VHS Leihvideo

Storytelling

Feine und gemeine Indie-Komödie von Todd Solondz über die Qualen der Adoleszenz von durchschnittlichen weißen amerikanischen Vorstadt-Kids.


Storytelling

Leihvideo

Erhältlich seit:
13.01.2004

Drama

USA 2001
Laufzeit: 84 Min.
FSK: ab 16

Selma Blair
Leo Fitzpatrick
Aleksa Palladino

Regie: Todd Solondz
Universum Film

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Storytelling

Zwei Geschichten aus dem Leben amerikanischer Vorstadt-Kids: Weil eine Schülerin eines Schreibkurses nicht als rassistisch gelten will, folgt sie der Aufforderung ihres schwarzen Lehrers zum Sex. Als sie das schriftlich festgehaltene Erlebnis vor der Klasse vorliest, erntet sie scharfzüngige Kritik. Der bisher im Leben gescheiterte Toby Oxman will mit einer Doku über Teenager den Durchbruch als Regisseur schaffen. Und folgt mit der Kamera einem apathischen Schüler und dessen spießbürgerlicher Familie.

Der neue Film von Independent-Regisseur Todd Solondz ("Happiness") wurde vor zwei Jahren in Cannes bejubelt und feierte in Deutschland ohne Kinoauswertung seine Video-Premiere in immerhin unzensierter Fassung (in den USA nur mit strategisch platzierten Balken zu sehen): Als gnadenlos boshafter und unglaublich lustiger satirischer Leckerbissen für Fans bissiger US-Indieware, in dem eine ungewohnt blonde Selma Blair ("Super süß und super sexy") und Paul Giamatti ("Verhandlungssache") in den Hauptrollen unter anderem von Franka Potente unterstützt werden.

Storytelling

Dem diskreten Charme der Bourgeoisie, den Todd Solondz schon in "Happiness" durchs Brennglas seines bösen Humors zu unangenehmen Großaufnahmen verzerrte, schreibt er mit seinem neuen Film zwei weitere Geschichten ein. Das Terrain ist vertraut - Schule, Uni und Elternhaus als Brutstätten gedankenloser Grausamkeiten -, doch haben sich Solondz' Figuren mehr und mehr zu unsympathischen Karikaturen ihrer selbst entwickelt und ihre menschliche Dreidimensionalität weitgehend aufgegeben. Selbstverständlich sind seine beiden satirischen Stories "Fiction" und "Nonfiction" komisch, sehr sogar, doch die Art, wie er etwa die amerikanische political correctness ab absurdum führt, hinterlässt bei aller Cleverness doch einen galligen Nachgeschmack.

Es mag unfair sein, einem Regisseur, der in allen seinen Filmen seine offensichtlich traumatischen Kindheits-, Pubertäts- und Jugenderlebnisse aufarbeitet, vorzuwerfen, er nutze das Kino als seine persönliche Psychiatercouch. Doch angesichts der traurigen Gestalten, die Solondz da ein ums andere Mal als hässliche Außenseiter entstehen lässt, mag man ihm zurufen: "Was soll's, wenn Du in der Highschool ungerecht behandelt worden bist? Lern damit umzugehen!" Weil Solondz aber auch ein außerordentlich gescheiter Filmemacher ist, hat er diesen Ausruf vorhergesehen und einer seiner Filmfiguren in den Mund gelegt - eine Taktik, die er besonders im ersten Segment des (ursprünglich in drei Teilen geplanten) Films anwendet, der 25-minütigen Episode "Fiction". Darin geht die Schülerin eines Schreibkurses mit ihrem ebenso brillanten wie sadistischen schwarzen Lehrer nach Hause, obwohl dessen Absichten eindeutig sind. Als sie in seiner Toilette pornografische Fotos von ihren (weißen) Mitschülerinnen sieht, beschwört sie sich, statt sofort Reißaus zu nehmen, selbst: "Sei nicht rassistisch!" Der Abend endet noch schlimmer, als er begann, und als das Mädchen anderntags ihr in Aufsatzform festgehaltenes Erlebnis vor der Klasse vorliest, wird sie ausgerechnet von ihren Mitschülerinnen prompt der Stereotypie und weißer Schuldgefühle geziehen. So pointiert diese Sequenz ist und so geschickt Solondz dem Zuschauer die Mechanik der eigenen Kritik vorführt, bleiben die Bilder unter dem Strich, was sie sind: Ein bedrohlicher schwarzer Lehrer zwingt seine weiße Schülerin zum Sex und erklärt anschließend, damit ihre Kreativität gefördert zu haben. Die zweite, etwa einstündige Geschichte "Nonfiction" handelt von einem Möchtegern-Regisseur, der mit einem Dokumentarfilm über die Befindlichkeiten des amerikanischen Teenagers den kommerziellen Durchbruch und Erlösung von der eigenen Schulvergangenheit sucht. Also richtet er die Kamera auf den apathischen Kiffer Scooby und seine Familie. Während es zunächst so scheint, als bestätigten sich hier alle Klischees der bürgerlichen Vorortidylle - Sprachlosigkeit und seelische Leere hinter blitzsauberer Fassade -, wird aus Scooby doch allmählich die spannendste Figur des Films. Längst nicht so doof, wie er scheint (und wie er letztlich von dem Dokumentarfilmer präsentiert wird), formuliert der Junge so etwas wie einen zynischen Fatalismus, sich mit der repressiven Umwelt zu arrangieren und die eigenen Talente sorgsam verborgen zu halten, bis man eigene Entscheidungen fällen kann. Völlig eindimensional bleiben hingegen das patriarchalische Vatermonster und die fürsorglich-entrüstete Mutter, deren Ende Solondz ebenso hasserfüllt wie erzählerisch ausgeklügelt herbeiführt. Unterschwellig ist diese Wut auf alle Menschen, die er in "Storytelling", egal ob Ausbeuter und Ausgebeutete, als gleichermaßen erbärmlich vorführt, stets präsent. Doch Wut und Hass sind keine Erzähler, denen man im Kino besonders gerne zuhört. evo.

Darsteller:  Selma Blair   als Vi
  Leo Fitzpatrick   als Marcus
  Aleksa Palladino   als Catherine
  Robert Wisdom   als Mr. Gary Scott
  Noah Fleiss   als Brady Livingston
  Paul Giamatti   als Toby Oxman
  John Goodman   als Marty Livingston
  Julie Hagerty   als Fern Livingston
  Lupe Ontiveros   als Consuelo
  Jonathan Osser   als Mikey Livingston
  Franka Potente   als Editor
  Mike Schank   als Mike
  Mark Webber   als Scooby Livingston
 
Regie:  Todd Solondz  
Buch:  Todd Solondz  
Musik:  Belle & Sebastian  
  Nathan Larson  
Kamera:  Frederick Elmes  
Produzent:  Ted Hope  
  Christine Vachon  
 

Fassungen

 

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Features

 

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Selma Blair

Sie ist Rivalin, Hassobjekt und Nemesis für die Blondinen Hollywoods, speziell für Reese Witherspoon, der sie - im Film - gleich zwei Mal in den...

 

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Paul Giamatti

Mit verkorkst verrunzelten Charakteren wie Hausmeistern, Alkoholikern, dicklichen Intellektuellen, Vertretern, Weinkennern, Trainern,...