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Tödliche Versprechen - Eastern Promises

Vertrackter Thriller von David Cronenberg über eine Londoner Hebamme, die an eines der gefährlichsten Mitglieder der Russenmafia gerät.


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Erhältlich seit:
27.10.2008

Originaltitel: Eastern Promises

Thriller/ Drama

Großbritannien/Kanada 2007
Laufzeit: 101 Min.
FSK: ab 16

Viggo Mortensen
Naomi Watts
Vincent Cassel

Regie: David Cronenberg
Universum Film

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Der neue Thriller von David Cronenberg aus der Welt des organisierten Verbrechens, packend bis zur letzen Sekunde.

Hebamme Anna stellt Nachforschungen an (Foto: Tobis) Großansicht

Hebamme Anna stellt Nachforschungen an (Foto: Tobis)

David Cronenberg ist ein Naturtalent. Während die meisten Regisseure mit fortschreitendem Alter an Energie einbüßen, übertrifft sich der 64-Jährige mit jedem seiner Werke selbst. Mit "Tödliche Versprechen" gelingt ihm jetzt ein Meisterstück, das zu den besten Filmen des Jahres gerechnet werden darf.

Die ideale Vorlage liefert das Drehbuch von Steve Knight: Es entspinnt eine ebenso akribisch recherchierte wie brillant aufgebaute Thriller-Handlung im Milieu der russischen Mafia in London.

Auslöser des wendungsreichen Plots ist eine Zwangsprostituierte, die bei der Geburt ihres Kindes stirbt und ein Tagebuch voll kompromittierender Ausführungen hinterlässt. Als die Hebamme Anna (Naomi Watts) nach dem Vater zu forschen beginnt, entdeckt sie hinter der bürgerlichen Fassade eines russischen Restaurants eine Welt ungeahnter Brutalität, die bald ihre Fühler nach ihr ausstreckt.

Nikolai wird von den obersten Mitgliedern des Clans einer Prüfung unterzogen (Foto: Tobis) Großansicht

Nikolai wird von den obersten Mitgliedern des Clans einer Prüfung unterzogen (Foto: Tobis)

Viggo in Action

Aber "Tödliche Versprechen" ist nicht einfach ein packender 'Mädchen in Gefahr'-Thriller, sondern verzahnt auch zwei Familiendramen, und das wahre Zentrum der Geschichte ist nicht die gutmütige Heldin, sondern der undurchsichtige Mafioso Nikolai. In dieser Rolle zeigt Viggo Mortensen eine derartige Mischung aus Stoizismus und Intensität, wie sie derzeit kaum ein anderer Hollywood-Star bieten kann - ganz zu schweigen von der gewagtesten Actionszene des Jahres.

Von diesen Darstellern bis hin zum Timing, von der Dramaturgie bis zur Atmosphäre, "Tödliche Versprechen" ist ein Film, in dem alles stimmt.

Tödliche Versprechen - Eastern Promises

Und noch eine Geschichte der Gewalt: Im gleichen Maße, wie er den Western als Rahmen für seinen großartigen "A History of Violence" nutzte, nimmt sich David Cronenberg in seinem zweiten Genrefilm in Folge des Gangsterfilms an, um hoch konzentriert eine geradlinige Story mit Widerhaken zu erzählen, die in den Magen trifft und den Kopf beschäftigt.

Denkbar simpel beginnt "Tödliche Versprechen", realisiert nach einem Drehbuch von "Dirty Pretty Things"-Autor Steve Knight und cool erzählt in knackigen 96 Minuten, mit zwei zunächst scheinbar unzusammenhängenden Vorfällen: Ein grausamer Mord in einem russischen Friseursalon in London, und ein 14-jähriges Mädchen, das hochschwanger und verzweifelt in einem Krankenhaus auftaucht und bei der Frühgeburt ihrer Tochter ihr Leben verliert. Hebamme Anna, selbst russischer Abstammung, die nach der Trennung von ihrem Freund und dem Verlust ihres Babys wieder bei ihrer Mutter wohnt, nimmt sich das Kindes an und findet in den Sachen des Mädchens ein Tagebuch, das sie Zuhause von ihrem Onkel übersetzen lässt. Fast unscheinbar und doch mit zwingender Logik werden damit die Türen zu einer Welt aufgestoßen, die man durch die Augen Annas gleichzeitig mit Faszination, Abscheu und Angst kennenlernt, zu Typen, die nach eigenen Gesetzen und Kodices leben, zu dem scheinbar sanften Restaurantbesitzer und Patriarchen Semyon, seinem unberechenbaren Sohn Kirill und dessen rechter Hand, dem undurchschaubaren Nikolai.

