
Rob Zombie macht seinem wüsten Namen erneut alle Ehre und widmet die quasi-Fortsetzung zu "Haus der 1000 Leichen" ganz Captain Spauldings berüchtigte Familienbande, die bei ihrer Flucht vor der texanischen Polizei als Geiselschinder zu wahrer Größe aufläuft. Eine sarkastische, harte Hommage an die Grindhouse-Horrorsiebziger mit ihrer nihilistischen Metaphorik und insbesondere Wes Cravens wildes Frühwerk, "The Hills Have Eyes" und "Last House on the Left".
Im Ton weit herber als der überinszenierte Vorgänger, eine Art Best-of-Show der Horrorgeschichte, startet "The Devil's Rejects" 1978, kurz nach den Ereignissen auf der Farm der Familie Firefly, die von den Mannen des Sheriffs Wydell (William Forsythe) umstellt wird. Spaulding (Sid Haig), Otis (Bill Moseley) und Baby (Rob Zombies Gattin Sheri Moon) schießen sich den Weg frei und flüchten über die staubigen Straßen zum nächstbesten Motel, wo sie eine Musikertruppe als Geiseln nehmen. Von der verhafteten Mutter Firefly und zwei ranzigen Schlägern (darunter Danny Trejo) erfährt der nunmehr zur Verhaftung wild entschlossene Sheriff ihren Aufenthaltsort, schließt das Gesetzbuch weg und schreitet zur biblischen Rache. Der Clan hat seine Geiseln derweil beerdigt und fährt zum nächsten Versteck, dem muffigen Pornoschuppen von Zuhälter Charlie (Ken Foree), wo die Teufel in Wydell schließlich ihren Meister finden.
Rob Zombie vollzieht den amerikanischen Backwood-Sadismus als Rachethriller par excellence, geizt mit Sympathien und gönnt sich eine zwiespältige Ambivalenz, vor der das eigentlich konservative Genre längst zurückschreckt. Die maßlos überzogenen Gewaltauswüchse der vordergründig grimmigen Reise in Sub- und Antikulturen sind schwerer verdaulich geworden, aber auch augenzwinkernder und cineastischer, als der erste blutige Eindruck vermittelt. Eigenwillige Poesie, rabenschwarze Satire und fast vergessene Darsteller in sensationeller Spiellaune (v.a. Ken Foree im Duett mit Sid Haig) beschwören eine morbide, amoralische Americana. Wem Zombies wahre Sympathie gilt, zeigt das in der Apotheose der dysfunktionalen Familie gipfelnde "Bonnie & Clyde"-Finale. Man tötet, was man liebt. tk.