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The Game

Thriller über die Kontrollierbarkeit menschlicher Existenz durch Computer. Von David Fincher schockierend inszeniert.


ohne Abbildung

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Erhältlich seit:
19.10.1998

Originaltitel: The Game

Thriller

USA 1997
Laufzeit: 122 Min.
FSK: ab 12

Michael Douglas
Sean Penn
Deborah Unger

Regie: David Fincher
Universal Pictures Germany

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The Game

Der erfolgreiche Finanzmagnat Nicholas Van Orten ist ein Control Freak reinsten Wassers. Als er das 48te Lebensjahr erreicht, ein Alter, in dem sein kaum minder erfolgreicher Vater Selbstmord beging, schenkt ihm sein jüngerer Bruder Conrad ein ausgeklügeltes Rollenspiel, bei dem der Reiz unter anderem darin besteht, daß er einen Teil dieser Kontrolle verliert. Von der Herausforderung amüsiert steigt Nicholas ein, ohne zu ahnen, auf was für einen Alptraum er sich einläßt.

In den gewohnten düsteren Erd- und Metallfarben zelebriert "Sieben"-Regisseur David Fincher einen weiteren perfekt inszenierten Falltürthriller, der Zuschauer wie Protagonisten von einer Überraschung in die nächste stürzen läßt. Michael Douglas, immer dann am besten, wenn er ein Arschloch spielen darf, überzeugt in der Hauptrolle wie seit "Wall Street"-Zeiten nicht mehr und wird von Sean Penn als undurchsichtigem Bruder sowie der Saisonentdeckung Debora Kara Unger ("Crash") wirkungsvoll ergänzt.

The Game

Mit seinem kompromißlos verstörenden Deprischocker "Sieben" gelang Regisseur David Fincher ("Alien 3") ein unerwarteter kommerzieller Wurf, was mit Spannung auf seinen Folgefilm warten ließ. In kühl kalkulierender Hitchcock-Tradition fertigte er ein faszinierend pessimistisches Paranoia-Puzzle, das den priviligierten Protagonisten in Gestalt von Michael Douglas einen existenzerschütternden Yuppie-Alptraum von absoluter Hilflosigkeit durchleben läßt.

Die Drehbuchautoren John Brancato und Michael Ferris spielten bereits in dem Computerthriller "Das Netz" effektiv mit der beklemmenden Angst des Identitätsverlusts: Hier verliert die Identifikationsfigur aufgrund eines ominösen Psychospiels die Kontrolle über ihr Leben und gerät zur machtlosen Marionette, die von unsichtbaren Drahtziehern manipuliert wird. Douglas ist die Idealbesetzung für den arroganten, antisozialen Investmentbanker Nicholas Van Orten (in der Fasson seines "Wall Street"-Maklers), der wie seine Charaktere in "Eine verhängnisvolle Affäre" oder "Falling Down" bis an die Grenze seiner persönlichen Schmerzgrenze getrieben wird. Gleich zu Beginn wird mit flackernden Heimfilm-Flashbacks das zentrale Trauma etabliert: wie der Vater des etwa zwölfjährigen Nicholas vom Dach seiner palastartigen Villa in den Tod springt. Viele Jahre später hat sich Nicholas zum kalten Kontrollfreak entwickelt, für den Emotionen nutzlosen Ballast darstellen. Eine lose Beziehung verbindet den geschiedenen und kinderlosen Millionär mit seinem mißratenen Bruder Konrad (Sean Penn, in einer relativ unbedeutenden Rolle, die vor den Rewrites für Jodie Foster konzipiert war), der ihm zu seinem 48. Geburtstag einen Geschenkcoupon der "Consumer Recreation Services" überreicht. Die High-Tech-Firma entwickelt für jeden Klienten ein individuelles "Spiel", das durch seine Unvorhersehbarkeit stimulieren soll. Für den selbstgefälligen Bankier beginnt damit eine wahnwitzige Schocktherapie, die durch stetig gravierendere Über- und Angriffe in und auf sein Leben seinen durch materielle Werte konstruierten Schutzpanzer auflösen.

