
Die Beziehung zwischen Serienkiller und Cop ist der Stoff, aus dem unzählige psychologischen Kriminalthrillern gewoben sind. Regisseur E. Elias Merhige ("Shadow of the Vampire") versucht nun, mit seiner ästhetischen Inszenierung vor allem dem Genreklassiker "Sieben" nachzueifern. Allerdings schreibt Merhige visuellen Stil ungleich größer als dramatische Substanz. An dem resultierenden sträflichen Spannungsvakuum können auch die beiden exzellenten Darsteller Ben Kingsley ("House of Sand and Fog") und Aaron Eckhart ("Erin Brockovich") nichts ändern.
Nach dem deutlich an "Manhunter" angelehnten Drehbuch von Zak Penn ("Behind Enemy Lines") wird zunächst die Story von FBI-Agent Thomas Mackelway (Eckhart) ausgerollt. Er ist von Dallas nach Albuquerque strafversetzt worden. Mit Dauerkonsum von Aspirin hält er seine Kopfschmerzen unter Kontrolle, die, wie sich bald herausstellt, von hellsichtigen Visionen über verschiedene Mordfälle herrühren. Diese Fähigkeit teilt er mit dem ungefassten Mordverdächtigen Benjamin O'Ryan (Kingsley), der ihn mit Faxübertragungen von vermissten Personen bombardiert. Darüber hinaus lockt er ihn mit reichlich Hinweisen auf seine eigene Fährte. Wie es scheint, ist O'Ryan ein ehemaliger FBI-Agent, der in geheimen Experimenten zur Hellsichtigkeit trainiert worden ist. Nun räumt er gnadenlos mit dem Kinder mordenden Serienkiller-Pack quer durch die Vereinigten Staaten auf. Am meisten hat er es jedoch auf den "Suspect Zero" abgesehen: ein Psychopath, der wahllos ohne Muster oder Motiv (und daher nicht dingfest zu machen ist) hunderte von Opfern auf dem Gewissen hat. Seinem Geisteskollegen Mackelway hat O'Ryan dabei eine bestimmte Rolle zugedacht.
O'Ryans Visionen sind blutrot und schwarzgrau getränkte, verwaschen-verwackelte Zerrbilder, die er anschließend mit gespenstischen Skizzen zu Papier bringt. Dissonante Soundeffekte untermalen die psychologische Tortur, die er dabei empfindet. Mackelway wird von seinem "zweiten Gesicht" ebenfalls psychisch mitgenommen. Dem Zuschauer werden mit diesen wiederholten Szenen allerdings keine greifbaren Indizien, sondern immer nur die Aufschluss gebenden Wahrnehmungen der beiden vorgeführt. Noch unglücklicher ist der Umstand, dass die Mordopfer namenlose Unbekannte bleiben, in deren Schicksal das Publikum emotional null investieren kann. Was an erzählerischem Tiefgang mangelt, versucht Merhige, der eine ausgeprägte Vorliebe für Großaufnahmen hat, mit ausgefallenen Kamerawinkeln und malerischen Bildkompositionen auszugleichen. Stimmungsvoll ist auch der mit spirituell-indianischen Klängen versehene Score, doch dies hinterlässt einen letztlich ebenso so oberflächlichen Eindruck wie der Auftritt von "Matrix"-Heroine Carrie-Anne Moss, deren Figur als Mackelways Partnerin zu absoluter Nebensächlichkeit verdonnert wird. Der erhoffte Erfolg bei einem breiten Publikum wird sich für diesen verworrenen Thriller im Arthouse-Look wohl erst bei der DVD-Auswertung einstellen können. Bis dahin werden sich wohl lediglich darbende Fans des Serienkiller-Subgenres an "Suspect Zero" erfreuen. ara.