
Wer sich Bein-Prothesen aus Glas mit Bierfüllung vorstellen kann, bei in Tränen eingelegten Herzen nicht wegsieht, Bandwürmer als Wahrsager und als Eskimos maskierte Inderinnen reizvoll findet, der liegt bei der kanadischen Musiker-Weltmeisterschaft goldrichtig. Gegen Ende der Depressions- und Prohibitionszeit 1933 ist Broadway-Musikproduzent Chester Kent (Mark McKinney, eine Kreuzung aus Howard Hughes und Clark Gable) mit seiner Geliebten Narcissa (Maria de Medeiros) in Winnipeg gestrandet, wo Lady Helen Port-Huntly (Isabella Rossellini) ein Turnier um die "traurigste Musik der Welt" veranstaltet. An der WM der musikalischen Art nehmen u.a. Chesters Vater (David Fox) und sein Bruder Roderick, der als Gavrilo für Serbien antritt (Ross McMillan), teil.
Während das turbulente Turnier seinen Lauf nimmt und die jeweiligen Sieger ein Bierbad nehmen müssen, erfährt man in Rückblenden, dass Dad einst dafür verantwortlich war, dass Lady P. ihre Beine verlor (er sägte betrunken das falsche Bein ab) und Roderick Sohn und Frau verlor. Der zynische Chester kommentiert alles mit der Lässigkeit des Mannes, für den alles Showbusiness ist. Als Roderick herausfindet, dass Narcissa seine Frau ist, entwickelt sich während Chesters spritziger "California, Here I Come"-Nummer eine Tragödie.
Für Freunde schwarzen Humors mit Tragikrand ein Füllhorn. Die Musik-Matches von Siam gegen Mexiko, Kanada gegen Afrika, Amerika gegen Spanien oder Serbien gegen Schottland sind spaßig bis skurril. Der eigentliche Reiz ist ein cinephiler: Ähnlich wie in "Sky Captain and the World of Tomorrow" wird in Schwarzweiß (mit gelegentlich farbviragierten Szenen) im Stil alter RKO-Movies (Studio von Aviator Hughes) gefilmt, nur dass die Bilder bewusst verschwommen, ausgefranst und an den Rändern verzogen wie in Zerrspielgeln wirken, ein Kino der Tüftler wie bei Jean-Pierre "Mathilde" Jeunet. Grandios die Montage, die Doku-Aufnahmen einbezieht, Iris-Blenden nutzt, unvermeidlich mit "Citizen Kane"-Zitaten arbeitet, Musical-Nummern à la Busby Berkeley (die "Gold Diggers"-Reihe) und "Radio Days" aufleben lässt. Erfrischendes Retro-Kino mit hohem Grotesk-Faktor als Cineasten-Dusche. ger.