Es ist die Welt der Vory V Zakone, sprich: der Russenmafia, in der nicht gezögert wird, die eigenen Interessen mit beispielloser Gewalt durchzusetzen. Die beiden Geschehnisse zu Beginn des Films lösen eine Kette von Ereignissen aus, in denen die klare Ordnung dieser Unterwelt in Frage und auf den Kopf gestellt wird: Von Betrug, Intrigen, Mord, Mädchenhandel, Verrat, falscher Identität und Königssturz erzählt "Tödliche Versprechen", und er tut es so präzise und doch beiläufig, ohne überflüssige Szene oder falschen Moment, so eiskalt und doch voller Menschlichkeit, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Wenn man eine Szene herausgreifen will, über die gesprochen wird, dann ist es der Moment, in der Nikolai geopfert werden soll, wenn es zwischen ihm, unbekleidet und angreifbar, in einer Sauna zu einer barbarischen Auseinandersetzung mit zwei tschetschenischen Killern kommt: Sie ist die Fortsetzung der elektrisierenden Actionszenen von "A History of Violence", nur noch realistischer, noch roher und wilder: Bei der Pressevorführung in Toronto ging ein kollektiver Aufschrei des Schreckens durch das Auditorium. Der ultimative Adelsschlag für den Thriller: Man kann nicht unberührt bleiben von dem, was sich auf der Leinwand abspielt.

David Cronenberg befindet sich an einem aufregenden Punkt in seiner Karriere. Mit "A History of Violence" und "Tödliche Versprechen" hat er die kopflastigen Planspiele der Vergangenheit hinter sich gelassen. Er muss sich mittlerweile nicht mehr beweisen, worum es ihm in seiner Philosophie von Kino geht. Vielmehr sind in "Tödliche Versprechen" all seine Themen nahtlos in die Textur des Stoffes eingewoben, ohne von der Handlung abzulenken. Stattdessen unterfüttern sie Figuren und Geschichte in einer Form, das man unentwegt beschäftigt bleibt und sich beim Betrachten zahllose weitere Perspektiven auftun, während die Story auf ihren unausweichlichen Abschluss zutreibt. Fragen zu Identität, mühselig aufgebaute Fassaden, Einzug von Gewalt in gesicherte Existenzen beschäftigen Cronenberg, während sein überwältigender Star Viggo Mortensen, als eiskalter und doch weicher Russe ebenso überzeugend wie zuletzt als amerikanischer Jedermann, erneut ein komplexes Psychogramm der Seele eines Mannes abliefert, der längst nicht mehr das ist, was er selbst einst zu sein hoffte, wunderbar unterstützt von Naomi Watts, Vincent Cassel und Armin Mueller-Stahl in seiner ersten Filmrolle seit Jahren als unnachgiebiger Patriarch. "Tödliche Versprechen" mag die Meta-Ebene von "A History of Violence" fehlen. Aber er ist noch spannender. ts.

Darsteller:  Viggo Mortensen   als Nikolai
  Naomi Watts   als Anna
  Vincent Cassel   als Kirill
  Armin Mueller-Stahl   als Semyon
  Sinéad Cusack   als Helen
  Jerzy Skolimowski   als Stephan
  Josef Altin   als Ekrem
  Mina E. Mina   als Azim
  Aleksander Mikic   als Soyka
  Sarah-Jeanne Labrosse   als Tatiana
 
Regie:  David Cronenberg  
Buch:  Steve Knight  
Musik:  Howard Shore  
Kamera:  Peter Suschitzky  
Produzent:  Paul Webster  
  Robert Lantos  

David Cronenberg macht "Tödliche Versprechen" in Russland

Liebesgrüße nach Russland: Regisseur David Cronenberg will "Tödliche Versprechen 2" in der Heimat der russischen Mafia spielen lassen.

"Tödliche Versprechen 2" hält Viggo Mortensen in Russland (Foto: Tobis) Großansicht

"Tödliche Versprechen 2" hält Viggo Mortensen in Russland (Foto: Tobis)

Vergangenen Monat beklagte Starregisseur David Cronenberg öffentlich das fehlende Interesse des Studios 20th Century Fox an einer neuen Fortsetzung von "Die Fliege". Aber ein zweiter Teil von "Tödliche Versprechen" könne noch drin sein.

In einem Interview wurde Cronenberg nun konkret: "Ich fühlte, dass es über Nikolai (Viggo Mortensen) noch viel zu erzählen gibt. Ich wollte, dass er zurück nach Russland geht. In der Urfassung des Drehbuchs von 'Tödliche Versprechen' gab es Szenen, die in Russland spielten. Die hatte ich gestrichen."

"Sie hätten mir die faszinierende Idee, wie Exil-Russen in London versuchen, Russland nachzubilden, verwässert", so David Cronenberg weiter. "Aber jetzt würde ich gerne sehen, wie Nikolai in seine Heimat zurückkehrt."

Ein bisschen summt "Die Fliege 2" noch ...

Zum Thema "Die Fliege 2" hat Cronenberg die Hoffnung auf ein Umdenken des Studios noch nicht aufgegeben: "Die Technologie hat sich in den vergangenen 25 Jahren extrem weiterentwickelt. Es hat mich sehr interessiert, was mir dazu einfällt - ohne zu wissen, ob mir das selbst gefällt oder denen beim Studio. Es endete damit, dass es uns allen gefiel - und trotzdem kommt der Film nicht zustande. Aber man weiß ja nie ..."

 

Tödliche Versprechen - Eastern Promises in der Fotoshow

 

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