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To Die For

Kleinstadtschönheit Suzanne möchte Fernsehmoderatorin werden. Dafür geht sie auch über die Leiche ihres Mannes Larry. Scharfzüngige, virtuos verspielte Satire mit einer glänzend agierenden Nicole Kidman.


To Die For

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Erhältlich seit:
05.12.2008

Komödie/ Thriller

USA 1995
Laufzeit: 102 Min.
FSK: ab 12

Nicole Kidman
Matt Dillon
Joaquin Phoenix

Regie: Gus Van Sant
STUDIOCANAL Home Entertainment Germany

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To Die For

Suzanne Stone aus Little Hope will ins Fernsehen. Dank ihrer Hartnäckigkeit schafft sie es jedoch, einen kleinen Posten beim lokalen Fernsehen zu ergattern. Ehemann Larry ist davon weniger begeistert. Er würde seine Frau viel lieber öfter in der Küche sehen. Als er Suzanne damit konfrontiert, reagiert diese ungehalten und beschließt, Larry kurzerhand umbringen zu lassen. Der Mörder soll ihr neuer Lover Jimmy sein, ein Problemkind aus der Nachbarschaft.

Regisseur Gus van Sant kehrt mit dieser bitterbösen Mediensatire zu der Brillanz seiner früheren Meisterwerke "Drugstore Cowboy" und "My Private Idaho" zurück. Nicole Kidman ("Batman Forever") gibt als Suzanne Stone die Vorstellung ihres Lebens und Matt Dillon ("Der Kuß vor dem Tode) steht ihr in nichts nach. In der wichtigen Nebenrolle als Teenie-Lover begeistert River Phoenix' Bruder Joaquin. Eine grandios-zynische Komödie mit echtem Kultpotential.

To Die For

Mit dem erfreulichsten Comeback des Jahres meldete sich Gus Van Sant beim diesjährigen Filmfestival von Cannes in die Riege der Top-Regisseure zurück. Eine echte Überraschung, denn nach dem kolossalen Fehlschlag von "Even Cowgirls Get the Blues" hatte keiner mehr mit dem angeschlagenen Underground-Heroen gerechnet. Ironischerweise ist es Van Sants erste Arbeit für einen Major (in den USA Columbia), die den erklärten Independent-Kämpen zu jener Brillanz zurückführt, die "Drugstore Cowboy" und "My Private Idaho" zu Meisterwerken werden ließ. Ein Paradox? Nicht unbedingt, denn Van Sant ließ keine Abstriche zu. Dank des etwas höheren Budgets (um die zehn Mio. Dollar) wirkt die pechschwarze Mediensatire über eine moderne Hexe, die für ihre Karriere buchstäblich über Leichen geht, runder und professioneller als die vorangegangenen Werke. Ansonsten hat sich Van Sant seinen Sinn für Poesie, Anarchie, ungewöhnliche Strukturen und subversiven Humor bewahrt. Damit bietet er eine perfekte Spielwiese für Nicole Kidman, der nach dem wenig anspruchsvollen Auftritt als sexy Kleiderständer in "Batman Forever" mit der Rolle des All-American-Girl Suzanne Stone eine Oscar-Nominierung fast sicher ist. Sie bietet eine Knock-Out-Performance! Ein Hauch von "Serial Mom" umweht "To Die For", wenn sie einer fleischgewordenen Barbie-Puppe gleich hinter der Fassade ihres kleinbürgerlichen Universums aus Zahnpastareklamelächeln und Pastellfarben einen völligen Mangel an Mitgefühl für ihre Umwelt aufblitzen läßt. Als ihr gutmütiger Mann (Matt Dillon in einer augenzwinkernden Nebenrolle) sich gegen ihren beruflichen Aufstieg im Fernsehen sperrt, plant Sonnenscheinchen Suzanne seinen Tod. Sie erschleicht sich das Vertrauen dreier unterprivilegierter Heavy-Metal-Kids, macht den verklemmten Jimmy (River Phoenix' Bruder Joaquin) zu ihrem Lover und verlangt den Mord als Liebesbeweis. In der Art eines dokumentarischen Flickenteppichs breitet Van Sant rückblickend die faszinierende Chronik des Verbrechens anhand von Interviewsequenzen, gefälschten TV-Ausschnitten und Spielszenen aus. In den Händen eines anderen Regisseurs hätte das bitterböse Drehbuch von Starsatiriker Buck Henry leicht eine wenig reflektierte Gesellschaftsschelte werden können, in der die Figuren zu bloßen Karikaturen verkommen. Van Sants alles überragender Humanismus und Sympathie für seine Figuren nimmt Henrys Zynismus die Grausamkeit, ohne ihn jedoch zu entschärfen. Die Liebe zu den jugendlichen Underdogs ohne Chance in der Gesellschaft ist es einmal mehr, die Van Sants Arbeit so bemerkenswert macht. Nach Junkies und Strichern sind es jetzt White-Trash-Kids, vor denen er den amerikanischen Traum wie eine Seifenblase zerplatzen läßt. Trotz aller Tragik bleibt "To Die For" eine Komödie zum Mitschmunzeln. Dafür sorgen auch die italienischen Familienmitglieder von Suzannes Ehemann, die sich der Killerin in bester sizilianischer Manier annehmen. In den USA zunächst lustlos laufend verschoben, wird "To Die For" jetzt nach dem Erfolg von Cannes ein aussichtsreicher Großstart am 15. September zuteil. Die Moral könnte Gus Van Sant gefallen: Auch ein häßliches Entlein kann sich zum blendend schönen Schwan entwickeln. ts.

