
Pittoreske Schauplätze, einen packenden Plot und einen diabolischen Bösewicht hat die erste Adaption nach den Kinderdetektivgeschichten von Thomas C. Brezina zu bieten.
Weltweit 20 Millionen verkaufte Exemplare sprechen eine deutliche Sprache. Doch die Abenteuer des Tiger-Teams zu kennen, ist eine Sache, daraus einen spannenden, unterhaltsamen Kinofilm zu machen, eine andere. Dass Gersina so etwas kann, hat er schon mindestens zwei Mal bewiesen - so analysierte er 1998 als Drehbuchautor sehr pointiert "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" und brachte 2004 frischen Wind in das Teen-Comedy-Sequel "Mädchen, Mädchen 2 -Loft oder Liebe". Dass er noch nie einen Kinderfilm inszeniert hat, ist dabei sicherlich weniger relevant als die Tatsache, dass er wie Autor Brezina Österreicher ist.
In der Hauptstadt unseres alpenländischen Nachbarlandes nimmt die Story der ersten "Tiger-Team"-Leinwand-Mission auch seinen Lauf: Als Biggi, Patrick und Luk per Zufall auf einen merkwürdigen Schlüssel in Drachenform stoßen, ist ihre detektivische Neugier geweckt. Per Internet kommen sie einem alten chinesischen Mythos auf die Spur, der die drei letztendlich bis ins ferne Peking führt. Dort müssen sie erkennen, dass auch noch ein Geheimbund, dem die finstere Lady Q (Iris Berben) vorsteht, daran interessiert ist, den sagenumwobenen Mondscheinpalast im Berg der 1000 Drachen zu öffnen. Denn darin vermutet man nicht nur unermessliche Schätze, sondern auch ein Elixier, das ewige Jugend verspricht. Jetzt müssen die Tiger beweisen, was sie als Detektive so alles drauf haben und verhindern, dass Lady Q, ihr hinterhältiger Sohn Munroe (Stipe Erceg) und deren Handlanger in den Besitz der unschätzbar wertvollen Flüssigkeit gelangen.
Gersinas an Originalschauplätzen in Wien, Vietnam und China entstandenes Kinder-Abenteuer überzeugt auf ganzer Linie. Es bietet einen aufregenden Plot, der durch zahlreiche Flashbacks in die chinesische Vergangenheit, durch die der alte Mythos um einen Kindkaiser erklärt wird, zusätzlich an Tempo und Spannung gewinnt. Es nutzt geschickt seine exotischen Locations - zum einen für einen ökologisch durchaus wertvollen Exkurs auf eine Panda-Station (mit erstaunlichen Bildern eines an einen Nacktmull erinnernden drei Tage alten Bärenbabys), zum anderen für eine besonders gelungene, weil urkomische Slapstick-Szene auf der Chinesischen Mauer, wo die Tiger in ein Brautmoden-Shooting platzen. Und es besitzt etwas, was schon der gute alte Hitchcock stets beherzigte: einen verdammt guten Bösewicht. Wie eine Hexe geschminkt, mit grimmiger Mimik und diabolischen Absichten (so will sie etwa gegrillte Panda-Pfoten verspeisen) zieht Iris Berben vom Leder, dass es eine wahre Freude ist. Zudem sorgen Hängebrücken, Höhlensysteme und ein gigantisches Morgenstern-Pendel für "Indiana-Jones"-Feeling, während Gags wie der Fußtritt in die Weichteile des übermächtigen maskulinen Gegners oder die Pfanne auf dem Kopf des selbigen trotz ihres Bekanntheitsgrades zünden. Fazit: ein lustiges, packendes und sogar ein bisschen lehrreiches Kinovergnügen, das Lust auf mehr macht - und da hat Autor Brezina, der auch das Drehbruch verfasste, sicherlich noch einiges auf Lager. lasso.