diskutieren. Macdonald überhitzt die Bedrohung durch diesen Antagonisten jedoch nie, macht mehr Druck in Redaktionsabläufen als in actionreichen Spannungssequenzen. Für etwas Unruhe sorgt ein Killer, am auffälligsten in einer Tiefgaragensequenz, die an "Die Unbestechlichen" erinnert. Für die in diesem Klassiker verteidigten Werte, politische Aufrichtigkeit, wahrheits- und menschenorientierter Journalismus, kämpft auch "State of Play". Nicht ganz so intensiv und schweißtreibend, aber mit guten Darstellern und unbestreitbarem Unterhaltungswert. kob.