Mit cleverer Präzision versteht Fincher die erstickende Verzweiflung und das angstvolle Gefühl des Ausgeliefertsein des Protagonisten in seiner psychologischen Abwärtsspirale zu begleiten. Mit verstohlen-subtilen Attacken wird die scheinbare Perfektion von Nicholas angekratzt: ein ausgelaufener Kugelschreiber besuhlt sein teures Hemd, eine scheinbar ungeschickte Bedienung (Deborah Kara Unger aus "Crash" in der wichtigsten Nebenrolle) kippt ein volles Tablett über ihn aus und das klemmende Schloß seines Aktenkoffers (der Dokumente zum eiskalten Abservieren seines langjährigen Geschäftspartners Armin Mueller-Stahl enthält) irritieren den Perfektionisten derart, daß seine angestrengte Maske der stoischen Ausgeglichenheit bereits nach kürzester Zeit weggewischt ist. Doch das grausame Katz- und Mausspiel nimmt immer groteskere Formen an: Nach Genuß eines Drogencocktails erwacht er völlig abgebrannt und besudelt auf einem mexikanischen Friedhof - und sein Leben und seine Finanzen befinden sich in höchster Gefahr. Eine gewisse Absurdität, die erst gegen Ende hin aufgelöst wird, sollte man unvoreingenommen in Kauf nehmen, um den superb fotografierten Psychothriller in vollen Zügen zu genießen. Jefferson Airplanes LSD-Hymne "White Rabbit" kann durchaus als bezeichnender Themensong angesehen werden: Die Dimensionen von Realität und Illusion sind nicht immer eindeutig zu trennen. Propaganda Films feierte ihr Major-Debüt mit diesem Kinokonfekt der genüßlich bitteren Sorte mit einem Start von 14,3 Mio. Dollar als sattem Einstand. ara.

Darsteller:  Michael Douglas   als Nicholas Van Orton
  Sean Penn   als Conrad
  Deborah Unger   als Christine
  James Rebhorn   als Jim Feingold
  Peter Donat   als Samuel Sutherland
  Carroll Baker   als Ilsa
  Anna Katarina   als Elisabeth
  Armin Mueller-Stahl   als Anson Baer
  Charles Martinet   als Nicholas' Vater
  Scott Hunter McGuire   als Nicholas (als Kind)
  Florentine Mocan   als Nicholas' Mutter
  Elizabeth Dennehy   als Maria
  Caroline Barclay   als Maggie
  Stephen Cowee   als Mel
  Sara Davallon   als Rachel
  Victor Talmadge   als Maitre D'
 
Regie:  David Fincher  
Buch:  John D. Brancato  
  Michael Ferris  
  Andrew Kevin Walker  
Musik:  Howard Shore  
Kamera:  Harris Savides  
Produzent:  Steve Golin  
  Cean Chaffin  

Schockieren macht Spaß

US-Regisseur David Fincher fesselt das Kino-Publikum aktuell mit "Panic Room" - Jodie Foster gefangen in einem Hochsicherheitsraum. Was fordert den 39-jährigen Hollywood-Profi heraus, was treibt ihn an?

Feierte in Berlin Deutschland-Premiere: David Fincher Großansicht

Feierte in Berlin Deutschland-Premiere: David Fincher

» "Panic Room" weist Kamerafahrten auf, die dem Zuschauer den Atem verschlagen. Sie wollten das Publikum damit darauf vorbereiten, dass alles möglich ist und man womöglich Dinge zu sehen bekommt, die man gar nicht sehen will. Warum?

