
Mitte der Sixties waren Jeff Tracy und seine fünf Jungs coole Marionetten, die sich zur Rettung der Welt im Model- und Maschinenpark von Schöpfer Gerry Anderson austoben durfte. Heute sind die Thunderbirds ein Live-Action-Unternehmen, das sich ausschließlich an Kinder und Frühteens wendet. In den USA wurde diese Orientierung reserviert angenommen, womit man ein ausgesprochener Optimist, ein Thunderbird, sein muss, um auf dem deutschen Markt ein Durchstarten zu erwarten.
Natürlich spielt bei der Heiligenverehrung der britischen Sci-Fi-Serie nostalgische Verklärung mit, denn Plots und Charakterzeichnung reflektierten selten die Originalität, die das Konzept mit Marionettenhelden bot. Dieses aber garantierte zumindest konstanten Charme, der sich in keiner Realverfilmung konservieren ließe, ob nun der Regisseur Costa-Gavras oder Jonathan Frakes heißt. Frakes hat sich im Enterprise-Universum bewährt und sich mit "Clockstoppers" auch im Familyentertainment versucht, ist aber nicht die inspirierte Ideallösung, um den Brückenschlag zwischen Hommage und Neuanfang leisten zu können.
Zumal der Vermarktungsplan ihn und die Autoren zwingt, den vermuteten Erwartungen der Kids gerecht zu werden. So werden die erwachsenen Helden der Serie, Jeff Tracy und vier seiner Söhne, ins All abgeschoben, zu Passivität verbannt, während die Vernichtung des Bösen in die Hände des jüngsten Tracy, seines Schulfreunds und einer pubertierenden Jugendfreundin gelegt wird. Die "Lost in Space"-Strategie, zu der auch das Dilemma gehört, vom Vater nicht ernst genommen zu werden, findet ihre Entsprechung auch im britischen Bösewicht, den Ben Kingsley mit Lust, Leidenschaft und Augenrollen zum Besten geben darf. Kingsleys Figur bringt die Insel- Zuflucht der Familie in seine Gewalt, um mit der Tracy-Technik Banken aus zu rauben und eine offene Rechnung zu begleichen. Im Rahmen dieses simplen, ohne echte Höhepunkte erzählten Plots kommen wie in der Serie putzige Models, aber auch CGI-Tricks zum Einsatz. Überzeugender als die Technik ist die im rosaroten Kosmos lebende Kultagentin Lady Penelope, die mit Butler Parker gelegentlich den Ton trifft, den auch die Serie propagierte. Von der FSK ab 6 Jahren freigegeben, werden die "Thunderbirds" nach oben gewisse (Alters-)Grenzen nicht überschreiten, wird der Film, in dem sie jedes Kind kennt, von der Realität kaum eingeholt werden können. kob.