
Skurrile Geschichte in bester Jarmusch-Manier um einen geheimnisvollen Fremden, der nach Spanien reist, um einen nicht ganz legalen Auftrag auszuführen.
Es ist nicht zu übersehen, Jim Jarmusch lässt sich vom film noir eines Jean-Pierre Melville inspirieren und von den konspirativen Figuren eines Jacques Rivette. Sein namenloser Fremder (Isaach De Bankolé) ist auf einer nicht ganz durchschaubaren Mission und schöpft seine Ruhe und Kraft aus Tai Chi. Bevor er in einem blau irisierenden Maßanzug zu einem Treffen mit seinen Auftraggebern geht, lässt er sich die Schuhe am Automaten putzen, wäscht sich akribisch die Hände, um sich dann am Flughafen in der Lounge von zwei dubiosen Herren mit Sonnenbrillen einen kleinen Koffer und einen Satz Schlüssel geben zu lassen. Hier wird erstmals die Running-Gag-Frage gestellt, ob er spanisch spricht, die sich durch den ganzen Film zieht. Der Geheimnisvolle reist nach Spanien. Was er bezweckt, bleibt im Dunkeln. Immer wieder trifft er Leute, die ihm Botschaften übermitteln, er verschluckt kleine Zettelchen mit Nummern und spült sie mit Espresso runter. Er ist ein Typ, den nichts aus der Balance bringt, außer wenn der Kellner nicht wie bestellt zwei Tassen Espresso bringt, sondern einen doppelten. Der Sinn der Aktionen erschließt sich nicht, der Weg ist das Ziel, auch wenn es am Ende zu einem Showdown mit einem Amerikaner (Bill Murray) im schwer bewachten Bunker kommt.
Jarmusch setzt auf das Intuitive und Imaginative, nicht auf das Rational-Analytische. Auf dem Trip durch Spanien begegnet er der Blonden (seiner Muse und seinem "Fetisch" Tilda Swinton) mit Cowboyhut, die über Orson Welles' "Die Lady von Shanghai" parliert, der Japanerin, die sich den Molekülen verschrieben hat, dem Mexikaner, dessen Pickup mit der Inschrift "La vida no vale nada" verziert ist oder der Spanierin, die ihn verführen will. Aber er folgt seinen Prinzipien: Keine Waffen, kein Sex, kein Mobiltelefon während der Arbeit. Zwischendurch besucht der Schweigsame mit den unbeweglichen Gesichtszügen gerne das Museum, um sich jeweils nur auf ein Bild zu konzentrieren. Es geschieht wie in einer Endlosschlaufe so gut wie nichts, er sitzt im Café, im Hotelzimmer, im Flugzeug, manchmal knattern US-Überwachungshubschrauber am Himmel, eine Aneinanderreihung wiederkehrender Dialoge und Variationen von Szenen. Christopher Doyle fängt die Farben Spaniens ein, von den Landschaften bis hin zu feinen Keramikmosaiken, als Kontrast dazu gibt es immer wieder Close-Ups auf Bankolés unbewegtes Gesicht. Gedreht wurde auf 35mm mit entsprechenden Linsen. "Limits of Control", eine irritierende Reise durch ein experimentelles Labyrinth, ist weniger gefällig und zugänglich als "Broken Flowers", streift durch philosophische Gefilde und mysteriöse Zusammenhänge, könnte auch ein großer Bluff sein. Die Quintessenz? "Reality is arbitrary". mk.