
Die emotionalen Höhen und Tiefen im Leben eines superb von Nicolas Cage porträtierten Wetteransagers werden in Gore Verbinskis schräger Dramedy durchleuchtet.
Für sowohl Hauptdarsteller Cage ("Das Vermächtnis der Tempelritter") als auch Regisseur Verbinski ("Fluch der Karibik"-Trilogie, "Ring") bedeutet diese im erzählerischen Ton entfernt an "American Beauty" erinnernde Charakterstudie Kontrastprogramm zu ihren gewohnten Big-Budget-Produktionen. So hat Cage wie zuletzt in "Tricks" Gelegenheit, eine neurotische Figur voller Macken, doch auch voller Menschlichkeit zu porträtieren.
Als David Spritz ist er aufgrund seines Jobs als TV-Wetterfrosch in Chicago eine Lokalberühmtheit mit gehobenem Einkommen. Doch wie sich durch seine zahlreichen Off-Kommentare entnehmen lässt, fühlt er sich als vollkommener Versager. Seine Ehe zu Noreen (klasse: Hope Davis) ist gescheitert, ihre beiden Kinder haben Gewichts- bzw. Drogenprobleme. Darüber hinaus steht er im Schatten seines Pulitzer-Preis-ausgezeichneten Vaters (Michael Caine), dessen Respekt er sich wünscht. Und als Running Gag muss Dave den regelmäßigen Bewurf mit Fast Food von Leuten, die seine Fernsehpersönlichkeit nicht ausstehen können, ertragen. Als er ein Angebot von der größten nationalen Morgensendung in New York erhält, klammert er sich an die Hoffnung, damit sein Leben in bessere Bahnen zu lenken.
Drehbuchautor Steve Conrad verfasste eine lose Plotstruktur und konzentriert sich auf das pessimistisch gefärbte Innenleben des Protagonisten, für den die Selbstfindung ähnlich unsicher wie die Wettervorhersage ist. Davids Frust entlädt sich in seiner vulgären Sprache, die im Kontrast zu seiner zunächst passiv-gutmütig wirkenden Persönlichkeit steht. Neben seinen inneren Monologen wird er durch die Interaktion mit seiner Familie definiert: Übertrieben enthusiastisch gibt er sich in seinen Versuchen, seine desinteressierte Tochter zum Schlittschuhlaufen oder Bogenschießen zu begeistern; hilflos und unsensibel in seinen Versuchen, seine Frau zurückzugewinnen; resolut, wenn es darum geht, seinen Sohn vor einem Päderasten zu schützen; und devot seinem übermächtigen Vater gegenüber. So unkonventionell wie Davids Charakter ist auch der Score von Hans Zimmer. Insgesamt eine sehr persönliche Sezierung des amerikanischen Traums, die mit subtilem Humor besticht. ara.