To Die For

Provinzschönheit Suzanne Stone träumt von einer strahlenden Karriere als TV-Star. Mit Ehrgeiz und Hartnäckigkeit ergattert sie eine kleine Stelle beim lokalen Fernsehsender. Ihr Gatte Larry sträubt sich gegen ihre Ambitionen, er würde seine Frau viel lieber daheim vor dem Herd sehen. Doch Suzanne ist bereit, für ihre Ziele über Leichen zu gehen ...

Quelle: Studiocanal

Featurette, Interviews mit Nicole Kidman, Matt Dillon und Gus Van Sant, B-Roll, Werbematerial als PDF, Fotogalerie, Trailer

Quelle: Studiocanal

Darsteller:  Nicole Kidman  
  Matt Dillon  
  Joaquin Phoenix  
  Casey Affleck  
  Illeana Douglas  
  Alison Folland  
  Dan Hedaya  
  Wayne Knight  
  Kurtwood Smith  
  Holland Taylor  
  Maria Tucci  
  Susan Traylor  
  Buck Henry  
 
Regie:  Gus Van Sant  
Buch:  Buck Henry  
Musik:  Danny Elfman  
Kamera:  Eric Alan Edwards  
Produzent:  Laura Ziskin  

Schockieren macht Spaß

US-Regisseur David Fincher fesselt das Kino-Publikum aktuell mit "Panic Room" - Jodie Foster gefangen in einem Hochsicherheitsraum. Was fordert den 39-jährigen Hollywood-Profi heraus, was treibt ihn an?

Feierte in Berlin Deutschland-Premiere: David Fincher Großansicht

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» "Panic Room" weist Kamerafahrten auf, die dem Zuschauer den Atem verschlagen. Sie wollten das Publikum damit darauf vorbereiten, dass alles möglich ist und man womöglich Dinge zu sehen bekommt, die man gar nicht sehen will. Warum?

DAVID FINCHER: Naja, es handelt sich um einen Thriller, oder? Und darum geht es doch bei diesem Genre. Man zeigt gewisse Geheimnisse, die einzelne Figuren der Geschichte wissen, andere aber nicht. Man zeigt die Reaktionen der Nichtwissenden. Man muss das Publikum beim Aufbau einer Story mit einbeziehen und klar machen: Hier wird etwas Schlimmes passieren.

Damit macht man sofort klar: Wenn es hier zur Sache geht, dann wird sich der Film nicht davon abwenden, dann wird es zeigen. Das empfinde ich als die ungeschriebene Angst, die von Thrillern ausgeht.

"Sieben" hat sicherlich beim Publikum gezielt eine Reaktion ausgelöst: Wenn das, was ich bisher gesehen habe, schon so schlimm war, dann will ich gar nicht sehen, was er noch alles vor hat. Gleichzeitig ist man fasziniert und kann sich nicht mehr abwenden.

Der Albtraum: Bedrohung in fremder Umgebung

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» Ist es Ihnen möglich, Ihre Auseinandersetzung mit dem Inhalt auf die Lösung technischer Probleme zu beschränken? Spielen die Themen der Geschichte keine Rolle für Sie?

Natürlich gehe ich die Sache auch thematisch an. Wenn ich die Gesichter auswähle. Wenn man sich auf den Stil festlegt. Wenn man sich überlegt, welche Musik man hören soll oder wie man gewisse Dinge gruppiert, damit sie funktionieren.

Glauben Sie mir, ich habe lange Nächte mit Gedanken über das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter verbracht. Dass sie bei der Gute-Nacht-Szene eine enge Verbundenheit verspüren, die sich erst wieder bei der Taschenlampenszene einstellt und noch einmal inmitten des brennenden, herumschwirrenden Papiers.

