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Sturm

Hans-Christian Schmids packender Politthriller über eine junge Anklägerin, die einem jugoslawischen Völkermörder in Den Haag den Prozess machen will.


Sturm

Leihvideo

Erhältlich seit:
30.04.2010

Drama

Deutschland/Dänemark/Niederlande 2009
Laufzeit: 99 Min.
FSK: ab 12

Kerry Fox
Anamaria Marinca
Stephen Dillane

Regie: Hans-Christian Schmid
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Sturm

Dem Kriegsverbrecher Duric soll der Prozess gemacht werden. Schnell erkennt Anklägerin Hannah Maynard, dass ihre Aufgabe einer Sisyphosarbeit gleicht. In Bosnien macht sich Hannah selbst auf Indiziensuche und stößt auf die Schwester eines ermordeten Zeugen, die sich aus Angst, ihr mühevoll aufgebautes neues Leben in Deutschland aufs Spiel zu setzen, zunächst in Schweigen hüllt, schließlich aber doch zur Aussage bereit erklärt. In Den Haag sprechen sich jedoch nur Durics Anwälte gegen die neue Zeugin aus, sondern auch der Richter.

Nach seinem Berlinale-Triumph "Requiem" arbeitet Hans-Christian Schmid erneut mit dem Drehbuchautor Bernd Lange zusammen, diesmal an einem Politthriller, der sich mit der für Schmid bekannten Genauigkeit und einem betonten Bemühen um Authentizität mit den Kriegsverbrechertribunalen in Den Haag befasst. Es ist ein im Vergleich zu Hollywoods Beiträgen zum Thema nüchterner und zwangsweise bitterer Film, in dem Kerry Fox in der Hauptrolle als aufrechte Anklägerin mit einem Sumpf von Korruption konfrontiert wird.

Sturm

Mit beinahe journalistischer Distanz setzt sich Hans-Christian Schmids trotz aller Besonnenheit flammend heißer Thriller mit den Untiefen bei der Verfolgung von Kriegsverbrechern in Den Haag auseinander.

Ein tagespolitisch aktuelles Thema mit hohem Entrüstungspotenzial, dramatisch zugespitzt mit den Genremitteln des Thrillers. Aufrechte, auf sich allein gestellte Kämpfer um Gerechtigkeit in einer ungerechten Welt, die ihre Waffen vor einem übermächtigen, weil gesichts- und gewissenlosen Gegner strecken und sich mit einem Etappensieg zufrieden geben müssen, während man den Krieg verloren gibt. Die Parallelen zwischen Tom Tykwers "The International" und dem fünften Spielfilm von Hans Christian Schmid sind so überdeutlich, dass gerade hier die Unterschiede zwischen den beiden führenden deutschen Regisseuren ihrer Generation besonders auffallen.

Während Tykwer seinen Blick auf die Realität mit den Mitteln des Genrekinos schärft, vertraut Schmid auf seine angeborene Neugier als gelernter Dokumentarfilmer: Zwar lässt er in "Sturm", seinem ersten (weitgehend) englischsprachigen Film, keinen Zweifel, für welche Seite sein Herz schlägt, aber er lässt sich von seiner persönlichen Empörung nie den Blick verstellen. Mehr denn je fällt in dieser Geschichte einer engagierten Staatsanwältin vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag, die den serbischen General Duric als Verantwortlichen für ethnische Säuberungen überführen will und aus allen Richtungen Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, das Bemühen um Objektivität auf, mit dem der Regisseur seinen Figuren und dem Geschehen begegnet. Es geht Schmid um Verstehen, um das Enthüllen der Mechanik von Vorgängen. Dabei gelingen ihm en passant und doch ganz zwingend beeindruckende Bilder, die diesem Krimi ihren ganz eigenen Stempel aufdrücken - und "Sturm" zwar in die Nähe eines richtig guten Costa-Gavras rücken, aber doch nie dem Verdacht des Gutmenschentums aussetzt. Leicht macht es sich der Film und seinen Figuren nicht: Staatsanwältin Hannah Maynard wird im Verlauf ihrer Arbeit von ihren Zeugen im Stich gelassen, von ihrem Vorgesetzten enttäuscht, von ihrem Geliebten betrogen, vom Gerichtshof unter Druck gesetzt, von ihren Gegnern bedroht. Bis ihr als einzige Verbündete eine junge Frau aus der Republika Srpska bleibt, die von Soldaten Durics vergewaltigt wurde und nun ihr neues Leben in Deutschland und ihre Familie aufs Spiel setzt, um doch noch gegen ihren einstigen Peiniger auszusagen. Diese junge Frau - gespielt von der überragenden Anamaria Marinca aus "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage" - wiederum muss Maynard verraten, will sie nicht riskieren, dass Duric ungeschoren davonkommt.

Schmid erspart sich jegliche Melodramatik, deckt dabei aber auf, wie moderne Justiz funktioniert: Für Ergebnisse, wie unbedeutend sie auch sein mögen, werden eben auch Kollateralschäden hingenommen. Womit man wieder ganz nah bei "The International" ist, dem anderen Meisterwerk der ersten Tage auf der Berlinale. ts.

Darsteller:  Kerry Fox   als Hannah Maynard
  Anamaria Marinca   als Mira Arendt
  Stephen Dillane   als Keith Haywood
  Rolf Lassgård   als Jonas Dahlberg
  Alexander Fehling   als Patrick Färber
  Kresimir Mikic   als Alen Hajdarvic
  Steven Scharf   als Jan Arendt
  Bent Mejding   als Richter Anderson
  Jesper Christensen   als Anthony Weber
  Wine Dierickx   als Jule Svensson
  Alexis Zegerman   als Daliah Sofer
  Tarik Filipovic   als Mladen Banovic
  Drazen Kuhn   als Goran Duric
  Reinout Bussemaker   als Carl Mathijsen
  Leon Lucev   als Milorad Alic
 
Regie:  Hans-Christian Schmid  
Buch:  Bernd Lange  
  Hans-Christian Schmid  
Musik:  The Notwist  
Kamera:  Bogumil Godfrejow  
Produzent:  Britta Knöller  
  Hans-Christian Schmid  
 

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