
Sarah Michelle Gellar im "Replay"-Modus: Nach "The Grudge" klebt Hollywoods Horrorgirl erneut das Böse im Nacken.
Wer als "Buffy"-Veteranin in sieben TV-Staffeln am Höllenschlund gewohnt und dort diverses Teufelszeug aus dem Weg geräumt hat, kommt von übernatürlichen Kontakten nicht los. Kaum ist Gellar dem "Grudge"-Fluch durch den Ausstieg aus der Geister-Franchise entkommen, wird sie schon wieder von Spukvisionen heimgesucht. Als Kind hatte ihre Figur Joanna auf dem Jahrmarkt eine unheimliche Begegnung mit einem Fremden, vor dem sie sich versteckte, bis ihr Vater sie entdeckte. Jahre später kehrt Joanna für ihren Job in ihre texanische Heimat zurück. Dort holt sie das Trauma ihrer Kindheit wieder ein, dem sie sich seit Jahren durch selbst zugefügte Schnitte zu entziehen versucht. Immer wieder hört sie die pseudo-vertrauliche Stimme des gesichtslosen Unbekannten und Patsy Clines Evergreen "Sweet Dreams", entdeckt sie im Spiegel das Bild einer anderen Frau, das sich aus ihren eigenen Konturen schält, sieht ein Seepferd, das als perfektes Symbol die zwei Welten repräsentiert, die ihre Figur verbindet. Schließlich gelingt es ihr, den Ort zu lokalisieren, in dem sich ihre Visionen bündeln - eine Kleinstadt mit schmutzigen Geheimnissen, die auch äußerlich vom Verfall gezeichnet ist. Hierhin ist auch der undurchschaubare Ex-Häftling Terry (Peter O'Brien) zurückgekehrt, den der Film eine Zeitlang als ominöse Bedrohung aufbaut, der aber vergleichbar traumatisiert wie Joanna und der Schlüssel zu ihren Erscheinungen ist, die sein Leben und ihres verknüpfen.
Wenig Überraschendes gibt es im Instrumentarium des Schreckens zu entdecken: Der Spiegel als Tür in eine andere Welt. Der dämonische Bad Guy, der lange nur aus der Stiefelperspektive präsent ist. Türknöpfe, die sich langsam drehen. Soundschocks, die für kurzen Adrenalinausstoß sorgen. Und der chronische Leichtsinn der Heldin, die allein durch einsame Häuser stapft, obwohl in den Hinterhöfen von Texas bekanntermaßen so mancher Kettensägenclan wohnt. Interessanter als der Rückgriff auf solche Gruselkonventionen ist der ausgeprägte visuelle Stilwillen, das Spiel mit der Unschärfe, die verfremdeten und verstörenden Bilderwelten, die das in Fragmenten zerlegte US-Debüt des britischen Regisseurs Asif Kapadia wirklich sehenswert machen. Am Ende des Puzzles setzt sich vielleicht nur eine typische Ghoststory, vielleicht aber auch die Tragödie eines Mädchens durch väterlichen Missbrauch zusammen. Auch das ist eine Qualität dieses Films, der hinter seiner transparent wirkenden Oberfläche Platz für weitere Interpretationen bietet. kob.