Wenn Mutter und Tochter Pizza essen, dann übermittle ich, dass sich die beiden einmal sehr nah waren und sich aber voneinander entfernt haben. Das Mädchen steht zwischen zwei Menschen [ihren geschiedenen Eltern], die einst eine Einheit waren. Damit muss sie fertig werden. Vieles bleibt unausgesprochen, aber ich zeige es in kleinen, scheinbar belanglosen Details. Nehmen Sie das Sid-Vicious-T-Shirt der Tochter. Auf eine konservative, beruflich erfolgreiche Frau wie Meg Altman muss es eine Wirkung haben, die unterbewusst der Beziehung mitschwingt.

Trotz Stahltüren ausgeliefert? Kristen Stewart als Sarah Altman

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» Sie könnten ja auch Filme über sonnige, beschwingte Dinge machen. Statt dessen beschäftigen Sie sich mit den Abgründen der menschlichen Seele.

Nun gut, "Alien 3" ist ein Film über Opferbereitschaft, über das Ende der Ich-Generation, das Ende der 80er Jahre. Er soll zeigen, dass es etwas größeres als das Ich, das Individuum gibt. "Sieben" ist ein Film, der über das Böse sinniert. Dass das Böse den Menschen zwangsläufig kompromittiert und deshalb gewinnen wird. In "The Game" geht es um Wiedergeburt. Das sind die größeren, bestimmenden Elemente.

Anders gesagt: "Alien 3" ist ein Monsterfilm - kein sehr guter übrigens -, "Sieben" ist ein Serienkillerthriller mit einer überraschenden Wendung am Schluss, und "The Game" ist wie eine Episode von "Twilight Zone", nur dass die Geschehnisse nicht übernatürlich, sondern erklärbar sind und man am Schluss einfach die Rechnung dafür präsentiert bekommt.

Mütterliche Heldin: Jodie Foster

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» Richtig. Die Frage ist doch, welche der beiden Seiten die wichtigere für Sie ist.

Sie sind gleich bedeutend. Ich interessiere mich für Dinge, denen man sich auf verschiedenen Ebenen nähern kann.

Mit einem Schauspieler oder einem Beleuchter muss ich mich aber nicht unbedingt über die Themen auseinandersetzen. Ich muss ihnen Anweisungen geben - und die sind technischer Natur: Stell sicher, dass kein Schatten auf ihr Gesicht fällt! Beeil Dich mit der Taschenlampe, weil wir dafür nicht den ganzen Tag Zeit haben!

Mein Job ist leicht definiert: Denke global, handle lokal. Natürlich muss man immer das große Bild im Blick haben, aber wenn gedreht wird, muss es im Unterbewusstsein verschwinden, denn jetzt geht es um pragmatische Entscheidungen.

Der intelligente Thriller sorgte 1999 für Furore

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» Alles muss ineinander greifen und perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Ja. Was mich so wahnsinnig macht, ist, dass es nicht vorzubestimmen ist, wie die Dinge genau zusammenpassen. Manchmal ist es reines Glücksspiel.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie oft ich mir bei meiner Arbeit nach einer Szene denke: Scheiße, jetzt habe ich gerade voll ins Klo gegriffen. Ich hatte so eine tolle Idee, aber das funktioniert ja überhaupt nicht. Jemand sollte mich sofort erschießen.

Fünf Jahre später lernt man dann Leute kennen, die einem erzählen, wie sehr sie den Film mochten, besonders diese Idee. Ich kann das dann gar nicht fassen: Wie können sie das richtig verstanden haben, wo ich doch sicher war, dass ich das voll in den Sand gesetzt habe. Und ihnen scheint es vollkommen einleuchtend zu sein.

Brachte '92 ersten Ruhm: "Kein sehr guter Monsterfilm"...

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» Nehmen Sie Ideen, deren Umsetzung Ihnen in einem Film nicht ganz gelungen ist, beim nächsten Projekt noch einmal in Angriff?

Kommt vor. "The Game" hätte das Publikum zum Beispiel unmittelbarer ansprechen müssen. Wir waren dem Zuschauer immer einen Schritt zu weit voraus waren und man verlor deshalb ab einem gewissen Punkt das Interesse. Das Publikum kann nichts damit anfangen, wenn man ihm ein intellektuelles Erlebnis vorsetzen will. Es investiert eineinhalb Stunden seiner Zeit und möchte auch etwas geboten bekommen. Ich habe den Eindruck, dass "Panic Room" in seiner Umsetzung eine unmittelbarere Version von "The Game" ist. Die Geschichte ist simpler.

