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There Will Be Blood

In Paul Thomas Andersons Studie über den Beginn des Ölzeitalters brilliert Daniel Day-Lewis als rücksichtsloser Geschäftsmann.


There Will Be Blood

Leihvideo

Erhältlich seit:
07.08.2008

Drama

USA 2007
Laufzeit: 152 Min.
FSK: ab 12

Daniel Day-Lewis
Paul Dano
Kevin J. O'Connor

Regie: Paul Thomas Anderson
Walt Disney Studios Home Entertainment

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Mit gigantischer Schauspieler-Leistung ehrt Daniel Day-Lewis eine grandiose Inszenierung.

Daniel Plainview schafft es nach ganz oben - und wird doch alles verlieren (Foto: Walt Disney) Großansicht

Daniel Plainview schafft es nach ganz oben - und wird doch alles verlieren (Foto: Walt Disney)

Daniel Plainview (Daniel Day-Lewis) findet zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Amerika durch Zufall Öl. Vom Ölfieber gepackt kauft er mehr und mehr Land auf und schafft es binnen weniger Jahre zum Magnaten.

Er riskiert sein Leben, um an das schwarze Gold zu gelangen, doch die Gier nach Reichtum und Macht lässt ihn schließlich alle moralischen Skrupel vergessen. Zudem wird sein Erfolg von einigen Unglücken überschattet, die den reichen Mann am Ende alles kosten.

Spätestens seit "Magnolia" wird Paul Thomas Anderson gefeiert. Mit seinem opulent in Szene gesetzten Porträt eines menschenverachtenden Aufsteigers schafft er einen weiteren Meilenstein der Filmgeschichte.

Der Prediger Eli versucht Plainview zur Vernunft zu bringen (Foto: Walt Disney) Großansicht

Der Prediger Eli versucht Plainview zur Vernunft zu bringen (Foto: Walt Disney)

Intensiv und roh

In prächtigen, farblosen Bildern erzählt, entstand ein Meisterwerk von gnadenloser Intensität und ungewöhnlicher Rohheit. Genial: der Soundtrack von Radiohead-Gitarrist Johnny Greenwood.

There Will Be Blood

Paul Thomas Anderson inszeniert das hypnotische Charakterporträt eines habgierigen kalifornischen Ölmanns der Jahrhundertwende, faszinierend von Ausnahmeschauspieler Daniel Day-Lewis dargestellt.

Für Autorenfilmer Anderson (Magnolia) markiert das ambitionierte Epos, das eine allamerikanische Aufstiegsstory mit parallelem innerlichem Zerfall ihres Protagonisten skizziert, seine erste Adaption eines fremden Stoffes. Als Vorlage diente ihm der 1927 veröffentlichte Roman "Öl!" von Upton Sinclair, der die Erfolgsgeschichte eines fiktiven Ölbarons schildert. Anderson greift nur den Rahmen des vor allem um die Aufklärung über politische und gesellschaftliche Abläufe bemühten Werks auf und macht daraus einen völlig eigenen Stoff über innere Verwahrlosung: Bescheidene Anfänge, skrupellose Geschäftsmethoden, immenser Reichtum, Vereinsamung und schließlich Wahnsinn waren auch Stationen im Leben von "Citizen Kane", zu dem sich unweigerliche Vergleiche ziehen lassen. Allerdings wird "There Will Be Blood" nicht in Rückblenden erzählt, und die Interaktionen des im Mittelpunkt stehenden Daniel Plainview beschränken sich auf wenige Menschen, ausschließlich Männer.

Der etwa 15-minütige Prolog etabliert den Protagonisten anno 1898 ohne Worte, aber mit einem atonal-pessimistischen, mal an- dann wieder absteigenden Summen (komponiert von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood) unterlegt, als rauhbeinigen Einzelgänger, der hartnäckig und ohne Rücksicht auf eigene Knochen in einem Minenschaft nach Silber sucht und schwarzes Gold entdeckt. Angeknüpft wird im Jahr 1911. Plainview macht gute Geschäfte, das ganz große Geld hat er jedoch bislang nicht angezapft. Mit seinem Adoptivsohn H.W. (der ausdrucksstarke Dillion Freasier) im Schlepptau kauft er das Land gutgläubiger Farmer zu Billigpreisen auf und geht mit seiner Crew an die Arbeit. Das Hervorsprudeln der ersten Ölfontäne mündet in eine Tragödie: eine einhergehende Explosion zerstört das Gehör von H.W. zerstört. Mit ölverschmierten Gesicht starrt Plainview geradezu ekstatisch auf die mächtige Feuersäule (nur eine der vielen ausdrucksvollen Bildkompositionen von Kameramann Robert Elswit), H.W. übergibt er seiner rechten Hand (Ciaran Hinds). Schien die Vater-Sohn-Beziehung bislang anrührend liebevoll, macht sich in Plainview eine dramatische Änderung bemerkbar. H.W. wird in eine Spezialschule abgeschoben, mit dem jungen Prediger Eli (Paul Dano aus "Little Miss Sunshine") liegt Plainview ebenso im erbitterten Clinch wie mit seinen Konkurrenten von Mobil Oil. Ein Besuch von seinem angeblichen Halbbruder (Kevin J. Connor) lässt den unnahbaren Misanthropen vorübergehend auftauen, doch eine gemeinsame Geschäftsreise endet in einer Katastrophe. Der Epilog ist 1927 angesiedelt und der mittlerweile völlig dem Alkohol verfallene Plainview haust Howard-Hughes- oder eben Kane-ähnlich in einer luxuriösen Villa, als er unerwarteten Besuch von Priester Eli erhält. Diese finale sinnbildliche Konfrontation zwischen Kapitalismus und Religion bildet die letzte brutale Gewalteruption einer pechschwarz gewordenen Seele.

