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Tarnation

Experimentelle Dokumentation und eindringliches Selbstporträt des Filmemachers Jonathan Caouette.


Tarnation

Kaufvideo

Erhältlich seit:
09.02.2007

Dokumentarfilm

USA 2003
FSK: ab 12

Jonathan Caouette
Renee Leblanc
David Sanin Paz

Regie: Jonathan Caouette
good!movies

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Experimentelle Dokumentation und eindringliches Selbstporträt des Filmemachers Jonathan Caouette.

Die friedlichen Momente mit der Mutter sind selten (Foto: Arsenal) Großansicht

Die friedlichen Momente mit der Mutter sind selten (Foto: Arsenal)

Als Jonathan Caouette mit elf Jahren zum ersten Mal vor einer Super-8-Kamera posiert, ist er grell geschminkt, trägt ein Kleid und imitiert seine Mutter Renee. Sie ist ein ehemaliges Kindermodel, das nach einem Sturz von einem Garagendach mit Elektroschocks behandelt, von Psychopharmaka abhängig und schließlich schizophren wurde.

Die künstlerische Brillanz des filmischen Egotrips wäre bedeutungslos, wenn "Tarnation" nicht auf emotionaler Ebene berühren würde: Für Caouette ist der Film ganz offensichtlich und auf erschütternde Weise ein Weg, das Erlebte zu verarbeiten, indem er sich selbst von außen beobachtet.

Jonathan spielt vor der eigenen Kamera gerne verschiedene Rollen (Foto: Arsenal) Großansicht

Jonathan spielt vor der eigenen Kamera gerne verschiedene Rollen (Foto: Arsenal)

Do It Yourself

Von Kritikern auf zahlreichen Festivals als Neuerfindung des Dokumentarfilms gefeiert, kommt dieses filmische Selbstporträt "Tarnation" nun auch in die deutschen Kinos. Aus persönlichen Artefakten, Home-Movies, Passfotos, Anrufbeantworter-Nachrichten, mit einem Budget von 218 Dollar am Apple-Computer zusammenmontiert, ergibt sich ein eindringliches Tagebuch.

Tarnation

Als Jonathan Caouette in den frühen 80ern im Haus seiner Großeltern in Texas mit elf Jahren zum ersten Mal vor einer Super-8-Kamera posiert, ist er grell geschminkt, trägt ein Kleid und imitiert seine Mutter Renee, ein ehemaliges Kindermodel, das nach einem Sturz von einem Garagendach mit Elektroschocks behandelt, von Psychopharmaka abhängig und schizophren wurde. Mit Anfang Dreißig montiert Jonathan Caouette mit der Software seines Apple-Computers die frühen Selbstversuche und weiteres gesammeltes Material aus seiner Kindheit und seiner eigenen mentalen Krankheitsgeschichte zu einem eindringlichen, filmischen Selbstporträt, das mit Unterstützung der Produzenten Gus Van Sant und John Cameron Mitchell ("Hedwig") auf zahlreichen Festivals ein begeistertes Publikum findet.

"Tarnation" - übersetzt "Verdammt" - ist ein Protokoll des Schmerzes: Des Schmerzes, den seine Mutter und Caouette selbst als Heranwachsender erleben, und des Schmerzes, der mit der filmischen Aufarbeitung dieser Kindheits- und Leidengeschichte einhergeht. "Tarnation" ist ein filmisches Tagebuch, unmittelbar, dringlich, zornig, poetisch und zugleich auf eine kindliche Art stur und hoffnungsvoll, zusammen geschnitten aus unzähligen persönlichen Artefakten, Home-Movies, Passfotos, Anrufbeantworter-Nachrichten, Briefen, Zeitungsausschnitten, Interviews und Texttafeln. Caouettes Umgang mit Material und Technik ist virtuos: Bilder werden wie Pop-Art-Collagen übereinander gelagert, farblich verändert, von Film- und Video-Clips ergänzt und mit Gesprächsfetzen, Popsongs, und Kommentaren der Hauptfiguren unterlegt. Die künstlerische Brillanz des filmischen Egotrips wäre bedeutungslos, wenn "Tarnation" nicht auf emotionaler Ebene berühren würde: Für Caouette ist der Film ganz offensichtlich und auf erschütternde Weise ein Weg, das Erlebte zu verarbeiten, indem er sich selbst von außen beobachtet. Die frühen Super-8-Filme zeigen, wie er sich als Kind selbst erzieht, während sich seine Mutter in wechselnden Institutionen aufhält - und wie er sich selbst erfindet. Er nimmt zu sich eine distanzierte Haltung ein, indem er nicht mit eigenen Worten kommentiert, sondern mit Texttafeln, in denen er in der dritten Person von sich spricht. Bezeichnenderweise wird später bei Caouette dieses Vorgehen als Persönlichkeitsstörung bzw. Entpersonifizierungs-Syndrom diagnostiziert. "Tarnation" protokolliert so gleichsam einen mentalen Teufelskreis, aus dem Caouette frappierenderweise seine Kreativität gewinnt. Mit "Tarnation" hat der Filmemacher damit nicht nur sich selbst neu erfunden, sondern möglicherweise ganz nebenbei auch das Genre des Dokumentarfilms. deg.

Darsteller:  Jonathan Caouette   als Jonathan
  Renee Leblanc   als Renee
  David Sanin Paz   als David
  Rosemary Davis   als Rosemary
  Adolph Davis   als Adolph
 
Regie:  Jonathan Caouette  
Buch:  Jonathan Caouette  
Kamera:  Jonathan Caouette  
Produzent:  Stephen Winter  
 

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