Aber, Mann, diese Film verlangen einem das Letzte ab. Sie zu drehen, ist eine höllische Arbeit. Ich habe früher die Nase gerümpft über Regisseure, die ihre Filme für ein Publikum drehen.

Das hat nichts mit mangelnder Integrität zu tun, sondern mit der Absicht, dass jeder der Handlung und den Ideen des Films folgen kann. Man will niemanden verlieren. Man muss sich anstrengen, dass jeder im Kino das Gleiche zur gleichen Zeit sieht und erlebt. Das ist schwieriger als man glaubt. Ich nenne das den Aufziehspielzeug-Film.

Michael Douglas und Sean Penn in raffiniertem Verwirrspiel: "The Game"

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» Fällt es Ihnen von Film zu Film schwerer, den eigenen Ansprüchen und gleichzeitig denen des Publikums gerecht zu werden?

Das ist der Sinn der Übung bei diesem Film. Natürlich muss das Publikum hier nicht so viel Vorwissen oder Aufnahmebereitschaft mitbringen wie bei "Fight Club". Da habe ich einen aussichtslosen Kampf geführt: Man kann nicht zwei Gesichter auf ein Poster packen und dann erzählen, dass es sich um ein und die selbe Figur handelt. Keine Chance. Darauf ist niemand vorbereitet. Es ist nicht möglich, diese Behauptung aufzustellen, ohne dem Zuschauer einen Schritt voraus zu sein.

» Dann wiederum gibt es die Kubrick-These: "Wenn man es denken kann, dann ist es auch filmbar."

Unbedingt. Aber: Nur weil ich etwas so filme, wie ich es denke, heißt das noch lange nicht, dass das Publikum es so verstehen wird. Sie können es sehen. Aber verstehen werden sie es vielleicht nicht.

» Ursprünglich sollte "Panic Room" ein kleines, unkompliziertes Projekt werden...

... das vor allem nicht mehr als zwei Jahre dauern sollte. Ganz sicher wollten wir ihn schon vor dem 11. September im Kino haben. Die Idee war: Acht Wochen Dreh, schnell fertig machen - kleiner, fieser Thriller. Sie sehen ja, was daraus geworden ist.

Nur keine Panik!

Nur keine Panik!

» Haben Sie sich "Panic Room" auch deshalb vorgenommen, um sich von "Fight Club" zu erholen? Nach der inhaltlichen Komplexität eine eher technische Herausforderung?

Wissen Sie, ich empfand die Einfachheit der Geschichte als eigentliche Herausforderung. "Fight Club" war als Projekt längst nicht so anstrengend und schwierig wie "Panic Room". Er war leichter zu drehen. "Fight Club" dauert so lang, wie man braucht, um "Fight Club" zu erzählen.

Klar, man kann die Szenen so knapp und prägnant schneiden, wie es geht, aber die Szenen müssen drin sein, und der Film wird zwei Stunden und 15 Minuten dauern. Punkt.

Bei "Panic Room" wussten wir, dass er nicht länger als 115 Minuten werden durfte. Da muss man mit einer ganz anderen Disziplin arbeiten. Gleichzeitig muss man das Publikum immer im Kopf haben.

Fühlt sich der Zuschauer in die Geschichte involviert oder ist man zu weit voraus? Hängt man zurück und langweilt die Leute? Versteht man die Szene, wen oder was wir gerade zeigen? Habe ich das Publikum im Griff oder stoße ich es ab?

Und dann der Ablauf der Geschichte - ein gottverdammter Albtraum! Da sind 16 Videomonitore, die jede Bewegung aus allen Richtungen aufzeichnen. Wie soll man das ausleuchten? Vieles mussten wir doppelt aufnehmen und beim zweiten Mal jede Bewegung exakt duplizieren. Irrsinnig kompliziert, zu kompliziert.

Bewundert: Kidman und Cruise in "Eyes Wide Shut"

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» Würde Sie ein Projekt interessieren, wenn es anders wäre? Wenn Sie sich damit nicht wieder weiter pushen würden?

Ich wäre froh, eine gesündere Haltung dazu zu haben. Aber da steckt doch der kleine Masochist in mir, der sagt: Hör zu, wenn Du schon den Frau-in-Gefahr-Film drehst, dann mach den kompliziertesten Frau-in-Gefahr-Film aller Zeiten.

» Die Frau in Gefahr sollte zunächst Nicole Kidman sein. Nach zweieinhalb Wochen Dreh mussten Sie sie nach einer schweren Knöchelverletzung durch Jodie Foster ersetzen. Können Sie sagen, ob "Panic Room" mit Nicole Kidman ein anderer Film geworden wäre?

