
Das klassische Thema von der Verführung durch Macht und Geld nutzt "Daylight"-Regisseur Rob Cohen zu einem nicht klischeefreien, märchenhaften, aber unterhaltsamen Thriller um College-Geheimbünde, die sich gegen die Enttarnung ihrer Strukturen auch mit Mord zur Wehr setzen. Dank der zuletzt auch von "Anatomie" bestätigten Attraktivität solcher Stoffe für ein jugendliches Publikum ist auch "The Skulls" ein solides Ergebnis in der Feriensaison zuzutrauen, zumal Hauptdarsteller Joshua Jackson charmant beweist, warum er im Teen-TV-Hit "Dawson's Creek" als Sympathiemagnet gilt.
In der Präsentation von Milieu und Figuren setzt Autor John Pogue ("Auf der Jagd"), der sich von seinem Studium in Harvard zu dieser Warnung vor modernen Logen inspirieren ließ, auf Vertrautes. Das Klima an seinem Elite-College ist geprägt von der Lethargie und Arroganz der Reichen wie vom Ehrgeiz und Liberalismus der weniger Privilegierten. In dieser Klassengesellschaft kämpft Luke (Joshua Jackson) um einen Platz an der Sonne, die Zulassung zu einer Top-Juristenschmiede, und sein bester Freund Will um die Entlarvung antidemokratischer Strömungen. Die geheime Verbindung "The Skulls", die sich aus der Elite der Studenten rekrutiert und Mitgliedern auf Lebenszeit Macht und Einfluss garantiert, wird anfangs verspottet, bis der smarte, ambitionierte Luke nach einem von Cohen rasant inszenierten Ruderbootrennen selbst angeworben wird und alle Bedenken über Bord wirft. Vom Eintritt in diese Verbindung an, die den künstlerisch-intellektuellen Zielen dem "Club der toten Dichter" rein materielle gegenüberstellt, fährt Cohens Thriller auf klar abgesteckten Bahnen. Beste Freunde brechen mit Luke so schnell, wie er in der neuen Umgebung zum Star wird, der von Richtern (Craig T. Nelson) und Senatoren (William Petersen) umworben wird. Statt des in Collegefilmen sonst üblichen, hier nur gestreiften romantischen Aspekts konzentriert sich dieser auf die zwischen Freundschaft und Rivalität pendelnde Beziehung zwischen Luke und Caleb (attraktiv und noch preiswert: Paul Walker), der unter dem Erwartungsdruck seines Vaters und "The Skull"- Vorstandes fast zerbricht. Die Gefahren solcher Logen durch unkalkulierbare Abhängigkeiten demonstriert der Film durch den vertuschten Tod von Lukes ehemals besten Freund, der mit erstaunlicher Naivität in den Katakomben der Skulls herumschnüffelte. Von da an schaukelt sich der Thriller zu immer unglaubwürdigeren Entwicklungen auf, in denen kuriose Rituale, geheime Videobänder, finstere Handlanger, den Boden der Vernunft verlassende Machtmenschen und undurchschaubare politische Marionettenspiele hinter den Kulissen eine Rolle spielen. Wirklich neu und überraschend ist hier wenig, aber Inszenierung und Besetzung sind insgesamt ansehnlich genug, um die Transparenz des Drehbuches aufzufangen. kob.