
Minimalistisches Sci-Fi-Drama, in dem gebrechliche Reiche die Körper von bettelarmen Afrikanern bewohnen: eine Meditation über ethische Grundfragen.
Damir Lukacevics zweiter Spielfilm, entstanden für "Das kleine Fernsehspiel", ist ein bewusster Gegenentwurf zu Effekt-Opern. Das kühle Arthaus-Kopfkino erreicht langsam das Herz und nutzt seine Vision als Bühne für einen Diskurs über ein ganzes Bündel ethischer Probleme. Die Idee, seine Persönlichkeit gegen ein Millionensümmchen auf einen jungen, gesunden und schönen Körper zu übertragen, um ihn zwanzig Stunden am Tag als Avatar zu bewohnen, gerät weniger nach James Cameron denn "Gattaca" mit all seinen philosophischen und moralischen Fragen.
Weil nun eine reiche deutsche Elite, hier ein gebrechliches Ehepaar kurz vor dem Alterstod, sich in den Körpern mittelloser afrikanischer Flüchtlinge einnistet, werden sie nicht nur Teilzeit-Körperfresser, sondern auch Neo-Kolonialisten. Die Wirte kommen nachts für wenige Stunden zu sich und entdecken, dass ihnen der skrupellose Konzern, die Humantechfirma Menzana, übel mitgespielt hat. Die beiden Spender verlieben sich und fassen einen aussichtslosen Fluchtplan, womit sich das Themenspektrum um einen romantischen und einen weiteren psychologischen Aspekt erweitert, den des Doppelgänger, der gespaltene Persönlichkeiten, Nachtwesen.
Als die junge Frau schwanger wird, stecken alle vier in einem Dilemma, das sowohl grundlegende philosophische Themen wie Körper und Geist, als auch aktuelle wie den Menschen als Ware abhandelt, in seiner etwas hüftsteifen Künstlichkeit vielleicht nicht so elegant wie "Alles, was wir geben mussten", aber doch vielschichtig und umfassend. Überdies arbeitet Lukacevic geschickt die Migrations-Thematik seines Erstlings "Heimkehr" in das minimalistische Moraldrama im futuristischen Design mit ein. Nur über den Wachbeauftragten Laurin (Mehmet Kurtulus aus "Gegen die Wand" als Frankensteinsches Monster) hätte man gerne mehr erfahren.
tk.