
Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau fällt ein Manager aus seiner geordneten Welt und leistet stille Trauerarbeit.
Das Leben, der Tod und die Hoffnung. Antonello Luigi Grimaldi bringt diese drei existenziellen Dinge nach dem gleichnamigen Bestseller von Sandro Veronesi zusammen. Und ein bisschen ist es auch ein Nanni-Moretti-Film, denn der schrieb am Drehbuch mit und spielt die Hauptrolle.
Pietro Paladino ist viel beschäftigter Manager eines Medienunternehmens. Während er couragiert eine Ertrinkende aus den Wellen rettet, stirbt seine Gattin aus heiterem Himmel im Garten. Ein Schock, den er verarbeiten muss. Erst einmal konzentriert er sich auf seine kleine Tochter, bringt sie zur Schule und wartet ganz einfach bis Schulschluss vor dem Gebäude auf sie. Der Beruf interessiert ihn nicht mehr, er nimmt seine tägliche Auszeit vor der Schule. Nach und nach wird er zur Hilfsstation für andere, sei es für die schwangere in den falschen Mann verliebte Schwägerin, den Bruder in der Krise, Freunde oder Kollegen, die bei der drohenden Fusion Angst vor Jobverlust plagt, sogar der neue Chef sucht das Gespräch im Auto mit ihm. Seine Ratschläge sind gefragt, obgleich er selbst Rat bräuchte. Bald kennt er die täglichen Spaziergänger, tauscht mit Wildfremden ein Lächeln aus, seine Blicke kreuzen sich immer öfter mit einer jungen Frau, die ihren Hund ausführt. Fast ständig ruht die Kamera auf Nanni Moretti, der mit gewohnter Nonchalance und leiser Ironie diese schauspielerische Hürde nimmt. Seine Grundfesten und Überzeugungen geraten sukzessive ins Wanken, seine Reflexion und sein Trauerprozess eröffnen letztendlich ungeahnte Möglichkeiten. Aber es ist die Tochter, die ihn aus dem "Stillen Chaos" erlöst und wieder ins Leben schickt, dem sie beide gestärkt und mit neuer Kraft begegnen.
Die Szenen wechseln zwischen Trauer und Komik, es dauert lange, bis sich Melancholiker Moretti dem Schmerz stellt und ihn akzeptiert, erst dann kann der Witwer seine alte Haut abstreifen und den erstickenden Kokon aus fest gezurrten und oft falschen Erwartungen verlassen. Er öffnet sich dem Unvorhergesehenen, lässt Verletzbarkeit und lang verschüttete Gefühle zu. mk.