
Farbenprächtig inszenierte Dreiecksgeschichte über den Zusammenprall von Kulturen, Emotionen und Lebensträumen im geheimnisvollen Marokko.
Schon seit 15 Jahren verbindet Irene von Alberti eine filmische Liebe zu dem nordafrikanischen Land mit seiner Kultur und all seinen Widersprüchen. Sie realisierte mit Frieder Schlaich "Paul Bowles Halbmond", war bei Elfi Mikeschs "Marocain" für Kameraassistenz und Produktion verantwortlich und drehte die Doku "Maroc en vogue".
Ihr erster Spielfilm taucht ein in die widersprüchliche Welt von Tanger und der harten Kollision von Tradition und Moderne, betört mit Kamerafahrten über Dächer, Gassen und Strände. Der Mythos aus den Fünfzigerjahren ist angekratzt, die Zeit der Beatgeneration vorbei. Stattdessen tummeln sich in der Hafenstadt Touristen, die den Orient erleben wollen und keine Ahnung haben, was dort wirklich hinter der pittoresken Fassade passiert.
So hängen auch Pia und Tom (Nora von Waldstätten, Alexander Scheer) aus Berlin in Tanger herum, ein Musikerpärchen auf der Suche nach einheimischen Jajouka- und Jilala-Musikern und kreativer Inspiration. Zwischen den beiden kriselt es. Pia verlangt eine Auszeit, und da passt es, dass die hübsche Tänzerin Amira (Sabrina Ouazani) in einer Bar ihren Weg kreuzt. Während Pia ihren Partner mit der jungen Marokkanerin testen will, lässt der sich gern verführen, nicht wissend, dass Amira von einem Visum für Deutschland träumt. Als sie bei einer Razzia der Prostitution beschuldigt wird, müssen die deutschen Freunde Farbe bekennen, sich zwischen Verrat und Vertrauen entscheiden.
Der Blick auf den Maghreb zeigt eine islamische Gesellschaft im Wandel, in der Frauen offiziell noch wenig Wahlmöglichkeit haben: entweder Ehefrau oder Dienstmädchen. Prostituierte werden toleriert, müssen aber ständig mit Strafe oder Erpressung rechnen, sind ausgegrenzt und verachtet. In dieses Milieu aus Doppelmoral und Scheinheiligkeit begibt sich von Alberti, schildert eindrucksvoll weibliche Wohngemeinschaften, Freundschaft und Konkurrenz, finanzielle Misere und Sehnsucht nach dem Prinzen aus Europa, Retter aus Not und Armut. Realistisch der schmale Grat zwischen Käuflichkeit und Gefühl, Loyalität und Eigennutz. Dagegen bleiben die beiden deutschen Hauptfiguren blass und klischeehaft. Fremde in der eigenen Lebenswirklichkeit, hilflos und naiv beim Trip in ungewohnte Pseudoexotik. mk.