
"Apocalypse Now" heißt es diesmal bei M. Night Shyamalan. Mit minimalsten Mitteln erzielt er ein Maximum an (Gänsehaut-)Effekt in einem perfekten Umwelt-Alptraum.
Vor zwei Jahren ist er mit seinem Märchen "Das Mädchen aus dem Wasser" böse baden gegangen und ungefähr zur selben Zeit erschien auch noch das Buch "The Man Who Heard Voices", in dem dessen Schlammschlacht mit Disney in aller Ausführlichkeit dokumentiert wird. Dennoch ist M. Night Shyamalan, Regisseur von Hits wie "The Sixth Sense" und "Signs - Zeichen", seinem Stil und Genre, dem mysteriösen Thriller, treu geblieben. Weniger ist bei ihm eindeutig mehr, so auch bei seinem aktuellen, unter größter Geheimhaltung entstandenen Umwelt-Alptraum "The Happening", der an Alfred Hitchcocks "Die Vögel" und Don Siegels "Die Dämonischen" erinnert. Die Rolle des (Anti-)Helden hat der Filmemacher erneut - nach Bruce Willis und Mel Gibson - mit einen veritablen Action-Man besetzt, nur um diesen wieder gegen den Typ agieren zu lassen. Zaudernd, zögerlich und höchst überzeugend verkörpert Ex-"Shooter" Mark Wahlberg den Naturkundelehrer Elliot Moore, der plötzlich aus seiner Lethargie wachgerüttelt wird und um sein Leben laufen muss.
Ein simpler Windstoß durch New Yorks Central Park setzt alles in Gang. Blätter rauschen, Bäume bewegen sich leicht, Tiere reagieren nervös. Dann, nach einem Moment der Stille, des Innehaltens, beginnen die Menschen Suizid zu begehen - zu Hunderten, unbewegt, unbeteiligt. Schnitt. Eine andere US-Metropole: Philadelphia. Der Schulunterricht wird unterbrochen. Der Direktor informiert das Kollegium: Im Stadtpark ist es zum Massenselbstmord gekommen. Ursache unbekannt. Die Verantwortlichen empfehlen, die Stadt zu verlassen. Moore eilt nach Hause zur entfremdeten Frau (Zooey Deschanel). Man packt das Nötigste zusammen und hetzt zum Zug, der einen aufs Land, in vermeintliche Sicherheit bringen soll. "The Green Effect" hieß die Arbeit ursprünglich und dieser Titel verrät eher, um was es sich hier handelt: Um einen grünen Horrorfilm, einen Öko-Thriller mit einem unsichtbaren Feind als Gegner.
Ging es bei Siegels dämonischen "Körperfressern" 1956 im Subtext um den paranoiden Kommunisten-Jäger Senator McCarthy, wird hier ein noch schlimmerer Bösewicht paraphrasiert: der Mensch selbst. Er versucht, vor seinen eigenen Untaten davonzulaufen; vergeblich, wie Shyamalan mit unerbittlicher Konsequenz vor Augen führt. Elliot, sprich jeder einzelne von uns, muss sich seinen Problemen stellen, der Umwelt, der Politik, dem Partner, und sich um die Mitmenschen kümmern. Im diesem speziellen Fall die achtjährige Tochter (Ashlyn Sanchez) des Mathematikkollegen (John Leguizamo), der sich einfach eine Kugel durch den Kopf gejagt hat. Keine Tricktechniker bemüht der Regisseur und auch keine Effektezauberer, ein paar im Zeitraffer dahinziehende Wolken, ein Dutzend Leiber, die von Bäumen baumeln, der durch ein Rohr verfremdete Hall einer Stimme und der bedrohliche Score von Langzeitmitarbeiter James Newton Howard. Der Schrecken ist perfekt. Minimalismus ist angesagt, in Bild und Ton. Zuschauer und Held befinden sich stets ungefähr auf demselben Wissenstand, was jeden Schatten zur Gefahr werden lässt und natürlich alle Mitbürger. Steckt er mich an? Sie? Bin ich jetzt dran? Und da kommt schon wieder etwas Wind auf. geh.