
Kulinarische Komödie um Kindheit und Jugend des berühmten britischen Spitzenkochs und Foodjournalisten Nigel Slater.
Liebe geht durch den Magen, eine alte Weisheit, die Mütter ihren Töchtern mit auf den Weg in die Ehe gaben und in den 1960er Jahren noch galt. Diesen Leitspruch beherzigt auch die Reinigungsfrau mit dem schönen Namen Mrs. Potter, sie becirct den Hausherrn nach dem Tod seiner Frau mit üppigen Gerichten und darf bald an dessen Seite den Aufstieg in die Mittelschicht genießen. Sehr zum Leidwesen von Sohnemann Nigel, der seine Mutter betrauert und die Stiefmutter hasst, jede Gelegenheit nutzt, sie in der Gesellschaft zu kompromittieren. Aber gegen ihre sauren Saucen und sexy Rundungen hat der Junge keine Chance.
Die autobiografischen Erinnerungen des in England berühmten TV-Kochs Nigel Slater spielen in einer Zeit, als trockener Toast, Konservenfutter, Fritten und fetter Fisch den Tisch zierten, derbe Kost ohne jegliche Rafinesse. Bald konkurrieren Stiefsohn und Stiefmutter erbittert um Aufmerksamkeit und Zuneigung des Pater Familias, gegen schwere Buttercremetorte setzt Nigel die auch nicht ganz leichten Spaghetti Bolognese und die Veredelung ganz normaler Speisen mit "exotischen" Gewürzen wie Thymian. Der Kampf kumuliert zum Küchen-Showdown bei der Herstellung von Zitronen-Baiser. Gegen das durchtriebene Vollweib hat der Filius keine Chancen. Die von der BBC 2010 ausgestrahlte Fernsehproduktion und etwas antiquiert wirkende "wahre" Geschichte, wohl zuallererst für Koch-Show-Adepten konzipiert, lebt von den Darstellern. Die sinnliche Helena Bonham Carter in passendem 60er Jahre-Outfit begeistert in ihrem Wandel von Berechnung und Begehren und erfüllt nicht nur das böse Klischee der Stiefmama. Sehr differenziert spielt Oscar Kennedy den jungen Nigel in seiner Wut und Einsamkeit, der später (dann gespielt von Freddie Highmore) bei der Anstellung im örtlichen Pub seine Homosexualität entdeckt. Wenn der Außenseiter nach dem Tod seines Vaters in einem Londoner Hotelrestaurant seine Bestimmung findet, lässt Regisseurin S.J. Clarkson die eher drögen Verwicklungen enden. Die Opulenz von Kuchen und Pasteten sucht man bei den (Fernseh)Bildern leider vergeblich. mk.