DAVID FINCHER: Naja, es handelt sich um einen Thriller, oder? Und darum geht es doch bei diesem Genre. Man zeigt gewisse Geheimnisse, die einzelne Figuren der Geschichte wissen, andere aber nicht. Man zeigt die Reaktionen der Nichtwissenden. Man muss das Publikum beim Aufbau einer Story mit einbeziehen und klar machen: Hier wird etwas Schlimmes passieren.

Damit macht man sofort klar: Wenn es hier zur Sache geht, dann wird sich der Film nicht davon abwenden, dann wird es zeigen. Das empfinde ich als die ungeschriebene Angst, die von Thrillern ausgeht.

"Sieben" hat sicherlich beim Publikum gezielt eine Reaktion ausgelöst: Wenn das, was ich bisher gesehen habe, schon so schlimm war, dann will ich gar nicht sehen, was er noch alles vor hat. Gleichzeitig ist man fasziniert und kann sich nicht mehr abwenden.

Der Albtraum: Bedrohung in fremder Umgebung

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» Ist es Ihnen möglich, Ihre Auseinandersetzung mit dem Inhalt auf die Lösung technischer Probleme zu beschränken? Spielen die Themen der Geschichte keine Rolle für Sie?

Natürlich gehe ich die Sache auch thematisch an. Wenn ich die Gesichter auswähle. Wenn man sich auf den Stil festlegt. Wenn man sich überlegt, welche Musik man hören soll oder wie man gewisse Dinge gruppiert, damit sie funktionieren.

Glauben Sie mir, ich habe lange Nächte mit Gedanken über das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verbracht. Dass sie bei der Gute-Nacht-Szene eine enge Verbundenheit verspüren, die sich erst wieder bei der Taschenlampenszene einstellt und noch einmal inmitten des brennenden, herumschwirrenden Papiers.

Wenn Mutter und Tochter Pizza essen, dann übermittle ich, dass sich die beiden einmal sehr nah waren und sich aber voneinander entfernt haben. Das Mädchen steht zwischen zwei Menschen [ihren geschiedenen Eltern], die einst eine Einheit waren. Damit muss sie fertig werden. Vieles bleibt unausgesprochen, aber ich zeige es in kleinen, scheinbar belanglosen Details. Nehmen Sie das Sid-Vicious-T-Shirt der Tochter. Auf eine konservative, beruflich erfolgreiche Frau wie Meg Altman muss es eine Wirkung haben, die unterbewusst der Beziehung mitschwingt.

Trotz Stahltüren ausgeliefert? Kristen Stewart als Sarah Altman

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» Sie könnten ja auch Filme über sonnige, beschwingte Dinge machen. Statt dessen beschäftigen Sie sich mit den Abgründen der menschlichen Seele.

Nun gut, "Alien 3" ist ein Film über Opferbereitschaft, über das Ende der Ich-Generation, das Ende der 80er Jahre. Er soll zeigen, dass es etwas größeres als das Ich, das Individuum gibt. "Sieben" ist ein Film, der über das Böse sinniert. Dass das Böse den Menschen zwangsläufig kompromittiert und deshalb gewinnen wird. In "The Game" geht es um Wiedergeburt. Das sind die größeren, bestimmenden Elemente.

Anders gesagt: "Alien 3" ist ein Monsterfilm - kein sehr guter übrigens -, "Sieben" ist ein Serienkillerthriller mit einer überraschenden Wendung am Schluss, und "The Game" ist wie eine Episode von "Twilight Zone", nur dass die Geschehnisse nicht übernatürlich, sondern erklärbar sind und man am Schluss einfach die Rechnung dafür präsentiert bekommt.

Mütterliche Heldin: Jodie Foster

Mütterliche Heldin: Jodie Foster

» Richtig. Die Frage ist doch, welche der beiden Seiten die wichtigere für Sie ist.

Sie sind gleich bedeutend. Ich interessiere mich für Dinge, denen man sich auf verschiedenen Ebenen nähern kann.

