
Nach der Literaturvorlage von Simon Maginns Roman "Sheep" inszenierte John Fawcett den mystischen Psycho-Thriller mit Sean Bean und Maria Bello in den Hauptrollen. Der Film, dessen Effekte und Look bisweilen an "The Ring" und andere Erfolge des aktuellen Gruselkinos erinnern, beruft sich auf einen walisischen Sagenmythos, nach dem ein Toter gegen das Opfer eines anderen Menschen ins Leben zurückgeholt werden kann.
Adèle (Maria Bello) und ihre kleine Tochter Sarah (Sophie Stuckey) besuchen nach der Trennung der Eltern den Kindsvater James (Sean Bean) in seinem Haus an der Küste von Wales. Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist schwierig - Adèle scheint mit ihrer Rolle als Mutter überfordert zu sein. Bei einem Spaziergang am Strand verschwindet Sarah - alles deutet darauf hin, dass sie ertrunken ist. Noch in derselben Nacht taucht ein gleichaltriges Mädchen auf, das offensichtlich weiß, wo sich Sarah befindet - und außerdem vor 60 Jahren als Tochter des Schäfers, dem einst James' Haus und Stall gehörten, ertrunken ist.
Nachdem er sich mit den Teenager-Thriller/Horror-Stoffen "The Boy's Club" und "Ginger Snaps" hierzulande bereits einen Namen auf dem Videomarkt gemacht hat, kommt der dritte Spielfilm des kanadischen Regisseurs John Fawcett nun auch bei uns in die Kinos. Neben den beiden Stars wird wieder einmal ein jüngerer Mensch zum Dreh- und Angelpunkt des Schreckens: Sophie Stuckey tritt als Tochter im Land der Toten in die Fußstapfen von creepy kids wie Cameron Bright oder Dakota Fanning. Mit Jugendlichen hatte Fawcett bei seinen vorangegangenen Filmen bereits gute Erfahrungen gemacht - hier nun konzentriert er sich auf den Konflikt der Älteren, insbesondere der Mutter, die von ihren elterlichen Pflichten überfordert ist. Maria Bello spielt diese mit wie immer beeindruckender Intensität, während Sean Beans Part als Vater vergleichsweise klein ausfällt. Um so mehr setzt Fawcett auf die kühle, stürmische Atmosphäre der walisischen Küstenlandschaft, die ausführliche Beschreibung des Mythos' eines Schäfers, der ein ganzes Dorf in den Selbstmord führte und versuchte, seiner Tochter das Böse mit denselben brutalen Methoden auszutreiben, die sonst nur bei Schafen angewendet werden - die hier in einer der nachhaltigsten Sequenzen des Films in den Abgrund springen. Die steilen Klippen, harscher Wind, wolkenverhangener Himmel und die raue Natur bilden den Hintergrund für die nicht unbedingt mit Überzeugungskraft glänzende Story, die sich schließlich sogar ins Reich der Toten traut. Das Finale hält noch eine angenehm überraschende Pointe parat, die einige Unglaubwürdigkeiten wieder ausgleicht. Parallelen zu "Wenn die Gondeln Trauer tragen", wie sie Produzent Paul W. S. Anderson ankündigte, sind bei "The Dark" indes nicht zu entdecken; eher erinnern die wenig plotorientierten Effekte an ein "Best of" aus "The Ring", "The Others" und "The Sixth Sense. "The Dark" funktioniert dabei jedoch ganz ähnlich Walter Salles' Remake von "Dark Water" weniger als Horror- denn als Psycho-Thriller um die Ängste und Komplexe einer Mutter. deg.