Kahl, karg und öde sind die weitläufigen Landschatsaufnahmen (am Drehort Marfa, Texas, wurde auch der nicht unähnliche Giganten gefilmt), womit sich perfekt die innere Armut der Hauptfigur widerspiegelt. Wortkarg sind auch die vergleichsweise spärlichen Dialoge, bedächtig-durchdacht die Inszenierung. Der minimalistische Avantgarde-Soundtrack Greenwoods ergänzt diesen wuchtigen Klotz Americana stimmungsschwankendvoll akustisch. Day-Lewis fügt seinem Repertoire ein weiteres sensationelles Porträt bei, so dass vermutet werden kann: There will be Oscars. ara.

Darsteller:  Daniel Day-Lewis   als Daniel Plainview
  Paul Dano   als Paul Sunday/ Eli Sunday
  Kevin J. O'Connor   als Henry
  Ciarán Hinds   als Fletcher
  Dillon Freasier   als H.W.
  Mary Elizabeth Barrett   als Fannie Clark
  Colleen Foy   als Mary Sunday
  Hope Elizabeth Reeves   als Elizabeth
 
Regie:  Paul Thomas Anderson  
Buch:  Paul Thomas Anderson  
Musik:  Jonny Greenwood  
Kamera:  Robert Elswit  
Produzent:  JoAnne Sellar  
  Daniel Lupi  
  Paul Thomas Anderson  

Killer räumen Oscars ab

Mit einer Öldusche hatte man in Hollywood in der Oscar-Nacht gerechnet - stattdessen gab's reichlich blaue Bohnen!

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Javier Bardem heimste einen der vier Oscars für "No Country For Old Men" ein", Stefan Ruzowitzky nahm seinen Goldjungen für "Die Fälscher" von Penélope Cruz entgegen (Foto: © A.M.P.A.S.)

Vier von acht möglichen Oscars, darunter in den beiden Königsklassen Bester Film und Beste Regie, gab's von der Academy für die Killergroteske "No Country for Old Men" von den Brüdern Joel und Ethan Coen. Javier Bardem glänzt in der absurd-tragikomischen Ballade um kaputte Gangster und desillusionierte Gesetzeshüter als gewissenloser münzewerfender Mörder und heimste dafür zu Recht den Preis als bester Nebendarsteller ein.

Das Öl-Drama "There Will Be Blood" kam trotz ebenfalls acht Nominierungen nur auf zwei Goldjungen. Einen davon räumte erwartungsgemäß Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller ab. Als beste Hauptdarstellerin wurde völlig überraschend Marion Cotillard für ihre Rolle als Edith Piaf in "La Vie en Rose" ausgezeichnet. Die Französin war ebenso überrumpelt wie das ganze Kodak Theater, dass nicht die Favoritinnen Julie Christie oder Cate Blanchett geehrt wurden - Cotillard stand minutenlang unter Tränen vor dem Mikrofon und rang nach Worten für ihre Dankesrede. Am Ende fand sie die schönsten Worte des gesamten Abends: "Ich danke dem Leben und ich danke der Liebe. Es stimmt wirklich, dass es in dieser Stadt Engel gibt."

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Die Gewinner der Darstellerpreise strahlten um die Wette: Daniel Day-Lewis, Tilda Swinton, Marion Cotillard und Javier Bardem (Foto: © A.M.P.A.S.)

Deutschland freut sich mit Österreich

Den Oscar für die beste Nebendarstellerin gewann Tilda Swinton für ihre Rolle als Gegenspielerin von George Clooney im Gerichts-Thriller "Michael Clayton". Auch hier hatte Cate Blanchett für "I'm Not There" als haushohe Favoritin gegolten. Trotzdem war "Michael Clayton" neben "Abbitte" der große Verlierer: Beide Filme waren sieben mal nominiert, mussten sich aber mit nur einem Award begnügen.

Einen "halben" deutschen Oscar gab's für das KZ-Drama "Die Fälscher" mit August Diehl, das für Österreich in der Kategorie Bester nicht-englischsprachiger Film ins Rennen ging und in Deutschland koproduziert wurde. Regisseur Stefan Ruzowitzky erinnerte an seine erfolgreichen Landsmänner in Hollywood wie Billy Wilder oder Otto Preminger und sagte: "Es ist passend, dass der erste Oscar für Österreich an einen Film geht, der von den Verbrechen der Nazis handelt - denn aus diesem Grund mussten diese großen Künstler damals in die USA flüchten."

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.) Großansicht

Darsteller Tommy Lee Jones gratuliert den Coen-Brüdern zu ihrem Vierfach-Triumph (Foto: © A.M.P.A.S.)

Gedenken an Heath Ledger

"Das Bourne Ultimatum" darf sich rühmen, technische Maßstäbe gesetzt zu haben. Drei Oscars für Schnitt, Ton und Tonschnitt machen den spektakulären Agententhriller zum Film mit den zweitmeisten Preisen nach "No Country" und zum einzigen Beitrag, der alle Goldjungs erhielt, für die er nominiert war.

Einer der emotionalsten Momente war der Abschied der Academy von den Mitgliedern, die in den letzten zwölf Monaten verstarben: Am Ende des Zusammenschnitts von Höhepunkten aus den Werken der Filmschaffenden und Porträtfotos der verstorbenen Künstler wurde Heath Ledger gezeigt - und nachdem sich der Applaus gelegt hatte, herrschte lange Zeit gebannte Stille im gesamten Kodak Theatre.

 

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