Mit einem Schauspieler oder einem Beleuchter muss ich mich aber nicht unbedingt über die Themen auseinandersetzen. Ich muss ihnen Anweisungen geben - und die sind technischer Natur: Stell sicher, dass kein Schatten auf ihr Gesicht fällt! Beeil Dich mit der Taschenlampe, weil wir dafür nicht den ganzen Tag Zeit haben!

Mein Job ist leicht definiert: Denke global, handle lokal. Natürlich muss man immer das große Bild im Blick haben, aber wenn gedreht wird, muss es im Unterbewusstsein verschwinden, denn jetzt geht es um pragmatische Entscheidungen.

Der intelligente Thriller sorgte 1999 für Furore

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» Alles muss ineinander greifen und perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Ja. Was mich so wahnsinnig macht, ist, dass es nicht vorzubestimmen ist, wie die Dinge genau zusammenpassen. Manchmal ist es reines Glücksspiel.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft ich mir bei meiner Arbeit nach einer Szene denke: Scheiße, jetzt habe ich gerade voll ins Klo gegriffen. Ich hatte so eine tolle Idee, aber das funktioniert ja überhaupt nicht. Jemand sollte mich sofort erschießen.

Fünf Jahre später lernt man dann Leute kennen, die einem erzählen, wie sehr sie den Film mochten, besonders diese Idee. Ich kann das dann gar nicht fassen: Wie können sie das richtig verstanden haben, wo ich doch sicher war, dass ich das voll in den Sand gesetzt habe. Und ihnen scheint es vollkommen einleuchtend zu sein.

Brachte '92 ersten Ruhm: "Kein sehr guter Monsterfilm"...

Brachte '92 ersten Ruhm: "Kein sehr guter Monsterfilm"...

» Nehmen Sie Ideen, deren Umsetzung Ihnen in einem Film nicht ganz gelungen ist, beim nächsten Projekt noch einmal in Angriff?

Kommt vor. "The Game" hätte das Publikum zum Beispiel unmittelbarer ansprechen müssen. Wir waren dem Zuschauer immer einen Schritt zu weit voraus waren und man verlor deshalb ab einem gewissen Punkt das Interesse. Das Publikum kann nichts damit anfangen, wenn man ihm ein intellektuelles Erlebnis vorsetzen will. Es investiert eineinhalb Stunden seiner Zeit und möchte auch etwas geboten bekommen. Ich habe den Eindruck, dass "Panic Room" in seiner Umsetzung eine unmittelbarere Version von "The Game" ist. Die Geschichte ist simpler.

Aber, Mann, diese Film verlangen einem das Letzte ab. Sie zu drehen, ist eine höllische Arbeit. Ich habe früher die Nase gerümpft über Regisseure, die ihre Filme für ein Publikum drehen.

Das hat nichts mit mangelnder Integrität zu tun, sondern mit der Absicht, dass jeder der Handlung und den Ideen des Films folgen kann. Man will niemanden verlieren. Man muss sich anstrengen, dass jeder im Kino das Gleiche zur gleichen Zeit sieht und erlebt. Das ist schwieriger als man glaubt. Ich nenne das den Aufziehspielzeug-Film.

Michael Douglas und Sean Penn in raffiniertem Verwirrspiel: "The Game"

Michael Douglas und Sean Penn in raffiniertem Verwirrspiel: "The Game"

» Fällt es Ihnen von Film zu Film schwerer, den eigenen Ansprüchen und gleichzeitig denen des Publikums gerecht zu werden?

Das ist der Sinn der Übung bei diesem Film. Natürlich muss das Publikum hier nicht so viel Vorwissen oder Aufnahmebereitschaft mitbringen wie bei "Fight Club". Da habe ich einen aussichtslosen Kampf geführt: Man kann nicht zwei Gesichter auf ein Poster packen und dann erzählen, dass es sich um ein und die selbe Figur handelt. Keine Chance. Darauf ist niemand vorbereitet. Es ist nicht möglich, diese Behauptung aufzustellen, ohne dem Zuschauer einen Schritt voraus zu sein.

