
Charmantes Zeitreise-Kinder-Abenteuer aus deutschen Landen, das die Gratwanderung zwischen leichtem Entertainment und niveauvoller Erzählung wunderbar meistert.
Wenn man heutzutage einen deutschen Kinderfilm, der nicht auf einer eingeführten Marke wie "Wilde Kerle", "Bibi Blocksberg" oder "Felix" basiert, realisiert, dann gehört schon eine Menge Mut dazu. Wenn man es dann auch noch schafft, die richtige Balance zwischen niveauvoller Unterhaltung und aufregendem Abenteuer zu finden, dann darf man dies schon als kleinen Glücksfall bezeichnen. Genau dies ist "Stella und der Stern des Orients" gelungen, einer Koproduktion der Kinderfilm GmbH, die schon den hervorragenden "Blöde Mütze!" verantwortete, Studio Babelsberg Motion Pictures GmbH und dem ZDF. Denn zum einen hat "Stella" alles, was ein ordentlicher Actionfilm braucht - von der Verfolgungsjagd auf einer Eisenbahn-Draisine über die Flucht über eine wackelige Hängebrücke bis hin zu einem halsbrecherischen Trip in einem vorsintflutlichen Fluggerät. Zum anderen wird hier auf spielerische Weise so ganz nebenbei Geschichtswissen vermittelt, begibt sich doch Titelfigur Stella auf eine Zeitreise, die sie von 2005 ins Jahr 1905 zurückversetzt. Dort trifft das abenteuerlustige Mädchen auf seine damals etwa gleichaltrige Uroma Clementine sowie deren Bruder Gustav. Gemeinsam müssen die drei einen Schatz finden, um zu verhindern, dass die Villa der Familie, die in finanziellen Schwierigkeiten steckt, veräußert werden muss. Dabei hat es das Trio nicht nur mit zwei Ganoven zu tun, die ebenfalls auf den Stern des Orients, einen wertvollen Edelstein, scharf sind, es beginnt auch ein Wettlauf mit der Zeit, da Stella ihre Mission bis Mitternacht erfüllt haben muss.
Das Drehbuch des tschechischen Autors Martin Doljes strotzt nur so vor Anspielungen und originellen Einfällen. Besonders schön werden die kulturellen Unterschiede der Epochen herausgearbeitet, ob Mode (Moonboots/Schnürstiefeletten), Frauenbild (antiquiert/emanzipiert) oder auch das Spiel mit der Sprache. So muss Stella etwa erkennen, dass ihrer Uroma mit dem Wort "cool" herzlich wenig anfangen kann. Dass die Protagonistin "Narnia"-mäßig aus dem Kleiderschrank in die alte Zeit hüpft, die beiden Bösewichte ihren tollpatschigen "Kevin - Allein zu Haus"-Kollegen alle Ehre machen und die klugen und erfinderischen Kids wie eine Kreuzung aus den drei Musketieren und James Bond daherkommen, macht diese charmante Reise in die Vergangenheit nur noch kurzweiliger. Ein gut gewählter Cast aus alten Hasen (Axel Prahl als böser Dieb und Gabriela Maria Schmeide als liebe Mama) und tollen Kinderdarstellern um "Stella" Laura Berschuck rundet das rundum jugendfreie, mit 83 Minuten auch sehr kompakte Filmvergnügen ab. lasso.