Jeder Filmstar weckt eine gewisse Erwartung. An Nicole Kidman interessiert mich, dass sie alles widerlegen kann, was man über sie zu wissen glaubt. Sie ist schön und zerbrechlich - und dann sieht man einen Film wie "To Die For", da ist sie eine ruchlose, blitzgescheite, narzisstische, verrückte, aberwitzige Person.

Oder man sieht "Eyes Wide Shut". Man weiß, sie ist die Ehefrau von Tom Cruise und dann kommt die Szene, in der sie Pot raucht und Tom ihre Fantasie offenbart. Man kann sich nicht vorstellen, dass zwei Schauspieler, noch dazu ein Ehepaar im richtigen Leben, vor der Kamera die Essenz dieser Szene finden können. In "The Others" und "Moulin Rouge" war sie ebenfalls toll. Sie spielt gegen das eigene Glamour-Image an und ist dabei eine Offenbarung.

Nur zweite Wahl? Jodie Foster

Nur zweite Wahl? Jodie Foster

Jodie Foster ist schon so lange so sensationell großartig, dass man bei ihr diese Offenbarung, diese Überraschung nicht mehr erlebt. Sie ist jemand, der selbst die höchsten Erwartungen erfüllt. Sie ist in ihren Filmen nie jemand, der man selbst sein will, sondern jemand, der fast genauso ist, wie man selbst. Wenn man so sein will wie sie, dann liegt das an ihrem Verhalten. An ihrer Würde, ihrer Intelligenz, aber nicht wegen ihres Aussehens und ihrer Präsenz.

Beide sind wunderbar, haben aber auch Einfluss auf die Geschichte von "Panic Room". Bei Nicole wären andere Aspekte verstärkt worden: Sie wäre eine Meg Altman, die nie eine richtig funktionierende Beziehung zu ihrer Tochter gehabt hätte. Nicole ist feminin und zerbrechlich, und ihre Tochter fährt Skateboard, trägt Sid-T-Shirts und interessiert sich überhaupt nicht dafür, wie ein Mädchen auszusehen.

Bei Jodie ist das anders: Sie ist offensichtlich ein mütterlicherer Typ. Da kann man nicht erzählen, dass sie nie eine funktionierende Beziehung zu ihrer Tochter hatte. Aber die Scheidung kann einen Keil zwischen die beiden getrieben haben. Und das muss man beim Dreh berücksichtigen.

David Fincher

David Fincher

» Auch wenn Sie noch einmal von vorn anfangen mussten. Konnten Sie auch den Vorteil nutzen, einzelne Ansätze noch einmal zu überdenken?

Aus diesem Grund drehten wir die Szene noch einmal, in der man die drei Einbrecher kennen lernt. Wir wollten deutlicher erklären, warum sie im Haus bleiben und machten die Szene strenger, härter. Wir mussten die Gefahr bedenken, dass das Szenario "Kevin - Allein zu Haus" werden kann, eine Karikatur, ein Witz. Da muss man den Daumen draufhaben: Das Publikum muss den Eindruck gewinnen, dass die Einbrecher Jodie Foster ebenbürtig sind.

» Ursprünglich wollten Sie in kompletter Dunkelheit drehen?

Wir haben mit der Idee gespielt und einiges mit digitalen Kameras aufgezeichnet. Das war ziemlich cool. Aber: So sehr mir der Gedanke gefiel, den ich auf jeden Fall weiterverfolgen will, war uns auch bewusst, dass das einfach zu viel verlangt war. Wer will schon zwei Stunden in völliger Dunkelheit sitzen?

Ich hätte das gleiche Problem gehabt wie bei "The Game": Ich hätte die Zuschauer verloren. Und das wollte ich unbedingt vermeiden, also wurde der Film insgesamt etwas heller.

...in Denkerpose

...in Denkerpose

» Sie betonen die Wichtigkeit des Publikums. Worauf legen Sie Wert, wenn Sie ins Kino gehen?

Ich genieße es, wenn man mich täuschen kann. Ich mag es nicht, wenn ich vor meinem geistigen Auge die Mikrofongalgen knapp über dem Bildrand sehe. Ich mag es, wenn ich Handlungselemente nicht schon aus Kilometer weiter Entfernung auf mich zukommen sehe. Wenn man mich täuscht, wenn es dem Film gelingt, mich in seine Realität zu transportieren und ich die Figuren spannend finde. Ich spreche auf Filme an, wenn sie gut sind.

» Und das passiert?

Yeah. Yeah.

 

To Die For in der Fotoshow

 

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