» Dann wiederum gibt es die Kubrick-These: "Wenn man es denken kann, dann ist es auch filmbar."

Unbedingt. Aber: Nur weil ich etwas so filme, wie ich es denke, heißt das noch lange nicht, dass das Publikum es so verstehen wird. Sie können es sehen. Aber verstehen werden sie es vielleicht nicht.

» Ursprünglich sollte "Panic Room" ein kleines, unkompliziertes Projekt werden...

... das vor allem nicht mehr als zwei Jahre dauern sollte. Ganz sicher wollten wir ihn schon vor dem 11. September im Kino haben. Die Idee war: Acht Wochen Dreh, schnell fertig machen - kleiner, fieser Thriller. Sie sehen ja, was daraus geworden ist.

Nur keine Panik!

Nur keine Panik!

» Haben Sie sich "Panic Room" auch deshalb vorgenommen, um sich von "Fight Club" zu erholen? Nach der inhaltlichen Komplexität eine eher technische Herausforderung?

Wissen Sie, ich empfand die Einfachheit der Geschichte als eigentliche Herausforderung. "Fight Club" war als Projekt längst nicht so anstrengend und schwierig wie "Panic Room". Er war leichter zu drehen. "Fight Club" dauert so lang, wie man braucht, um "Fight Club" zu erzählen.

Klar, man kann die Szenen so knapp und prägnant schneiden, wie es geht, aber die Szenen müssen drin sein, und der Film wird zwei Stunden und 15 Minuten dauern. Punkt.

Bei "Panic Room" wussten wir, dass er nicht länger als 115 Minuten werden durfte. Da muss man mit einer ganz anderen Disziplin arbeiten. Gleichzeitig muss man das Publikum immer im Kopf haben.

Fühlt sich der Zuschauer in die Geschichte involviert oder ist man zu weit voraus? Hängt man zurück und langweilt die Leute? Versteht man die Szene, wen oder was wir gerade zeigen? Habe ich das Publikum im Griff oder stoße ich es ab?

Und dann der Ablauf der Geschichte - ein gottverdammter Albtraum! Da sind 16 Videomonitore, die jede Bewegung aus allen Richtungen aufzeichnen. Wie soll man das ausleuchten? Vieles mussten wir doppelt aufnehmen und beim zweiten Mal jede Bewegung exakt duplizieren. Irrsinnig kompliziert, zu kompliziert.

Bewundert: Kidman und Cruise in "Eyes Wide Shut"

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» Würde Sie ein Projekt interessieren, wenn es anders wäre? Wenn Sie sich damit nicht wieder weiter pushen würden?

Ich wäre froh, eine gesündere Haltung dazu zu haben. Aber da steckt doch der kleine Masochist in mir, der sagt: Hör zu, wenn Du schon den Frau-in-Gefahr-Film drehst, dann mach den kompliziertesten Frau-in-Gefahr-Film aller Zeiten.

» Die Frau in Gefahr sollte zunächst Nicole Kidman sein. Nach zweieinhalb Wochen Dreh mussten Sie sie nach einer schweren Knöchelverletzung durch Jodie Foster ersetzen. Können Sie sagen, ob "Panic Room" mit Nicole Kidman ein anderer Film geworden wäre?

Jeder Filmstar weckt eine gewisse Erwartung. An Nicole Kidman interessiert mich, dass sie alles widerlegen kann, was man über sie zu wissen glaubt. Sie ist schön und zerbrechlich - und dann sieht man einen Film wie "To Die For", da ist sie eine ruchlose, blitzgescheite, narzisstische, verrückte, aberwitzige Person.

Oder man sieht "Eyes Wide Shut". Man weiß, sie ist die Ehefrau von Tom Cruise und dann kommt die Szene, in der sie Pot raucht und Tom ihre Fantasie offenbart. Man kann sich nicht vorstellen, dass zwei Schauspieler, noch dazu ein Ehepaar im richtigen Leben, vor der Kamera die Essenz dieser Szene finden können. In "The Others" und "Moulin Rouge" war sie ebenfalls toll. Sie spielt gegen das eigene Glamour-Image an und ist dabei eine Offenbarung.

Nur zweite Wahl? Jodie Foster

Nur zweite Wahl? Jodie Foster

Jodie Foster ist schon so lange so sensationell großartig, dass man bei ihr diese Offenbarung, diese Überraschung nicht mehr erlebt. Sie ist jemand, der selbst die höchsten Erwartungen erfüllt. Sie ist in ihren Filmen nie jemand, der man selbst sein will, sondern jemand, der fast genauso ist, wie man selbst. Wenn man so sein will wie sie, dann liegt das an ihrem Verhalten. An ihrer Würde, ihrer Intelligenz, aber nicht wegen ihres Aussehens und ihrer Präsenz.

Beide sind wunderbar, haben aber auch Einfluss auf die Geschichte von "Panic Room". Bei Nicole wären andere Aspekte verstärkt worden: Sie wäre eine Meg Altman, die nie eine richtig funktionierende Beziehung zu ihrer Tochter gehabt hätte. Nicole ist feminin und zerbrechlich, und ihre Tochter fährt Skateboard, trägt Sid-T-Shirts und interessiert sich überhaupt nicht dafür, wie ein Mädchen auszusehen.

Bei Jodie ist das anders: Sie ist offensichtlich ein mütterlicherer Typ. Da kann man nicht erzählen, dass sie nie eine funktionierende Beziehung zu ihrer Tochter hatte. Aber die Scheidung kann einen Keil zwischen die beiden getrieben haben. Und das muss man beim Dreh berücksichtigen.

David Fincher

David Fincher

» Auch wenn Sie noch einmal von vorn anfangen mussten. Konnten Sie auch den Vorteil nutzen, einzelne Ansätze noch einmal zu überdenken?

Aus diesem Grund drehten wir die Szene noch einmal, in der man die drei Einbrecher kennen lernt. Wir wollten deutlicher erklären, warum sie im Haus bleiben und machten die Szene strenger, härter. Wir mussten die Gefahr bedenken, dass das Szenario "Kevin - Allein zu Haus" werden kann, eine Karikatur, ein Witz. Da muss man den Daumen draufhaben: Das Publikum muss den Eindruck gewinnen, dass die Einbrecher Jodie Foster ebenbürtig sind.

» Ursprünglich wollten Sie in kompletter Dunkelheit drehen?

Wir haben mit der Idee gespielt und einiges mit digitalen Kameras aufgezeichnet. Das war ziemlich cool. Aber: So sehr mir der Gedanke gefiel, den ich auf jeden Fall weiterverfolgen will, war uns auch bewusst, dass das einfach zu viel verlangt war. Wer will schon zwei Stunden in völliger Dunkelheit sitzen?

Ich hätte das gleiche Problem gehabt wie bei "The Game": Ich hätte die Zuschauer verloren. Und das wollte ich unbedingt vermeiden, also wurde der Film insgesamt etwas heller.

...in Denkerpose

...in Denkerpose

» Sie betonen die Wichtigkeit des Publikums. Worauf legen Sie Wert, wenn Sie ins Kino gehen?

Ich genieße es, wenn man mich täuschen kann. Ich mag es nicht, wenn ich vor meinem geistigen Auge die Mikrofongalgen knapp über dem Bildrand sehe. Ich mag es, wenn ich Handlungselemente nicht schon aus Kilometer weiter Entfernung auf mich zukommen sehe. Wenn man mich täuscht, wenn es dem Film gelingt, mich in seine Realität zu transportieren und ich die Figuren spannend finde. Ich spreche auf Filme an, wenn sie gut sind.

» Und das passiert?

Yeah. Yeah.

 

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